Bei Kilometer 80 wurde es kritisch

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Zwischendurch noch Muße für ein Selfie: Jonas Berg (r.) und Christian Röös.

Zwischendurch noch Muße für ein Selfie: Jonas Berg (r.) und Christian Röös.

Während andere Mallorca-Besucher das Frühlingswochenende genossen, lief Jonas Berg durch das Tramuntana-Gebirge. Insgesamt 112 Kilometer von Andratx bis Pollença legte er zurück, brauchte dafür 18:19 Stunden und kam am frühen Samstagabend glücklich in Pollença an.

Unglaubliche 4500 Höhenmeter hat der 31-jährige Hobbysportler durch die Tramuntana zurückgelegt. "Es war ein einmaliges Erlebnis", sagt Berg.

Die Ultra-Gruppe startete um Mitternacht, die kürzeren Distanzen Trail (67 Kilometer) und Marathon (44 Kilometer) starteten in Valldemossa beziehungsweise Sóller entsprechend später und trafen auf dem letzten Stück mit den Ultra-Läufern zusammen.

Der 31-jährige Münchner Berg hatte sich für die lange Distanz entschieden und war überrascht, wie frisch er auch nach 70 Kilometern noch war. "Da waren so viele Endorphine im Körper, das ist im Wettbewerb ein ganz anderes Gefühl als im Training", sagte er MM nach seiner Rückkehr.

Die Strecke sei sehr anspruchsvoll gewesen, große Steine, kleine Steine, ab und zu mal ein Zaun. "Da hatte es sich öfter gestaut", sagt Berg. Zum Teil sei die Strecke auch "grenzwertig" ausgeschrieben gewesen.

"Die Führenden hatten sich öfter verlaufen, sie hatten ja keinen Bezugspunkt vor sich. Sie mussten dann zurückkommen und wir Nachfolgenden hatten einen Stau", erzählt er.

Die Schweizerin Andrea Huser, Siegerin bei den Frauen in 14:27,28 Stunden, hat auf ihrer Facebook-Seite ebenfalls einige Anekdoten erzählt. "Schon nach zirka zwei Kilometern lief die Spitze an einer Abzweigung vorbei und der ganze Tross hinten nach.

Das ganze Feld musste umdrehen, so dass die langsamen Läufer plötzlich nun die Spitze anführten", schreibt sie. Sie sei mindestens dreimal an Abzweigungen vorbeigerannt und einmal im Wald umhergeirrt. "Die letzten 5 km waren die härtesten meines Lebens", meint sie.

Auch das kann Berg bestätigen. Die Herausforderung sei nicht nur physisch, sondern auch psychischer Natur gewesen. "Man muss bis zum Schluss mental auf der Höhe bleiben und jeden Schritt kontrollieren." Von mehr als 800 Starten hätten knapp 300 aufgegeben, erinnert er sich.

Bei ihm und seinem Freund Christian Röös wurde es dann ab Kilometer 80 doch noch einmal kritisch. "Da fehlten uns Kohlehydrate, trotz der Hitze hatte ich plötzlich kalte Arme, dann wurde mir wieder heiß", erinnert er sich. Die beiden sind dann 30 Minuten gegangen und haben sich mit Nüssen, Orangen und Riegeln wieder hochgepäppelt. Die aktive Erholung wirkte: Jonas Berg und Christian Röös schafften es ins Ziel und belohnten sich abends mit einem Bier und einem Steak.

"Ich fühle mich richtig gut, habe nicht einmal eine Blase am Fuß", sagt Berg gegenüber MM. 152. ist er am Ende geworden, hat damit sieben Stunden länger als Sieger Pau Capell (11:46,58) gebraucht. "Es war ein absolutes Top-Wochenende", sagt er und stimmt darin mit Frauen-Siegerin Andrea Huser überein.

Die schrieb auf Facebook: "Wetter, Form, mir wurde nie schlecht und Mallorca ist wunderschön und die Strecke hat wirklich etwas zu bieten."

(aus MM 17/2015)

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