Jeden Samstag verkauft Frädrich sein frisches Obst und Gemüse vor seiner Plantage in Son Servera. | Patricia Lozano

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Einige Früchte hängen an den grünen Zweigen und schimmern bläulich in der warmen Mittagssonne. „Das sind die letzten Heidelbeeren, die mir bleiben”, sagt Andreas Frädrich und wischt sich mit seinem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Seit zwei Jahren lebt der Landschaftsgärtner und gelernte Pferdewirt mittlerweile fest auf der Insel. Als seinen Heimathafen hat er den idyllischen Küstenort Cala Bona auserkoren. Vorher pendelte Frädrich jahrelang zwischen Deutschland und Mallorca. Wenige Kilometer weiter, oberhalb des Landhotels Ses Cases de Fetget in Son Servera, hat sich der Landschaftsgärtner sein eigenes Paradies geschaffen. Auf drei Hektar Land baut der Berliner seit rund einem Jahr diverse Obst- und Gemüsesorten an. Zudem ist Frädrich Inhaber des Hofladens Naturópolis, der sich an der Strandpromenade von Cala Bona befindet. Dort verkauft er neben lokalen Inselprodukten auch importierte Ware aus Deutschland, wie zum Beispiel weißen Spargel und Rharbarber.

Andreas Frädrich hatte sich in der Vergangenheit an diversen landwirtschaftlichen Projekten in der Bundesrepublik beteiligt. Nun ist er hauptsächlich im Inselosten aktiv. Mit seinem neuesten Vorhaben gilt der Berliner als Pionier: Ihm ist es gelungen, die erste Heidelbeerplantage auf Mallorca zu etablieren.

Die Idee kam Frädrich im vergangenen Jahr. „Normalerweise werden Heidelbeeren vom spanischen Festland oder aus Marokko importiert. Doch wieso sollten sie nicht direkt hier vor Ort wachsen?” Kurzerhand brachte Frädrich verschiedene Beerensorten aus Elmshorn nach Mallorca. Die ersten Heidelbeerpflanzen wurden im Februar gesetzt. Bis heute konnte Frädrich bereits 40 Kilo Früchte ernten.

„In der lokalen Landwirtschaft sind die Mallorquiner sehr gut aufgestellt. Da erfinde ich das Rad nicht neu. Daher setzte ich nun auf Nischenprodukte. Und Heidelbeeren sind nicht nur in der deutschen, sondern auch in der mallorquinischen Küche vorhanden.”

Um einen erfolgreichen Anbau der Heidelbeeren zu gewährleisten, gab es jedoch vorab einiges zu beachten. Zunächst einmal spielt das Wetter eine wichtige Rolle. „In Deutschland fängt die Heidelbeersaison gerade erst an. Hier ist die Ernte fast abgeschlossen. Das liegt vor allem an der Wärme. Die Beeren sind wesentlich schneller reif geworden.”

Zu Beginn war Frädrich allerdings skeptisch: „Die Heidelbeere ist eigentlich eine Waldpflanze. Hier oben auf der Finca zeigt das Thermometer unter der prallen Sonne teils um die 34 Grad an. Schattenplätze? Fehlanzeige! Doch die Heidelbeeren schossen trotz der extremen Temperaturen hoch wie Unkraut.” Neben des Wetters sind noch zwei weitere Faktoren ausschlaggebend: die Wasserversorgung und der Boden. Die Heidelbeeren werden – anders als in Deutschland – nicht direkt in die Erde gepflanzt, sondern in Kübel. Andreas Frädrich erklärt: „In Deutschland können die Früchte in einigen Regionen direkt in den Boden gepflanzt werden. Das funktioniert auf Mallorca allerdings überhaupt nicht. Der Inselboden ist stark basisch. Die Pflanzen benötigen vom pH-Wert allerdings ein saures Milieu, also sozusagen einen Waldboden. Daher müssen wir diesen nachstellen.”

Dasselbe gilt auch für die Wasserversorgung. Frädrich bezieht derzeit noch Grundwasser. Besser wäre es allerdings, Regenwasser zu verwenden, da das Grundwasser ebenfalls eine sehr basische Struktur aufweist und so den pH-Wert beeinflusst.

Nur wenige Meter neben der Heidelbeerplantage bietet sich für die Besucher zunächst ein ungewöhnliches Bild. Bei 35 Grad stehen mehrere Nordmanntannen in Reih und Glied. Doch diese haben bei dem Anbau der Heidelbeeren eine wichtige Funktion. Dazu erklärt Andreas Frädrich: „Heidelbeeren gedeihen in Symbiose. Das bedeutet: Die Pflanzen benötigen die Tannennadeln zur Düngung und zum Schutz. Selbst wenn die Nordmanntannen vielleicht ihrem Zweck als schönste Weihnachtsbäume nicht mehr gerecht werden, so unterstützen sie das Wachstum der Beeren. Übrigens: Andreas Frädrich ist in Deutschland einer der größten Weihnachtsbaumvermieter. „In den vergangenen Wintern haben wir die Tannen auch hier auf der Insel an Finca-Besitzer vermietet. Heute dienen sie uns zu anderen Zwecken”, sagt der Berliner, lacht und zeigt auf die Kübel.

Neben der Heidelbeerplantage befinden sich auf dem Grundstück noch Weinreben, Olivenhaine, Kaktusfeigen, diverse Beete und eine sogenannte Testzone mit diversem Gemüse aus Deutschland. Dort experiementiert Frädrich unter anderem mit deutschem Spargel.

Jeden Samstag ab 10 Uhr verkauft Andreas Frädrich sein Obst, Gemüse und selbstgemachte Marmeladen auf dem Landgut Ses Cases de Fetget an einem Stand. Sein Hofladen Naturópolis ist derzeit wegen Umbauarbeiten geschlossen. „Ich hoffe, in spätestens drei Wochen wieder öffnen zu können.”