Mallorca verneigt sich vor Rennfahrer Helmut Kalenborn

| Palma |
Helmut Kalenborn in Llucmajor. Dort wohnt er, dort fühlt er sich zu Hause.

Helmut Kalenborn in Llucmajor. Dort wohnt er, dort fühlt er sich zu Hause.

Foto: nimü
Helmut Kalenborn in Llucmajor. Dort wohnt er, dort fühlt er sich zu Hause.Kurze Zeit nach seinem schweren Unfall 1999 traf der Rennfahrer zum zweiten Mal auf Hollywoodstar Michael Douglas.Bei zahlreichen Auftritten von Helmut Kalenborn war auch das Mallorca Magazin mit von der Partie.Anlass, die Schampusflasche zu köpfen gab es für den Motorsportler nach vielen Rennen.

Der Wahl-Mallorquiner hat eine ganz große Leidenschaft. „Wenn es hierzulande wie in Amerika üblich wäre, dass man sich im Auto bestatten lässt, dann würde ich mich eines Tages im Formel-Wagen begraben lassen“, meint Helmut Kalenborn und schmunzelt. „Ich bin mit Rennen groß geworden. Das war immer mein Leben.“

Der Rheinländer ist auf Mallorca eine Motorsport-Legende. Insgesamt neunmal gewann er die Gesamtwertung der auf den Inseln sehr populären Balearen-Bergmeisterschaft, bei der die teilnehmenden Fahrzeuge einzeln nacheinander eine Anhöhe hinauffahren. Es zählt die schnellste Zeit.

Produzent Joan Gibert hat einen Dokumentarfilm über Kalenborns Leben gedreht, der am Dienstag, 3. März, Premiere feiert. Am 2. April wird das PS-Idol 80. Wäre es nicht passender gewesen, den Film dann zum runden Geburtstag zu präsentieren? „Ach nein. Ich feiere sowieso keine Geburtstage. Nur ein Narr feiert, wenn er älter wird, hat mal jemand gesagt. Ich weiß nicht von wem das Zitat stammt, finde es aber gut.“

Natürlich wird Kalenborn bei der Filmpremiere persönlich anwesend sein. „Dieser Film ist eine große Ehre für mich. Manchmal denke ich, das ist der Ehre sogar zu viel.“ Dass Kalenborn seinen Platz in der Geschichte des balearischen Motorsports sicher hat, steht längst fest. Durch die Dokumentation wird das noch einmal unterstrichen. Und das Leben des Deutschen wird auch für diejenigen präsent, die zu jung sind, um mit dem Namen Kalenborn eigene Erlebnisse zu verbinden. Denn 2013 ist er zwar nochmal ein Rennen am Puig Major gefahren. Seine letzte komplette Saison in der Bergmeisterschaft absolvierte der Champion aber 2005.

„Die Älteren kennen mich sowieso noch. Wenn bei Rennen aber die Jungen kommen, so 15- oder 16-Jährige, und sich von mir ein Autogramm aufs T-Shirt schreiben lassen, dann ist das schon ein tolles Gefühl“, gibt Kalenborn zu.

Auch heute wird seine Meinung in der Szene weiterhin geschätzt. „Ja, ich werde immer noch oft um Rat gebeten, auch von Nachwuchsfahrern.“ Denn bei den Bergrennen ist Kalenborn stets präsent. Auch wenn dabei in seiner Brust zwei Herzen schlagen. „Weil ich mir eingestehen muss, dass ich es nicht mehr kann. Wenn man mir ein konkurrenzfähiges Auto gäbe und ich volle Rille gehen würde, dann wäre ich wohl in der dritten Kurve raus. Die Reflexe sind nicht mehr so gut“, meint der 79-Jährige, der privat mit einer A-Klasse auf der Insel unterwegs ist. „Mehr brauche ich nicht, du darfst ja hier sowieso nirgends schneller als 120 fahren.“

Abgesehen von den Reflexen erfreut sich Kalenborn bester Gesundheit. Er erzählt, wie er kürzlich seinen Führerschein hat erneuern lassen. „Die Ärztin war über die guten Werte verwundert. Und fragte mich, wie ich das mache. Ich rauche nicht, ich trinke nicht und habe nichts mit Frauen, war meine Antwort. Da hat sie mich gefragt, warum lebst du dann?“

