TUI: Mallorca-Winter hat viel Potenzial

Deutscher Reiseveranstalter ist mit seinem Engagement durchaus zufrieden

Palma, Mallorca |
Der Robinson-Club Cala Serena im Osten von Mallorca ist eine jener Hotelanlagen, die exklusiv TUI-Gästen vorbehalten sind.

Der Robinson-Club Cala Serena im Osten von Mallorca ist eine jener Hotelanlagen, die exklusiv TUI-Gästen vorbehalten sind.

Foto: Foto: Archiv Ultima Hora
Der Robinson-Club Cala Serena im Osten von Mallorca ist eine jener Hotelanlagen, die exklusiv TUI-Gästen vorbehalten sind.Oliver Dörschuck ist touristischer Geschäftsführer der TUI Deutschland GmbH.

Mallorca Magazin: Das Jahr geht zu Ende. Wie zufrieden sind Sie mit dem Mallorca-Geschäft 2014?

Oliver Dörschuck: Wir sind zufrieden, auch wenn das extrem hohe Niveau von 2013 nicht ganz erreicht wurde.

MM: Wie sieht es mit 2015 aus?

Dörschuck: Mallorca ist gut in die Sommersaison 2015 gestartet. Wir liegen bei den Gästezahlen aktuell über den Vorjahreswerten und sind damit sehr zufrieden.

MM: Wie viele Gäste kommen im Jahr mit TUI nach Mallorca?

Dörschuck: TUI und ihre deutschen Veranstalter bringen insgesamt fast eine Million deutsche Urlaubsgäste nach Mallorca. Damit ist Mallorca vom Gästevolumen her auch heute noch das wichtigste Einzelreiseziel der TUI.

MM: Mit wie vielen Hotels und Betten kooperieren Sie auf Mallorca?

Dörschuck: Insgesamt haben wir mit den Marken TUI, 1-2-FLY und Airtours rund 1300 Hotels im Portfolio. Den Löwenanteil unser Gäste haben wir aber in unseren eigenen Hotelmarken wie Riu, Grupotel und Robinson sowie bei engen Hotelpartnern, die sich durch eine besondere Positionierung und Vermarktung durch uns auszeichnen.

MM: Immer mehr Reiseveranstalter betreiben Hotels in Eigenregie, exklusiv für ihre eigenen Gäste. Machen Sie das auch? Welchen Vorteil haben Sie dadurch?

Dörschuck: Ja, auch auf Mallorca haben wir exklusive Hotels im Programm. Hier haben wir zum einen vollen Durchgriff auf die Qualität und können zum anderen die Durchgängigkeit unserer Konzepte garantieren. Unsere Konzepthotels haben Kundenzufriedenheitswerte von über 90 Prozent.

MM: Ist All-inclusive nach wie vor gefragt bei Urlaubern? Oder stagniert die Nachfrage auf Mallorca?

Dörschuck: All-inclusive liegt bei deutschen Urlaubern nach wie vor im Trend. Es ist sicherlich kein Allheilmittel, aber für gewisse Konzepte und Gästezielgruppen ein Garant für den Erfolg, wenn es in guter Qualität umgesetzt wird. Familien zum Beispiel schätzen die Budgetsicherheit und auch den Komfort, den diese Verpflegungsvariante bietet. Wir brauchen deshalb ein gutes All-inclusive-Angebot für Familien. Denn auch für die Verpflegung gilt: Der Kunde erwartet heute mehr Individualität und keine Massenabfertigung.

MM: Mallorca leidet immer stärker unter seiner saiso-nalen Abhängigkeit. Im Winter sind viele Hotels geschlossen. Ist Mallorca im Winter für die TUI als Destination überhaupt noch interessant?

Dörschuck: Wir haben großes Interesse daran, den Wintertourismus auf Mallorca weiter zu beleben. Heute reisen lediglich rund zehn Prozent unserer Mallorca-Urlauber im Winter. Hier gibt es in jedem Fall Potenzial, diese Quote zumindest zu verdoppeln. Der Insel würde es ebenfalls gut tun, wenn künftig mehr deutsche Urlauber auch im Winter dorthin reisen würden. Infrastrukturell sind alle Voraussetzungen dafür vorhanden. Und auch klimatisch ist Mallorca im Winter zumeist durchaus angenehm. Leider ist das bislang nur wenigen Deutschen bewusst.

MM: Was wäre aus Ihrer Sicht das beste Mittel gegen den Winter-Blues, um für mehr Geschäft auf Mallorca zu sorgen?

Dörschuck: Neue Angebote sollten geschaffen werden, um den Wintertourismus auf der Insel weiter zu beleben. Hierfür unterstützen wir im Übrigen auch die Tourismusstiftung "Fundación Turismo Palma de Mallorca 365". Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung in Palma. Hier entstehen immer wieder neue originelle und komfortable Stadthotels. Palma verfügt über eine Vielzahl an kulinarischen und kulturellen Highlights und bietet bei milden Temperaturen auch im Winter beste Shoppingmöglichkeiten. Andere Regionen auf der Insel können sich hieran ein Beispiel nehmen.

