Hauptsache oben! Das Leben des Josef Oberauer

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Er kann aug reichlich Erfahrung zurückblicken: Josef Oberauer.

Er kann aug reichlich Erfahrung zurückblicken: Josef Oberauer.

"Wow, ich habe selten so intensiv über mein Leben nachgedacht. Danke!", Josef Oberauer nimmt einen Schluck Bier und lehnt sich nachdenklich auf seinem Stuhl zurück. Es ist ein bewegtes Leben, auf das er auf Mallorca zurückblickt. Ein Leben, das er zwei Mal fast verloren hätte. Aber von vorn.

Die Reise von „Jo“, wie Josef Oberauer von seinen Freunden genannt wird, beginnt 1968 in Kramsach, einem Dorf in Tirol. Gerade zwei Monate ist der kleine Josef alt, als ihn seine Mutter – völlig überfordert – in eine Pflegefamilie gibt. „Das war das Beste, was mir passieren konnte!“, sagt der 51-Jährige heute.

In seiner neuen Familie fand Oberauer ein liebevolles Zuhause, mit Eltern, die für ihn „den letzten Schilling“ gegeben hätten. Und trotzdem war für Jo immer klar: In Kramsach alt werden, das ist für ihn keine Option. Er wollte raus, hoch hinaus, am liebsten als Sänger berühmt werden.

Der Traum vom „Hoch hinaus“ erfüllte sich bald. Josef wurde Drachenflieger, gründete seine eigene Flugschule und arbeitete als Testpilot. Letzteres war es, das ihm zum ersten Mal fast das Leben gekostet hätte. Bei einem Testflug brach ihm, 300 Meter über der Erde, ein Flügel. Sein Fallschirm und „Gottes Hand“, wie er sagt, retteten ihm das Leben. Der Fallschirm sorgte für einen gebremsten Fall.

Gottes Hand schob ihn grade noch rechtzeitig von einer Starkstromleitung weg. Vielleicht hatte der Allmächtige auch seine Finger im Spiel, als eines Tages der Musiker Hans Söllner vor Oberauer stand. Er wollte Drachen fliegen. Söllner flog, und Jo fand durch ihn den Weg auf die Bühne. Zunächst als Roadie. Also Bühnenbauer. Aber egal – Hauptsache raus.

Die Bühnenluft machte den Wunsch nach der eigenen Musikkarriere nur größer, und so ging Josef Oberauer nach Los Angeles, um dort Musik zu studieren. Allerdings nur ein paar wenige Monate, dann brach er das Studium ab und kam zurück nach Österreich. Seine zu Hause vermietete Flugschule war pleitegegangen und Oberauer musste wieder Geld verdienen. Als LKW-Fahrer hat er damals gejobbt, bis er wieder auf der Bühne stand – jetzt als Lichtdesigner und Toningenieur.

Und diesmal waren es die richtig großen Bühnen: Jo – wieder ganz oben – wurde einer der Höhenarbeiter. Während unten Stars wie AC/DC, Rolling Stones, David Bowie, Tina Turner, Herbert Grönemeyer, Robbie Williams, Lenny Kravitz oder Britney Spears ihre Shows absolvierten, sorgte Oberauer dafür, dass die Scheinwerfer am oberen Bühnenrand die Künstler ins perfekte Licht setzten.

Und das insgesamt mehr als 2500 mal. „Ich war der Letzte, der Falco vor seinem Tod beleuchtet hat“, erzählt er, und seine Augen strahlen wie die Scheinwerfer, die er einst justierte. Auch ein Konzert der Scorpions wird der Österreicher wohl nie vergessen: Damals wäre er um ein Haar aus 40 Meter Höhe von der Bühne gestürzt. Wie durch ein Wunder klickte sich der Sicherungshaken in letzter Sekunde noch ein.

Dankbar, fast schon demütig wirkt Josef Oberauer, wenn er von seinem Leben erzählt. Auch wenn das mit der eigenen Musikkarriere bisher noch nicht so richtig klappen wollte. Jo ist niemand, der die Dinge forciert. Er lässt sie kommen. Nimmt sie hin. Und an. Da überrascht es auch nicht, dass er sich eine Zeit lang als Musiker auf Jamaika durchgeschlagen hatte. Reggae hat er da gemacht. Natürlich. Hauptsache im Flow.

