Boris Otto fühlt sich in seiner Wahlheimat Mallorca pudelwohl. Besonders Port de Sóller hat es dem Friseur angetan.

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Wenn Boris Otto von Port de Sóller spricht, leuchten seine Augen. „Die Kombination zwischen Meer und Bergen erinnert mich an Südafrika.” Dort hatte der gebürtige Münchner rund 14 Jahre gelebt, bis er erneut zurück nach Deutschland ging und dort 36 Jahre verbrachte. Vor sechs Jahren wanderte er schließlich nach Mallorca aus. „Das war auf jeden Fall bisher die beste Entscheidung meines Lebens”, erzählt der 57-Jährige und lacht.

Die Liebe zu Mallorca – und ganz speziell zu Port de Sóller – begann allerdings schon einige Jahre vor seiner endgültigen Auswanderung. Damals unterstützte Boris Otto einen guten Freund auf seinem Anwesen in dem nahegelegenen Bergdorf Biniaraix. Der gelernte Friseur ist nämlich auch handwerklich begabt und war zeitweise im Messebau tätig. „Mehrmals im Jahr pendelte ich zwischen München und Mallorca. Irgendwann kam mir dann der Gedanke: Wieso bleibst du eigentlich nicht ganz auf der Insel?” Neben diversen handwerklichen Arbeiten widmet sich der Auswanderer nun einer ganz persönlichen Aufgabe. Unter dem Namen „Clean the Ocean 2020” rief Boris Otto vor vier Jahren sein eigenes Umweltprojekt ins Leben. Seither fährt er regelmäßig mit einem Kajak heraus und säubert das Meer von den Unmengen an Müll. Dabei spezialisiert er sich vor allem auf verlassene kleine Buchten, die schwer zu erreichen sind. Für seine Säuberungsaktionen leiht sich der Deutsche ein knallrotes Kajak von seinem chilenischen Freund Rodrigo aus. Dieser betreibt in Port de Sóller einen Paddelsurf-Verleih. „Das rote Kajak ist mittlerweile mein Markenzeichen geworden”, erzählt Boris Otto stolz. Die Umwelt steht für den Inselfreund an erster Stelle. Schon vor seinen Kajak-Fahrten sammelte Boris Otto meist in den frühen Morgenstunden Müll vom Strand in Port de Sóller. „Die Natur ist meine Religion. Es ist so wichtig, dass wir sie schützen.”

Auf seinen Touren ist Boris Otto für alle Eventualitäten ausgestattet. Zu seiner Ausstattung gehören Neoprenanzug, ein Taschenmesser und eine Unterwasserkamera, um alle Funde zu dokumentieren. Oftmals musste der Bayer unschöne Entdeckungen machen und sogar Meerestiere aus misslichen Situationen befreien. „Einmal hatte sich eine Schildkröte in Plastik verfangen und konnte nicht mehr abtauchen. Mir gelang es zwar, den Müll zu entfernen, aber ob das geschwächte Tier überlebt hat, ist fraglich”, erinnert sich der Umweltfreund. Bei einem anderen Ausflug musste er einen Rochen von einem drei Meter langen Plastikschweif befreien. „Das Tier schwamm immer wieder unter mein Kajak.” Hin und wieder macht Boris Otto auch kuriose Entdeckungen. Einmal schleppte er aus einer einsamen Bucht sogar einen Kühlschrank auf seinem Kajak befestigt zurück zur Bucht. Ein anderes Mal fand der 57-Jährige ein dünnes Plastikröhrchen mit sonderbarem Inhalt. „Ich dachte zuerst, es handle sich um wertvolle Diamanten. Dabei entpuppte sich der Inhalt zu Hause als zehn Viagra-Pillen”, berichtet Otto und schmunzelt.

Auch in diesem Jahr will sich Boris Otto der Natur widmen und die Buchten rund um Port de Sóller von angehäuftem Plastikmüll befreien. Zweimal im Jahr organisiert er in Kooperation mit dem Yacht-Unternehmen Bonny Lass Charters spezielle Säuberungsaktionen. „Wir fahren mit Familien und Kindern heraus und fischen gemeinsam mit ihnen Müll aus dem Mittelmeer. So wollen wir die nächste Generation mit dem Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit sensibilisieren”, erklärt Boris Otto. Zudem hat der Deutsche auch bei dem Buch „Green Mallorca: The Eco-Conscious Island”, das am 12. April von Patricia Parinejad veröffentlicht wurde, mitgewirkt. Die Autorin begleitete den Münchener bei einer Fahrt auf dem Kajak. Boris Otto ist sich sicher: „Man kann gar nicht genug für die Umwelt auf Mallorca tun. Wenn sich jeder nur dreimal bücken und Müll aufheben würde, wäre das schon eine große Hilfe für unsere Erde.”