"Hackevoll" an der Playa: "Ikke darf generell alles"

Er nennt sich "Hüftgold" und reifte zu einem Star der Ballermann-Szene heran

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Ikke Hüftgold kommt einmal pro Woche für einen Auftritt an die Playa de Palma. Eigentlich heißt der Musiker Matthias Distel und

Ikke Hüftgold kommt einmal pro Woche für einen Auftritt an die Playa de Palma. Eigentlich heißt der Musiker Matthias Distel und ist eigenen Angaben zufolge im normalen Leben "sehr seriös".

"Wie kann man mit dem Publikum charmant umgehen und trotzdem asozial sein?" Das ist eine der Fragen, die den Mann bei seinen Auftritten umtreiben. Zottige Haare auf dem Kopf, dichte Wolle auf der Brust, ein roter Drei-Streifen-Trainingsanzug und eine stattliche Wampe, die im Takt wippt, wenn der Sänger über die Bühne tobt - das ist Ikke Hüftgold. Mit seinen Auftritten im "Bierkönig" hat sich Ikke in den vergangenen Jahren zu einem der Kultstars an der Playa de Palma hochgearbeitet. Und das ganz ohne Dschungelaufenthalt, Castingshow oder Auswandererdoku. Ikke ist anders. Und selbst für die Ballermann-Szene extrem. Sein Motto, als er 2009 an den Start ging: "Schräger sein als alles, was da war."

Zurzeit singt das Partyvolk an der Playa Ikkes Version von Helene Fischers Superhit "Atemlos": "Hackevoll durch die Nacht" (siehe Youtube-Video unten). Das Lied wurde bei Youtube schon fast 600.000-mal angeklickt. Textproben: "Wir ziehen durch die Straßen und die Puffs dieser Stadt. Immer auf der Suche wer noch Alkohol hat. Oho, oho" - "Ich halte an der Tanke trink ein Bierchen in Ruh, und Anke von der Tanke beißt mir noch ein Tattoo. Oho, oho" - "Wir sind unzertrennlich, meine Leber ist unsterblich. Flasche in den Hals, komm' sauf' mit mir".

"Ikke ist alles außer der Norm. Ikke darf generell alles", erklärt Matthias Distel, das Alter Ego von Señor Hüftgold. "Für mich ist es auch immer wie ein Befreiungsschlag. Ich bin sehr seriös in meinem normalen Leben. Und dann ziehe ich die Perücke auf, darf sagen, was ich will, machen, was ich will, und es nimmt mir keiner übel. Weil Ikke Hüftgold sich selbst nicht ernst nimmt."

Der 37-jährige Matthias Distel aus dem hessischen Limburg an der Lahn hat zwei kleine Töchter und baute zusammen mit einem Partner einen Gartenbaubetrieb auf, der 30 Mitarbeiter beschäftigt. Nach dem Abitur studierte er Sozialpädagogik und Betriebswirtschaftslehre, war dann ein paar Monate als Kommissaranwärter bei der Polizei. Musik spielte immer schon eine Rolle im Leben von Distel, der sich als Autodidakt Klavier, Gitarre und Schlagzeug beibrachte und eigentlich in der Rockmusik zu Hause ist.

Durch Zufall ergab es sich, dass er in der Szene der Partymusik landete. Im Suff entstand das erste Ikke-Hüftgold-Lied. ",Du benutzt kein Deodorant, das habe ich gleich am Geruch erkannt', heißt das. Die Nummer wurde nie veröffentlicht." Aber Freunde und Bekannte waren begeistert. "Die haben sich weggeschmissen, weil der Text so schön asozial war und die Melodie total krank", erinnert sich Ikke, der auch als Produzent und Songschreiber für andere arbeitet, zum Beispiel Willi Herren, Jürgen Milski und Mia Julia. Zu den Liedern, die er selbst interpretiert, gehören Songs wie "Saufen ist scheiße (wir machen's trotzdem)", "Oh Bongiorno (wir dreh'n nen Porno)" und ganz aktuell die bekannte Melodie von "The Entertainer" unter dem Titel "Dicke Titten, Kartoffelsalat".

Gefragt nach der Aussage des Liedes, muss Ikke kurz überlegen. "Alles und wieder mal nichts", meint er. "Ich habe mir auch wieder eine tolle Strophe ausgedacht, vollkommen sinnfrei. Das Lied beschreibt irgendwie das Lebensgefühl im ,Bierkönig'."

Wie erklärt sich Matthias, dass Asi-Figur Ikke bei vielen gut ankommt? "Ich glaube, dass ich nicht als Künstler gesehen werde, sondern als ,einer von uns'. Ich bin immer zwischen den Leuten. Ich bin ein Künstler, wenn man das Künstler nennen darf, zum Anfassen."

(aus MM 27/2014)

Kommentar

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Rolf / Vor über 4 Jahren

Wem es Spaß macht soll ruhig in den Asi Tempel gehen ziehe ein Lokal an der Promenade vor und Trinke in aller Ruhe ein Glas Wein.