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Andere genießen mit 76 Jahren ihren wohlverdienten Ruhestand. "Das wäre langweilig für mich", meint Franz Alt und schüttelt den Kopf. "Ich hoffe, dass ich mich mal im Himmel ausruhen kann. Wir sind auf der Erde, um etwas zu tun." Urlaub mit Ehefrau Bigi muss ab und zu aber doch sein. Das Paar verbrachte gerade ein paar Tage im Finca-Hotel Can Beneit in Binibona.

Franz Alt ist als Redner gefragt. Die Energiewende ist eines der Paradethemen des Mannes, der gerne mal als Querdenker tituliert wird. Doch der Journalist kann zu den verschiedensten Dingen referieren. Bei allen ist der Blick nach vorne gerichtet. "Die aktuellen Themen decken wir als Journalisten eigentlich ganz gut ab. Die Vergangenheitsgeschichten gelingen uns in Deutschland auch ganz gut. Die Zukunft ist das große Loch", schildert Alt seinen Antrieb.

"Ich habe mal erfahren, dass sich in Deutschland vier Institute mit der Zukunft beschäftigen, aber 1400 Einrichtungen mit der Vergangenheit. Ein Land, das so wenig zukunftsfähig ist wie Deutschland, braucht Zukunftsforschung", lautet Alts Schlussfolgerung. Da passt es, dass er mehr als zehn Jahre die Zukunftsredaktion des SWR geleitet hat.

2010 hat Franz Alt noch rund 240 Vorträge in aller Welt gehalten. "Zwischen Rio und Schanghai", wie er selber sagt. Inzwischen hat er das Arbeitspensum reduziert, referiert nur noch etwa 100-mal im Jahr. Er nimmt sich mehr Zeit für Bücher. Als Nächstes folgt ein Werk, das auf den Gesprächen von Franz Alt mit dem Dalai Lama basiert.

"Wir machen gerade ein Buch zusammen, ein kleines Büchlein, das im Mai oder Anfang Juni in allen Weltsprachen erscheinen wird", verrät der Autor. "Das soll in allen Buchhandlungen der Welt an der Kasse liegen." "Es geht um eine spannende Frage. Der Dalai Lama sagt, Ethik sei wichtiger als Religion.

Ich finde für einen der charismatischsten Religionsführer unserer Zeit ist das eine sensationelle Meinung", sagt Alt, den mit dem Dalai Lama eine mehr als 30 Jahre andauernde Freundschaft verbindet. "Es gibt Wichtigeres als die Religion und das ist die Ethik", so Alt, den die Öffentlichkeit als bekennenden Christen kennt. "Alle Religionen machen zurzeit so viel kaputt, dass wir einen anderen ethisch-moralischen Ansatz brauchen, um diese Welt halbwegs in Balance zu halten. Der Dalai Lama sagt, dass niemand als religiöser Mensch geboren wird. Aber als lebendes Wesen mit Mitgefühl werden wir alle geboren."

Alt und der Religionsführer sprechen sich mit "lieber Freund" an. In den vergangenen 30 Jahren haben sie sich rund 30-mal getroffen. Zuletzt vor ein paar Wochen in Basel, um an dem Buch zu arbeiten.

Der Dalai Lama wird im Sommer 80, was einer der Anlässe für das Buch ist. Was passiert, wenn der Mann eines Tages stirbt, ist unklar. Er selbst hat gesagt, dass er vielleicht der letzte Dalai Lama sei. Inzwischen gibt es Aussagen, nach denen die kommunistische Partei Chinas den Nachfolger benennen will. Dazu meint Franz Alt: "Das finde ich toll, dass die jetzt bestimmen wollen, ob es im Jenseits eine Wiedergeburt des Dalai Lama gibt ..."

Auch das zweite neue Alt-Buch in diesem Jahr befasst sich mit Religion. Titel: "Was Jesus wirklich gesagt hat". Es geht darum, dass die Menschen Jesus vielleicht gar nicht verstehen können, weil die Bibel stellenweise falsch übersetzt wurde.

Könnte sich Franz Alt eigentlich vorstellen, nochmal eine eigene TV-Sendung zu machen? "Nein, alles hat seine Zeit. Heute sind mir Bücher wichtiger als Fernsehen."

(aus MM 16/2015, leicht geändert)