Urlaubersteuer kommt zur Hochsaison 2016

| Mallorca |
Präsentierten das Prestigeprojekt ihrer Regierung: Die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol (M.), Vize-Regierungsch

Präsentierten das Prestigeprojekt ihrer Regierung: Die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol (M.), Vize-Regierungschef und Tourismusminister Gabriel Barceló (l.) und Finanzministerin Catalina Cladera. Foto: caib

Passend zum blumigen Logo ihrer sozialistischen Partei wartete die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol am Mittwoch mit fünf gestickten Rosen auf ihrem grauen Kleid auf. Die Botschaft, die sie zu verkünden hatte, dürfte der Tourismusindustrie auf den Inseln indes wenig rosig erscheinen. Die Balearen-Regierung macht Ernst und bringt ihr Prestigeprojekt, eine Übernachtungssteuer in den touristischen Unterkünften, auf den parlamentarischen Weg. Die Abgabe wird nun "Steuer für nachhaltigen Tourismus" genannt.

Das Arbeitspapier soll bis Mitte 2016 als Gesetz verabschiedet sein. "Wir gehen davon aus, dass dies im zweiten Quartal geschieht - plus-minus ein Monat", sagte die balearische Finanzministerin Catalina Cladera, die ebenso wie ihr Amtskollege Tourismusminister Gabriel Barceló zum Pressetermin erschienen war.

Die Ankündigung ist ein deutliches Zeichen dafür, dass sich Urlaube auf Mallorca und den Nachbarinseln im Verlauf des kommenden Jahren verteuern werden. Gäste in Hotels und anderweitig genutzten touristischen Unterkünften müssen dann je nach Qualitätskategorie 50 Cent bis zwei Euro pro Person und Nacht an Urlaubersteuer bezahlen. Das gilt für die touristische Saison, die auf Mallorca von April bis Ende Oktober dauert. Im Winterhalbjahr (November bis Ende März) halbieren sich die Gebühren. Kinder unter 14 Jahren sind von der Steuer ausgenommen. (Auch für Ferienwohnungen soll eine Regelung kommen.)

Das Geld abführen müssen die touristischen Unternehmen. Die Balearen-Regierung will die Übernachtungssteuer erheben, sobald das Gesetz in Kraft tritt. Ursprünglich hatte es geheißen, die Erhebung der Gelder solle 2016 erst nach Ende der touristischen Saison erfolgen, um nicht mit den Vertragsabschlüssen der Hoteliers zu kollidieren, die ihre Zimmerpreise mit den Reiseveranstaltern jeweils im Vorjahr abschließen. Darauf wird nun keine Rücksicht genommen. "Sobald das Gesetz verabschiedet ist, werden wir es auch anwenden", sagte Armengol.

Neu ist, dass neben den Gästen in den touristischen Unterkünften nun auch Kreuzfahrttouristen zur Kasse gebeten werden sollen, sofern ihre Schiffe im Hafen festmachen. Im Sommer werden zwei Euro pro Tag und Besucher fällig, im Winter ein Euro.

Die Einnahmen aus der Übernachtungssteuer werden auf 50 bis 80 Millionen Euro prognostiziert. Novum: Über die Verwendung der Einnahmen entscheidet eine gemischte Kommission aus Vertretern aus Behörden, Naturschutzorganisationen, Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften. Sie sollen im Konsens festlegen, wie die Mittel künftig zum Einsatz kommen sollen. "Die Steuer ist zweckgebunden", betonte Tourismusminister Barceló gebetsmühlenartig.

Soll heißen: Die Einnahmen sollen "den nachhaltigen Wandel der Tourismusdestination" beflügeln und die Zukunft des balearischen Tourismus-Modells sichern. Das Arbeitspapier nennt Bereiche wie Umwelt, Forschung und Ausbildung, in die der künftige Beitrag der Urlauber fließen soll. Tourismusminister Barceló drückte es so aus: "Die Besucher werden dazu beitragen, das Paradies der Balearen zu erhalten."

Auch die Höhe des Beitrages wurde berechnet: "Eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern unter 14 muss für acht Tage in einem Vier-Sterne-Hotel 25 Euro Steuern zahlen."

(Den vollständigen Bericht mit samt den Reaktionen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lesen Sie in der jüngsten MM-Ausgabe(42/2015), erhältlich am Kiosk auf Mallorca, sowie an den Bahnhöfen und Flughäfen in Deutschland; oder auf E-Paper.)

Lesen und kommentieren Sie auch den Leitartikel "Eine Frage der Prioritäten" im MM-Blog.

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Hier finden Sie weitere Informationen der Balearen-Regierung zur "Steuer für nachhaltigen Tourismus" in deutscher Sprache.

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Arno P. / Vor über 3 Jahren

Ich frage mich, warum inkludiert man die Steuer - oder wie man dies auch immer nennen will - nicht in den Übernachtungspreis und läßt dies dann durch die Hoteliers abführen. Schon fällt dies weniger auf und der Ärger mit Zusatzkosten an der Rezeption bleibt erspart. Vor Jahren wurde ja schon einmal an eine Umweltsteuer gedacht und wieder gekippt. Auf jeden fall gibt es bei all denen Ärger, die vor Kenntnissnahme dieser Abzocke schon Malle gebucht haben. Schreiber wie Herr Kleine verdienen ihr Geld bestimmt nicht durch den Tourismus.

Mina Harms / Vor über 3 Jahren

Wieder mal nur sinnloses Geschreibe hier unter mir !!!!!!! Hauptsache ich poste hier auf wichtig.

Hajo / Vor über 3 Jahren

In Deutschland haben wir Kurtaxe, Bettensteuer, Zweitwohnungssteuer und solchen Unfug und keiner weiss so recht, WOFÜR? Also regt Euch nicht auf. Und wer die paar Euro nicht über hat, soll eben nach "Bulle" oder in die Türkei fliegen.

Marco Riemas / Vor über 3 Jahren

Wie geil wäre es wenn viele nicht nach Mallorca reisen 2016 ! Und die Steuer fällt danach weg !!!! Und die Turis trotzdem nicht mehr auch danach kommen ;) wäre der Brüller.Ich find gewissen Entscheidungen der Balearen Abzocke !

vanessa sommer / Vor über 3 Jahren

wie die vergangenheit zeigt wird von den 50 mio einnahmen zuerst mal mind. 40 mio in den taschen der korrupten balearenpolitiker verschwinden

Werner Kleine / Vor über 3 Jahren

Wenn mit der Touri-Steuer nur die Hälfte des B&B-Billigst-Sauftourismus nach Ungarn oder Bulgarien umgeleitet würde, hätte sie schon mindestens einen guten Zweck erreicht.

Karin Krüer / Vor über 3 Jahren

Ich bitte um Entschuldigung, aber in welch dunklen Kanälen mag das wohl wieder versickern? Außerdem scheint mir der Betrag doch recht hoch gegriffen.