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Die Zutatenmischung stimmte. Alles, was es für eine sommerliche Serenade brauchte, war gegeben: eine stimmungsvolle Location; laue Temperaturen unter dem nachtschwarzen Himmel von Santa Maria; mediterrane Snacks diverser Catering-Services, die man sich mit den im Eintrittspreis inbegriffenen Bons an perfekt organisierten Ausgabeständen abholen konnte; ein fröhlich gestimmtes Publikum, das sich leger gekleidet zu dieser Fiesta zahlreich eingefunden hatte (die Organisatoren sprachen von 900 Zuschauern); ein abwechslungsreiches Programm mit orchestralen Highlights aus heiteren Opern des 18. und 19. Jahrhunderts und Zarzuelas; und, last but not least: das Sinfonieorchester der Balearen unter seinem Chefdirigenten Pablo Mielgo, der auch als humorvoller Moderator durch das knapp eineinhalbstündige Programm des Mondscheinkonzerts bei Macia Batle am gestrigen Samstag führte. Was kann schöner sein auf Erden?

Für einen Augenblick drängte sich als Antwort auf diese Frage auf: das gleiche Programm in der Akustik von Schloss Bellver, deren Qualität von Mielgo immer wieder hervorgehoben wird und die ohne elektrische Verstärkung auskommt. Denn schon beim ersten Werk des Abends, Mozarts genialer „Figaro“-Ouvertüre, war klar: das ist nicht der Klang, der bei den Proben erarbeitet wurde. Die ersten fünf Takte, in denen das Stück, fast aus dem Nichts kommend, Anlauf für vier turbulente Minuten nimmt, zeigten in ihrer durch die Übertragungstechnik bedingten Überpräsenz, dass wir es hier eher mit der Klangsprache der Tontechniker als mit der des Dirigenten zu tun hatten. Wer das Orchester je unplugged gehört hat, weiß, wieviel Wert Mielgo auf das Ausbalancieren der einzelnen Stimmen und auf feine Nuancen legt. Und genau das konnte die Technik, die natürlich auch durch das zur Verfügung stehende Equipment an ihre natürlichen Grenzen stieß, nicht rüberbringen. Genauso, wie sie gegen die staubtrockene Akustik machtlos war. Eins wurde dadurch allerdings (erfreulich) deutlich: die spieltechnische Perfektion der Balearensinfoniker! Ein Orchester minderen Grades kann es sich nämlich gar nicht leisten, ohne den Nachhall eines guten Saales, der so manchen unsauberen Ansatz gnädig verschleiert, so raffinierte Partituren wie die der Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ oder zu den „Lustigen Weibern von Windsor“ zum Klingen zu bringen. Weil eine trockene Akustik an jedem Fehleinsatz sogleich fürchterliche Rache nimmt und ein drittklassiges Orchester zur Kurkapelle degradiert. In dieser Gefahr befand sich Mielgos fabelhafte Truppe keinen Augenblick lang. Da saß jeder Ton.

Trotzdem hätte man sich gewünscht, den „Mielgo-Sound“, wie man ihn in zahlreichen Konzerten kennen und lieben gelernt hat, ohne elektronische Manipulationen zu erleben. Aber ohne die wäre das Konzert gar nicht möglich gewesen.

So war es trotz aller Malaisen ein Abend voller musikalischer Lebensfreude, in einer zauberhaften Atmosphäre. Das Temperament der „Carmen“-Suite, des unverwüstlichen Can-Can aus Offenbachs „Orpheus“ und des genauso robusten Intermedios aus Giménez‘ „La boda de Luis Alonso“ sprang aufs Publikum über und sorgte ebenso für Stimmung wie für begeisterten Applaus.

Und bereits am kommenden Mittwoch (13.07.) dürfen wir uns auf das nächste Konzert des OSIB freuen, ungefiltert in der perfekten Akustik des Innenhofes von Schloss Bellver. Eine Operngala mit Solistinnen und Solisten des Maggio Musicale in Florenz steht dann auf dem Programm.