Früher ist Kalenborn unter anderem Formel-2- und Formel-3-Rennen gefahren. 1976 verschlug es ihn als Urlauber nach Mallorca, nur wenige Monate später nahm er erstmals an dem Rennen auf den Puig Major teil. Anfangs flog er immer nur für die Events ein, später wurde er auf einer Finca in Llucmajor sesshaft. Es folgte eine Rückkehr nach Deutschland, dann der Wohnsitz auf einer Finca in Can Picafort, ein Appartement in Arenal und schließlich der Umzug in das Zentrum von Llucmajor, wo der Kfz-Meister sich bis heute wohl fühlt. Er scheint alles richtig gemacht zu haben. „Mallorca ist für mich mehr als ein Zuhause geworden. Ich habe sehr viele Freunde und Bekannte, keine Langeweile. Für mich ist die Insel Lebensqualität. Mein Eindruck ist, dass zum Beispiel Neid und Missgunst keine so große Rolle spielen wie in Deutschland“, meint Kalenborn, den man trotz seines Rentnerdaseins von Zeit zu Zeit noch als Repräsentant im Trend-Shop in Llucmajor antreffen kann. „Ich bin gerne mit Menschen zusammen. Aber wenn ich merke, es passt nicht, dann lasse ich es auch sein.“

Als sich der Rheinländer für ein Leben auf Mallorca entschieden hatte, war damit ein Verlust verbunden, der ihn schmerzte. Seine Ehefrau wollte nicht mit. Letzte Konsequenz war die Scheidung. „Wir haben uns einvernehmlich getrennt. Es war ein gegenseitiges Verständnis vorhanden und eine Fernbeziehung kam nicht in Frage. Noch heute haben wir ein gutes Verhältnis. Wenn wir mal in Deutschland einen Kaffee zusammen trinken, sprechen wir aber nie über die Vergangenheit. Das ist vorbei und nichts lässt sich rückgängig machen.“

In den langen Jahren als Rennfahrer ist Kalenborn von schweren Unfällen weitgehend verschont geblieben. Nur einmal hatte er bei einem Rennen auf Mallorca großes Glück im Unglück. „Ja, das war 1999. Es gab vorher an der Stelle einen Unfall, Kühlflüssigkeit war auf der Straße. Ich bin voll auf die Schmiere gefahren und dann mit 150 Stundenkilometern gegen einen Baum gekracht. Das Auto war Schrott, ich hatte mir zum Glück nur die Füße gebrochen“, erinnert sich der PS-Senior. Und ergänzt: „Wenn an der Stelle Zuschauer gestanden hätten. Das mag ich mir gar nicht vorstellen ...“

Gerne erinnert sich der Motorsport-Enthusiast dagegen an die Zeit, als 1994 auf der Insel der Film „Der schwarze Fluch“ gedreht wurde, den RTL 1995 ausgestrahlt hat. Kalenborn durfte Hauptdarsteller James Brolin bei einer Verfolgungsjagd doubeln und hatte zusammen mit dem Star auch eine kleine Szene, in der er einen Gefängnisdirektor spielte. Durch Brolin lernte Kalenborn auch Michael Douglas kennen und fuhr später für die Stiftung Costa Nord des Hollywoodmimen eine Saison in der Bergmeisterschaft.

Kalenborn hat den 75 Minuten langen Dokumentarfilm bereits gesehen. „Gedreht wurde unter anderem am Flughafen von Palma, auf dem Nürburgring und in Barcelona.“ Es kommen auch Motorsportler wie Juan Fernández, Pedro de la Rosa oder Jorge Lorenzo und Harald Groß vor. „Ein interessanter Mix, bei dem man auch viel über den Motorsport erfährt, zum Beispiel über die Sicherheit. Und es gibt viel von der Insel zu sehen.“ Zum Beispiel bei Archiv-Aufnahmen von Kalenborn-Rennen bei der Balearen-Bergmeisterschaft. Und die ist der Deutsche meistens wie folgt angegangen: „Beim Training habe ich immer den Berg hochgeschaut und gesagt, du bist mein Gegner, dich muss ich bezwingen.“ Was die anderen Fahrer machten, sei ihm nicht so wichtig gewesen. „Mein Gegner war immer der Berg.“

Der Film über Kalenborn wird am Dienstag, 3. März, um 19 Uhr im Trui Teatre in Palma gezeigt (spanische Originalversion mit deutschen Untertiteln). Der Eintritt zu der von der RLM Group Audiovisual gemeinsam mit MM organisierten Veranstaltung ist gratis. Anmeldung hier.

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