Rank und schlank wie eh und je: Johan Cruyff beim Benefiz-Turnier seiner Stiftung auf Mallorca.

Auf dem Fußballplatz gehörte der Holländer zu den besten Spielern seiner Zeit, die größten Erfolge feierte er mit dem FC Barcelona. Als Spieler gewann er mit den Katalanen eine Meisterschaft, als Trainer bescherte er ihnen den ersehnten Landesmeister-Cup, die heutige Champions League, und schuf das sogenannte "Dream Team." Johan Cruyff, 68 Jahre alt, stilvoll ergraut und schlank wie eh und je, hat Mallorca besucht, um für seine Stiftung Werbung zu machen und den Golfschläger in Pula-Golf zu schwingen.

Deutschen Fußballfans sind vor allem Cruyffs Duelle mit der Nationalmannschaft in Erinnerung geblieben. Mit "Oranje" stand Cruyff in den 70er Jahren zweimal im WM-Finale und verlor jeweils gegen die Gastgeber: 1974 gegen Deutschland, vier Jahre später gegen Argentinien. Die Umstände waren nicht immer unumstritten, vor allem beim Finale in Buenos Aires. Auch gegen die Deutschen galt Holland als besseres Team. Cruyff hegt heute aber keinen Groll. "Für ein so kleines Land ist es unglaublich, dass wir dreimal im Finale waren. (1974, 1978, 2010, d.Red.)", sagt er. "Wir sind die einzige Mannschaft, die ein Finale verloren hat und die jeder kennt. Normalerweise erinnert sich keiner mehr an die Finalverlierer. An uns schon. Der ganzen Welt hat gefallen, wie wir gespielt haben."

Zwar hat sich Cruyff mehrfach für Joan Laporta als künftigen Präsidenten seines Herzensklub Barcelona geäußert ("Wir glauben an dieselben Werte"), arbeitet offiziell aber weder für einen Klub noch für eine Nationalmannschaft. Die holländische Sportlegende engagiert sich aber vor allem für behinderte und sozial benachteiligte Kinder. "Für die Special Olympics gibt es 26 Sportarten, die wir unterstützen", sagt er. "Special Olympics" ist das Sportfest für Sportler mit geistiger Behinderung und wurde von Eunice Kennedy, Schwester von Ex-Präsident John F. Kennedy, ins Leben gerufen.

Zudem hat die Cruyff-Stiftung in mehr als 200 Städten auf der Welt Sportplätze eingerichtet. "Dort wo es keinen Platz zum Spielen gibt." Auch in graue Schulhöfe bringen sie Farbe. "Viele Unternehmen unterstützen uns, auch ehemalige Kollegen. Egal, wen ich angesprochen habe: Es gibt keinen, der nicht mitmacht. Es ist eine Freude, so etwas zu machen", sagt Cruyff. Er nimmt sich auch während des Interviews immer wieder Zeit, Autogramme zu schreiben, auch für zwei erklärte Madrid-Fans. Die halten ihm ein orangenes T-Shirt mit dem so charakteristischen Konterfei des langhaarigen Cruyff hin. "Die Fotos haben wir vergangene Woche gemacht", scherzt er und fügt hinzu: "Meine T-Shirts verkaufen sich am besten in Madrid. Das ist schon erstaunlich."

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Er hege keine Feindschaften, sagt er und sein Rat sei international gefragt, zum Beispiel bei Bayern München. Mit Präsident Karl-Heinz Rummenigge verbindet ihn eine Freundschaft und mit seinem ehemaligen Spieler Pep Guardiola spricht er häufig. "Ein sehr netter Mensch, einfach und arbeitsam", sagt Cruyff über Guardiola. Auch auf Mallorca hat Cruyffs Wirken Spuren hinterlassen. Der aktuelle Inseltrainer hat ebenso in Cruyffs Dreamteam gespielt wie Vorgänger Miquel Soler. Real-Sportdirektor Miguel Angel Nadal, der ebenfalls beim Golfturnier auf Pula-Golf dabei war, spielte unter Cruyff. Die beiden verbindet eine enge Freundschaft.

Seinen Ex-Klub sieht Cruyff trotz der jüngeren Erfolge kritischer. "Sie haben eine fantastische Saison gespielt, aber an Prestige verloren", glaubt er. Die Masia, die legendäre Talentschmiede, sei nicht mehr das, was sie mal war. Ein Beweis sei, dass die zweite Mannschaft gerade aus der zweiten Liga abgestiegen sei. "Der Klub hat so viele Mitglieder, bewegt so viele Menschen. Da muss mehr passieren, nur zu gewinnen ist nicht genug", glaubt Cruyff.

Der Erfolgstrainer von Ajax Amsterdam, dem FC Barcelona und sogar der katalanischen Auswahl hat nie sein Heimatland trainiert. "Es gab Kontakte, aber ich wollte Entscheidungen alleine treffen, das wiederum wollte der Verband nicht", sagt er. So ist es nie zu einer Zusammenarbeit zwischen dem genialen Fußballtrainer und seinem Heimatland gekommen.

Jetzt, mit 68 Jahren, wolle er kein Trainer mehr sein. Er helfe lieber den Jüngeren, sagt er. Und beobachtet den Weltfußball. Ob Deutschland über Jahre an der Spitze bleibt? "So etwas kann sich schnell wieder ändern. Das Niveau hängt von Details ab. Schau dir die Copa America an. Brasilien ist draußen, Argentinien nur knapp weitergekommen. Man muss sich ständig weiterentwickeln."

(Aus MM 27/2015)