Palmenpracht an Palmas Paseo de Sagrera. | Renate Werthwein

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So mancher behauptet, dass sich in der Gruppe der Palmen die schönsten, elegantesten Gewächse überhaupt befinden. Es gibt viele Hundert verschiedene Arten. Die meisten sind in den Tropen heimisch. Auf allen Kontinenten: Südamerika, Afrika, Asien. Dort sind es zum größten Teil wichtige Nutzpflanzen. Sie liefern Nahrung für Mensch und Tier wie die Dattelpalmen aus Nordafrika, Öle und Fette, wie das "Copra" aus den großen Nüssen der Kokospalme. An vielen Stellen werden alkoholische Getränke aus den Säften gegoren. Mit dem Holz ihrer Stämme wird gebaut, Häuser und Brücken. Es werden Möbel und Gebrauchsgegenstände aus Palmenholz hergestellt. Die großen Blätter decken die Hütten und dienen zum Flechten von Matten und Zäunen. Aus den Fasern werden Decken und Tücher gewebt.

An den Küsten des Mittelmeers sind die Palmen zum Symbol geworden, sie stehen für angenehmes Klima und Sonnenschein. Kein Ferienort, kein besseres Hotel ohne Palmen auf ihren Prospekten. Auf der Insel sind es besonders die afrikanischen Dattelpalmen, die seit Jahrhunderten in Dörfern und auf Bauernhöfen dazu gehören. Hinzu kommen die breitstämmigen, vollblättrigen kanarischen Dattelpalmen und seit einigen Jahrhunderten immer mehr Fächerpalmen, die in Amerika wild wachsen. Sie sind leicht aus Samen zu vermehren und schneller im Wuchs.

Auf Mallorca gibt es an vielen Berghängen, mehr im Norden der Insel, die wilden Zwergpalmen, Chamaerops humilis, die einzige europäische Palmenart. Sie bilden meist mehrere Stämme, wenn sie älter werden, was aber sehr lange dauern kann. Auch sie werden in den Gärtnereien aus Samen vermehrt, die wildwachsenden sind total geschützt. Aus ihren getrockneten Blättern werden seit jeher Hüte, Körbe und Taschen geflochten. An Palmas Hafen, im "Huerto del Rey", stehen einige große, uralte Gruppen, die seinerzeit aus den Bergen bei Artà umgepflanzt wurden. Viele meist tropische Arten, auch Zwergformen, werden als Topfpflanzen in Gewächshäusern kultiviert.

Allerdings: Wer in einem Gartencenter auf Mallorca eine Palme kauft, muss jetzt seine Adresse angeben. Grund ist ein in diesem Jahr in Kraft getretener Erlass der Balearen-Regierung zum Kampf gegen die Palmrüssler-Plage. Der Schädling Rhynchophorus ferrugineus, so sein wissenschaftlicher Name, bedroht den Palmenbestand der Insel zunehmend. "Der Erlass passt die balearischen Vorschriften an geltendes EU-Recht an und verschärft die bisherigen Maßnahmen gegen den Schädling", erklärt Omar Beida vom balearischen Landwirtschaftsministerium.

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Das EU-Recht sieht vor, eine zehn Kilometer weite Schutzzone um befallene Pflanzen einzurichten. Da sich der Palmrüssler inzwischen überall auf der Insel ausgebreitet habe, sei nun ganz Mallorca zur abgegrenzten Befallszone erklärt worden, sagt Beida. Darin gelten spezielle Regelungen. Unter anderem dürfen nur Händler Palmen verkaufen, die in ein offizielles Pflanzenhändler-Register eingetragen sind, sie müssen Vorsorgemaßnahmen sowie Quarantänevorschriften anwenden und allen Palmen beim Verkauf einen Pflanzenschutzpass ausstellen. "Die Anschrift des Käufers muss eingetragen werden, damit wir die Palmen rückverfolgen können", erläutert Beida.

Von den inselweit 273.000 registrierten Palmen sind mittlerweile zirka 12.000 von dem Schädling befallen, heißt es. Zwar geht die Zahl der neuen Fälle zurück - 2014 wurden 2700 kranke Palmen gemeldet, 2015 waren es nur noch 1200. Doch die Zahlen seien mit Vorsicht zu bewerten, warnt Beida. Wer eine kranke Palme in seiner Finca oder seinem Garten habe, sei verpflichtet, das den Behörden melden. Doch viele Leute täten dies nicht. Auch viele Gemeinden meldeten neue Befälle nicht mehr. Zudem seien längst nicht alle Palmen der Insel registriert. Andererseits habe das Wissen um die Plage zugenommen und einige Eigentümer nähmen den Kampf gegen den Schädling auf eigene Faust auf: "Wenn die Pflanzenschutzmaßnahmen angewendet werden, können wir den Palmenbestand retten und einen großen Verlust für die Landschaft und die Wirtschaft der Insel vermeiden."

Autoren: Ulrich Werthwein und Eva Carolin Ulmer.

(aus MM 35/2016)