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Die neue konservative Balearen-Regierung sucht nach dem Debakel um die Wasserstoffproduktionsanlage in Lloseta offenbar händeringend nach Lösungen für das Problem. Ministerpräsidentin Marga Prohens sagte am Mittwoch, dass man mit allen beteiligten Parteien in Kontakt stehe, um "so schnell wie möglich" eine Lösung für das Problem anzubieten. Am selben Tag war bekanntgeworden, dass die als beispielhaftes Nachhaltigkeitsprojekt angepriesene Wasserstoffanlage seit ihrer Eröffnung vor eineinhalb Jahre nicht funktioniert. Deshalb können unter anderem die fünf neuen Wasserstoffbusse der Stadt Palma nicht auf die Straße. Denn: Es gibt keinen Treibstoff!

Will die Wasserstoffbusse irgendwie zum Laufen bringen, weiß aber noch nicht genau wie: Palmas neuer konservativer OB Jaime Martínez (M.) mit Verkehrsdezernent Toni Deudero (l.) und EMT-Boss Juan José Elías (r.)

Die Ministerpräsidentin nutzte die Gelegenheit, um die linke Vorgängerregierung für diese Situation zu kritisieren. Diese habe die Situation in der Anlage "verheimlicht". "Das Projekt wurde von Anfang an als historischer Meilenstein verkauft, obwohl der Hersteller vor technischen Problemen warnte. Die gesamte Anlage weist einen Baufehler auf", so die Ministerpräsidentin. Prohens verwies bei ihrer Kritik insbesondere auf ihre sozialistische Vorgängerin Francina Armengol und erklärte: "Nachhaltigkeit kann kein nicht einfach nur ein Schlagwort sein, hinter dem sich nichts verbirgt. Was hier passiert ist, ist ein weiteres Beispiel für die Propagandamaschinerie der Ex-Regierung. Eine Folge davon ist, dass die Busse in Palma, die dank in Lloseta produziertem Wasserstoff rollen sollten, nicht fahren können. Die Verantwortlichen sollten sich erklären müssen. Das Engagement für erneuerbare Energien darf keine Farce sein, wie wir sie gerade erlebt haben".

Die Landeschefin sagte ferner, der neue balearische Energieminister Alejandro Sáenz führe bereits Gespräche, um so schnell wie möglich eine Lösung für das Wasserstoffdebakel zu finden". Die regierende konservative Volkspartei PP veröffentlichte zudem ein Kommuniqué, in dem sie die Situation rund um die Anlage als "Öko-Bluff", "Propaganda", "Farce" und "mit großem Tamtam verkauftes Fiasko" bezeichnete.

Der Generaldirektor für Energie in der letzten Legislaturperiode, Pep Malagrava, wies seinerseits darauf hin, dass das Lloseta-Projekt eine private Initiative sei, an der die bis Mai regierende rot-rot-grüne Balearen-Regierung nicht direkt beteiligt gewesen sei. "Wir haben jedoch die Verfahren und Genehmigungen sowohl für die Lloseta-Anlage als auch für das Wasserstoffverteilungsprodukt sorgfältig geprüft. In diesem Sinne wurde die Arbeit erledigt, die Hausaufgaben wurden gemacht und alles war auf dem richtigen Weg", so der Politiker.

Hintergrund: Die im März 2022 mit viel Presse-Brimborium eingeweihte Wasserstoff-Produktionsanlage im ehemaligen Zementwerk von Lloseta nördlich von Palma hat bis heute so gut wie gar nicht funktioniert. Wie die MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" herausfand, war ein essenzieller Bestandteil der Anlage falsch entworfen worden. Es handelt sich um den sogenannten Elektrolysebereich. Das hat aber auch ganz konkrete Folgen für die Menschen auf der Insel. Wegen des fehlenden Wasserstoffs verliert zum Beispiel Palmas städtisches Busunternehmen pro Montag 30.000 Euro. Und zwar weil fünf nagelneue Stadtbusse mit Wasserstoffantrieb unbenutzt im Depot herumstehen.

Die Wasserstoffproduktionsanlage war von der sozialistisch geführten Vorgängerregierung unter der damaligen Ministerpräsidentin Francina Armengol als nachhaltiges und zukunftsträchtiges Schmuckstück angepriesen worden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte angesichts des Vorhabens Mallorca damals als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit gewürdigt. Die Anlage befindet sich in einem Komplex, wo bis vor einigen Jahren nicht sonderlich umweltfreundlich Zement hergestellt worden war.