Zeuge wirft Prinzessin angebliche Lügen vor

Palma de Mallorca |
Prinzessin Cristina vor Gericht auf Mallorca.

Prinzessin Cristina vor Gericht auf Mallorca. Foto: UH

Starker Tobak im Korruptionsprozess um Iñaki Urdangarin und seine Ehefrau Prinzessin Cristina auf Mallorca: Der Schlüsselzeuge Miguel Tejeiro – ehemaliger Steuerberater des Firmengeflechts von Urdangarin und Diego Torres – wirft den Angeklagten vor, sich im Prozess mit Lügen verteidigt zu haben. Das betreffe auch die Infantin: "Ich weiß nicht, was in ihrem Kopf vorgeht, aber anders als sie bin ich als Zeuge zur Wahrheit verpflichtet", so Tejeiro. Damit spielt er darauf an, dass Angeklagte rechtlich gesehen die Aussage verweigern oder sogar lügen dürfen, während Zeugen üblicherweise vereidigt werden.

Tejeiro habe niemals dazu geraten, private Ausgaben über die Firma Aizóon abzurechnen und damit Körperschaftssteuer zu hinterziehen. Im Gegenteil sei die Initiative zu solchen Manipulationen rund um die gemeinnützige Nóos-Stiftung von Iñaki Urdangarin und seinem Umfeld ausgegangen. Inwieweit die Schwester von König Felipe VI. selbst daran beteiligt war, den Kauf von Möbeln und Kleidung oder die Ausrichtung ihrer Geburtstagsfeier mit der Firmenkreditkarte zu bezahlen, blieb allerdings offen.

Vage war auch die Aussage von Notar Carlos Masiá, der bei seiner polizeilichen Vernehmung noch berichtet hatte, die Infantin habe als "steuerlicher Schutzschild" für ein mutmaßlich korruptes Firmengeflecht gedient. Im Prozess erklärte er nun, Miguel Tejeiro habe ihm das nicht direkt zu verstehen gegeben, sondern er habe es nur so "interpretiert". Wegen des offenkundigen Widerspruchs drohte die Nebenklage sogar mit einer Anzeige wegen Falschaussage vor Gericht.

Hingegen beteuerte Masiá, dass Tejeiro größten Wert darauf gelegt habe, Infantin Cristina im Handelsregister ganz oben auftauchen zu lassen. Begründung: Eine Personalausweisnummer zwischen 1 und 10 sei der Familie von Ex-Diktator Franco vorbehalten, die Serie zwischen 10 und 100 dem Königshaus. Beides biete einen gewissen Schutz vor dem Finanzamt, ließ der der Notar durchblicken.

Die Zeugen und Angeklagten, die teilweise miteinander verschwägert sind oder früher eng befreundet waren, sind mittlerweile heillos zerstritten. Das gilt auch für das Verhältnis zwischen Miguel Tejeiro und Diego Torres, dem Ehemann seiner Schwester Ana Maria Tejeiro. In Bezug auf die Aussage seines Schwagers und dessen Geschäftspartner Urdangarin sprach Tejeiro von einem "Schurkenstück" ("Canallada"). (mic)

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