So wie an diesem einen Tag vor zwölf Jahren in Berlin. Da war er bei der IFA, der Internationalen Funkausstellung. Ein bisschen müde war er. Von seinem Job auf den Bühnen, dem ständigen Reisen. Dem Getrenntsein von seiner Frau und seinen Kindern. Und da lag er. Zertrampelt im Dreck: Ein Prospekt über Baumhäuser. „Das wär doch was für mich!“, dachte Jo, hob den Prospekt auf, bewarb sich und baut seitdem Häuser in luftiger Höhe. Baumhäuser eben. Erst für die Firma vom Prospekt – aber schon ein Jahr später hat er sich selbstständig gemacht.

„Hauptsache, ich bin irgendwo oben. Dann bin ich glücklich!“, sagt Josef lachend. Und glücklich ist er. Auch wenn er vor zwei Jahren, kurz vor der Auswanderung nach Mallorca, mal wieder so gut wie pleite war. Ein Kunde hatte sein Baumhaus nicht bezahlt und so hatte Josef lediglich 1800 Euro auf dem Konto, als er mit seiner Frau und den Kindern nach Colònia de Sant Pere in die Nähe von Artà zog.

Aus der Bahn werfen lässt er sich nicht. Jo kennt eben nicht nur die Höhen, er kennt auch die Tiefen. Und er hat seine Familie, die ihn erdet. Seit 19 Jahren ist seine Frau Gabriela an seiner Seite. Auf Mallorca haben sie eine neue Heimat gefunden und unter Spaniens Sonne laufen inzwischen auch die Geschäfte wieder gut. Ob Kinderspielhaus, Baumhaushotel, Apartment oder gleich ein ganzes Einfamilienhaus – mit seiner Firma „3House Design” erfüllt Josef Oberauer so ziemlich jeden Holzhaustraum. Dabei geht es schon lange nicht mehr nur um Baumhäuser, auch Öko-Häuser, nachhaltig und frei von Kunststoff, sind gefragt. Vor allem hier auf Mallorca ist der Markt für die Öko- Häuser groß. Größer als der Markt für die Baumhäuser.

„Das Problem sind die Baugenehmigungen“, sagt der Mann. Der österreichische Liedermacher Rainhard Fendrich zum Beispiel hätte gerne ein Baumhaus von ihm in Artà gehabt – es scheiterte an der Genehmigung.

Während auf Mallorca so mancher Baumhaustraum an den behördlichen Vorschriften scheitert, hat Ky-Mani Marley, der Sohn von Reggae-Legende Bob Marley, sich sozusagen ins gemachte Nest gesetzt: Er hatte eines von Jos Baumhäusern in Berlin gewählt, um dort ein Musikvideo zu drehen. „So ein Baumhaus gibt dir das Gefühl, erhaben und doch geborgen zu sein. Und es erinnert an die eigene Kindheit – wer hatte oder wollte nicht gerne ein eigenes Baumhaus?“, lacht Ober-auer und denkt an seine Kinderjahre in Kramsach zurück. „Damals haben wir Baumhäuser gebaut, bis der Förster kam und uns vertrieb.“

Dem kleinen Simon, einem behinderten Jungen aus Bayern, hat Jo einen ganz besonderen Wunsch erfüllt: Ihm errichtete er nicht nur ein Baumhaus, sondern gleich eine Rampe dazu, so dass der Kleine direkt aus seinem Zimmer mit dem Rollstuhl ins Baumhaus fahren kann. „Charity liegt mir am Herzen“, sagt Oberauer. Vielleicht weil er selbst als Säugling so ein großes Glück mit seiner Pflegefamilie hatte.

Und Jo? Von welchem Haus träumt er? „Ich wünsche mir ein Haus an den Klippen“, sagt er. „Ganz oben!“ Natürlich. Wo sonst würde man Josef Oberauer vermuten?

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