MM: Wird vonseiten der spanischen Partner - den Hoteliers - aber auch vonseiten der Verwaltung und der Gewerkschaften genug getan, um für mehr Geschäft und Beschäftigung zu sorgen? Und wer müsste sich am meisten bewegen?

Dörschuck: Das wird nur gemeinsam gehen - hier profitieren alle voneinander, wenn wir an einem Strang ziehen. Und ich schließe hier auch uns als größten deutschen Veranstalter mit ein.

MM: Gibt es negative Entwicklungen auf Mallorca, die Sie verstärkt wahrnehmen?

Dörschuck: Hierunter fällt für mich, dass in der Tat mehr und mehr Hotels in den Wintermonaten schließen und damit in ganzen Zonen die touristische Infrastruktur fehlt. Wichtig ist, diese Abwärtsspirale im Auge zu behalten und gemeinsam in eine Wachstumsspirale zu verwandeln. Wünschenswert wäre, wenn weiter konsequent in Modernisierung und Qualität investiert wird.

MM: Wo bewegt sich die Insel in die richtige Richtung?

Dörschuck: Hier würde ich gern folgende vier Punkte nennen: Erstens, die Modernisierung der Playa der Palma. Zweitens, die Neuausrichtung von Magaluf mit hohen Investitionen in Bauprojekte und Modernisierung. Drittens, der stärkere Fokus auf Qualität und Produktdifferenzierung. Viertens, dass einige Urlaubsregionen und Hotels frei verfügbares, kostenloses WLAN anbieten und sich somit auf moderne Zielgruppen einstellen.

MM: Wird der Mallorca-Urlaub mit TUI 2015 teurer?

Dörschuck: Es wird leichte Preissteigerungen im Rahmen der Inflation geben. Bei unseren differenzierten und exklusiven Hotels konnten wir mit vielen Partnern in der Nebensaison Einkaufsvorteile vereinbaren, so dass unsere wichtigen Produkte für unsere Kunden attraktiver sein werden. Das wird sich sicher auch in den Buchungszahlen zeigen.

MM: Was sollte Mallorca seinen Urlaubern noch bieten, außer Spaß und Sonnenschein am Meer?

Dörschuck: In jedem Fall mehr zielgruppengerechte Angebote und moderne Hotelkonzepte in guter Qualität. Hier sind wir für gute Partnerschaften offen. Eine große Chance sehe ich auch für Hotels, die in Nachhaltigkeit investieren. Für deutsche Urlauber wird das Thema immer wichtiger. Derzeit stammen nur 18 Hotels unserer 190 Umwelt- Champions aus Mallorca. Das Engagement in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sollte zudem für den Urlauber sichtbar werden, zum Beispiel über spezielle Angebote beim Essen mit Bio- oder regionalen Lebensmitteln.

MM: Was bringt die neue Konzernstruktur für Mallorca, so wie sie die TUI derzeit gemeinsam mit der TUI in England anstrebt?

Dörschuck: Wir haben schon heute mit unserem internationalen Hoteleinkauf unsere Kräfte gebündelt. Mit der Fusion wird das Wachstumstempo weiter beschleunigt und es werden noch mehr exklusive und differenzierte Hotels entstehen.

MM: Ist die Türkei mittlerweile beliebter als Mallorca?

Dörschuck: Die Türkei hat in den letzten Jahren sehr an Bedeutung gewonnen, dennoch hat sie gemessen an unseren Gästezahlen Mallorca bisher nicht eingeholt.

Die Fragen stellte Alexander Sepasgosarian


ZUR PERSON: Oliver Dörschuck

Geboren 1973 in Gießen, studiert Oliver Dörschuck nach dem Abitur Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeografie in Mannheim und Canterbury, Neuseeland, promoviert über Innovationssysteme. Zur TUI kommt Dörschuck 2002 als Trainee. Dort ist er nach 2006 zuständig für die Verschmelzung der Flugpläne von HLX und Hapagfly. Im Herbst 2010 leitet er in Hamburg ein 20-köpfiges Projektteam, das das strategische Zukunftsprogramm für die TUI Deutschland erarbeitet und anschließend erfolgreich umsetzt. Im Februar 2011 wird Dörschuck mit der Geschäftsbereichsleitung für die Mittel- und Fernstreckentouristik beauftragt. Zum 1. Januar 2014 wird er zusätzlich in das Mainstream Board der TUI Travel PLC berufen und verantwortet hier gruppenweit die Weiterentwicklung der Customer Experience.

(aus MM 51/2014)

Kommentar

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emmdee / Vor über 4 Jahren

Es war noch nie ein langfristiger Vorteil,sich als Hotelier in die Abhängigkeit eines einzelnen Veranstalters zu begeben und unternehmerische Entscheidungen einem Konzern zu übertragen, dessen Interessen eher den Anteilseignern als dem Wohl der Region dienen.

alguien / Vor über 4 Jahren

Das sagte auch sein Vorgänger, sein Vorvorgänger, dessen Vorgänger usw