„Früher lebten die Leute hier in der Bar”

| Palma |
PALMA. BARES. Can Marti, Bar y cafeteria.

Zwei Generationen des Café Can Martí: Juan Manuel Blasco, Patentante Cristina Brotons und ihr Vater Pedro. Foto: J. Morey

Foto: J. MOREY
PALMA. BARES. Can Marti, Bar y cafeteria.PALMA. BARES. Can Marti, Bar y cafeteria.PALMA. BARES. Can Marti, Bar y cafeteria.

Früher war das Café Can Martí in dem Carrer de Can Sales so etwas wie das Wohnzimmer des Lonja-Viertels in Palmas Altstadt. Die Bar hatte zwei Stunden am Tag geschlossen, ansonsten war sie durchgehender Dreh- und Angelpunkt, vor allem für Anwohner. „Die Leute lebten in der Bar”, sagt Juan Manuel Blasco Martín, gerade einmal 24 Jahre alt und einer der heutigen Geschäftsführer. Eröffnet hatte sie 1940 Martí Capó mit seiner Frau Margalida Roig in einer alten Bodega. Ende der 60er Jahre übernahm deren Tochter Paquita Capó mit ihrem Mann Toni Brotons das Geschäft sowie Tonis Bruder Pedro und seine Frau Antonia.

In dritter Generation führt nun Pedros Tochter Cristina Brotons die Kultbar, gemeinsam mit ihrem Patenkind und Großcousin Juan Manuel Blasco Martín sowie der Kellnerin Charo, Köchin Lupe und Küchenhilfe Milena. „Das hat nichts mit Angestellten zu tun. Wir sind eine Familie”, sagt Juan Manuel mit sichtbarer Überzeugung. Auch der Vater seiner Patentante, Pedro Brotons, ist regelmäßig im Lokal, schließlich hat er 48 Jahre dort gearbeitet. Die Bar war und ist Teil seines Lebens.

Dass es sein Café mit mehr als 75 Jahren Tradition in die Liste emblematischer Läden Palmas geschafft hat, freut Brotons Nachfolger Juan Manuel natürlich, praktisch bringt es ihm eine Erleichterung bei der Gewerbesteuer, ansonsten gibt es wenig Unterstützung vonseiten der Stadt. Wenn es nach ihm ginge, müsste die Stadt noch mehr tun, um das Zentrum zu entlasten.

„Am Stadtrand müsste es mehr Parkplätze geben, so dass die Leute zu Fuß in die Stadt kommen können und wir nicht mehr so viele Staus haben”, meint er. Was den 24-Jährigen auch noch stört, ist der Schmutz im Lonja-Viertel. „Du musst im Sommer, wenn Millionen von Touristen da sind, häufiger die Straßen reinigen”, sagt er. Auch gehörten seiner Ansicht nach mehr Mülleimer an die Straßen.

Das Konzept der durchgehend offenen Bar ist heute nicht mehr zeitgemäß und würde sich auch nicht mehr rechnen, ganz abgesehen von den Nachbarn, die einen nächtlichen Betrieb wohl nicht mehr tolerieren würden. Das Café Can Martí ist heute eine klassische Frühstücks- und Mittagsbar, die Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr geöffnet hat – dann ist sie zumindest zeitweise die „Bar des Viertels”: „Wir haben hier viele Bauarbeiter, Ministeriumsmitarbeiter, Anwohner und natürlich auch Touristen. Deshalb bin ich dabei, Deutsch zu lernen”, sagt Juan Manuel.

Die Leute kommen aber vor allem wegen der „Bocadillos de Calamares”, der freitäglichen Baguettes mit Tintenfischringen. Die kommen nicht aus dem Gefrierfach, sondern werden frisch zubereitet. Ebenso wie es am Donnerstag „Pica Pica de Calamares” gibt, Tintenfisch in scharfer Soße. Typisch mallorquinisch wird im Can Martí auch gegessen: Auf die „Burballes” verweist Juan Manuel besonders gerne. „Das ist ein Nudelgericht aus Mallorca und das versuchen wir Traditionsbars aufrechtzuerhalten”, sagt er.

Das Ganze bei moderaten Preisen, trotz der Nähe von zehn Gehminuten zu eher hochpreisigen Straßen wie dem Passeig des Born oder dem Carrer de Sant Feliu. Es geht darum, den Mix aus Tradition und Moderne zu finden und damit Nachbarn wie Touristen eine Anlaufstelle zu geben. Dazu gehört auch, immer eine Spezialität anpreisen zu können, wenn man gefragt wird oder auch mal ein Tapas-Menü anzubieten, wenn das die Gäste haben wollen - auch wenn das nichts mit Mallorca zu tun hat. Dass andere Traditionskneipen verschwinden, wie die Bar Cristal oder das Café Lírico, macht den 24-Jährigen traurig. Umso mehr motiviert es ihn aber, das Café Can Martí als Treffpunkt des Viertels zu erhalten.

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