Das Geheimnis dieser Farbenvielfalt am herbstlichen Himmel liegt in der Art, wie das Sonnenlicht in der Atmosphäre gestreut wird. Beim Sonnenuntergang wird vor allem der blaue Anteil des Lichts herausgefiltert und übrig bleibt das Abendrot. 
 | Talia Christa Oberbacher

Der folgende Text ist der MM-Kolumne "Unter vier Augen" von Talia Christa Oberbacher entnommen. Die Autorin ist Hypnose-Therapeutin und Coach in der Palma Clinic auf Mallorca.

Ich bin ein Herbstkind und als solches ist diese Jahreszeit schon immer etwas Besonderes für mich gewesen. Dieser kleine Moment im Spätsommer, oft schon Anfang September, wenn man spürt: Etwas ist anders. Ein spitzer Hauch von Kühle liegt in der Luft. Anfangs ist er kaum zu erahnen, aber dann ist es klar, der Herbst ist da. Auch wenn es noch viele wunderbar warme Tage geben mag, dieser Sommer ist unwiederbringlich vorbei. In Deutschland spürte ich oft einen kleinen Stich im Herzen bei dem Gedanken daran, dass nun die Tage deutlich kürzer werden und es mit Riesenschritten auf die dunkle Jahreszeit zugeht.

Für die Natur ist der Herbst eine sehr wichtige Einrichtung. Das Wachstum der Pflanzen kommt zur Ruhe, sie sammeln ihre Kräfte in den Wurzeln, bilden und verteilen noch ihre Samen, bevor sie sich ganz zurückziehen, um sich auf den kommenden Frühling und den nächsten Tanz von Werden, Sein und Vergehen vorzubereiten. Auch die innere Uhr des Menschen reagiert darauf. Wir werden in allem etwas langsamer, das Schlafbedürfnis wird größer und auch die Lust auf kalorienhaltiges Essen macht sich bemerkbar.

Leider können wir oft, durch die Anforderungen des modernen Lebens, all diesen Bedürfnissen nicht oder nur marginal nachgeben. Möglicherweise würden wir Herbst und Winter viel besser überstehen, wenn wir unser Leben mehr anpassen könnten an diese besondere Zeit. Viele Menschen spüren auch eine gewisse Melancholie, die sich bei einigen zu einer richtigen Winterdepression auswachsen kann. Dabei handelt es sich, wie der Name schon sagt, um eine saisonale Erscheinung, die im Gegensatz zu einer „klassischen” Depression asymptomatisch mit Heißhunger statt Appetitverlust und vermehrtem Schlaf statt Ein- und Durchschlafstörungen daherkommt. Glücklicherweise vergeht diese Form der Depression recht häufig wieder, mit den ersten warmen Strahlen der Frühlingssonne.

Dies ist nun mein erster Herbst auf Mallorca. Ich erkenne ihn daran, dass er mit spektakulären Farben sowohl den Sonnenauf- als auch den -untergang an den Himmel zaubert. Ich spüre natürlich genauso, dass die Abende und Nächte kühler werden und mein Bedürfnis, an den Strand oder gar ins Meer zu gehen, deutlich abgenommen hat. Ob ich auch mehr Lust auf mehr Kalorien habe, kann ich nicht genau sagen, da ich im Grunde nie auf Pasta, Käse und anderes Hüftgold verzichten mag.

Und auch dieser leichte Anflug von Schwermut ist mir wohl bekannt. Aber etwas ist hier deutlich anders, und zwar ganz abgesehen davon, dass es wirklich wunderbar ist, auf dieser schönsten Insel zu arbeiten und zu leben: Es gibt einfach mehr Licht. Selbst an trüben Tagen, und ich weiß, dass es diese gibt und dass sicher noch einige kommen werden, ist es deutlich heller als in Deutschland. Auch meine üblichen, saisonalen trüben Gedanken, die sich immer einstellen, wenn die Weihnachtszeit näherrückt, weil ich diese ohne einige sehr wichtige Menschen verbringen muss, bleiben dadurch viel besser auszuhalten. Es ist sogar so, dass ich es genießen kann, wieder etwas mehr anzuziehen, als nur ein dünnes Kleidchen und Sandalen. Ich mag es, mich in wollige Jacken und Pullover zu kuscheln, wenn das Thermometer dabei bloß einigermaßen im Plusbereich bleibt. Auch eine feine Tea-Time am Nachmittag macht im Herbst deutlich mehr Spaß, als bei 34 Grad.

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Licht ist für uns Menschen, ja, für die gesamte Natur absolut wichtig. Wussten Sie, dass der Startschuss für das Keimen der Samen und das Wachstum der Pflanzen im Frühjahr das stärker werdende Licht ist, nicht die steigenden Temperaturen? Mithilfe von Hormonen steuert der Körper viele seiner Funktionen abgestimmt auf die jeweilige Tageszeit und die Menge an Licht, der er ausgesetzt ist. Und nicht nur das. Auch die Farbe des Lichts hat einen großen Einfluss darauf, ob wir zur Ruhe kommen oder nicht.

Findige Hersteller von Computern und Mobiltelefonen haben vor einiger Zeit schon begonnen, die Displays ihrer Geräte mit Filtern auszustatten, die zum Beispiel ab einer bestimmten Uhrzeit die Blauanteile im abgestrahlten Licht unterdrücken. Dadurch wirkt das Licht rötlicher, suggeriert dem Auge, dass es Abend wird und regt damit die Produktion des sogenannten Schlafhormons Melatonin an. Auch der „Jetlag” – mir gefällt der Begriff „Zeitzonenkater” – wird damit erklärt, dass Licht und Dunkelheit zu ungewohnten Zeiten auftreten und dadurch die natürlichen Rhythmen wie Essens- und Schlafenszeit, Hormonproduktion oder Körpertemperatur aus dem Takt kommen. Hier soll es im Übrigen helfen, viel Zeit am Zielort im Freien zu verbringen, um sich den Lichtverhältnissen anzupassen.

Nach einer Reportage des Deutschlandfunks aus dem Jahr 2017 wird der Bedeutung des Lichts seit einigen Jahren verstärkt Beachtung geschenkt. In der Medizin und der Industrie wird geforscht und entwickelt. Ständig werden neue Produkte auf den Markt gebracht, die uns helfen sollen, in der dunklen Zeit besser über die Runden zu kommen. So gibt es beispielsweise Tageslichtlampen, die uns die erforderliche Menge an Licht (gemessen wird in Lux) liefern sollen. Bis zu 100.000 Lux wirken im Sommer bei blauem Himmel auf den Körper. Im Winter und bei bedecktem Himmel nur um die 3500 Lux, also ein Bruchteil dessen. Noch kleiner wird die Lichtmenge, wenn man sich in Gebäuden und in künstlichem Licht aufhält.

In meiner Praxis habe ich bei Winterblues schon oft den Einsatz dieser Tageslichtlampen empfohlen, die mit zirka 10.000 Lux strahlen. Je nach Bedarf sollte man sich einige Minuten am Tag erleuchten lassen und darf sich dabei auch vorstellen, am Strand zu liegen oder sonstigen sommerlichen Aktivitäten nachzugehen. Vorrang haben sollte aber immer das echte Tageslicht, das verbunden mit einem herbstlichen Spaziergang auch gut ist für unseren Kreislauf und das Immunsystem, selbst wenn das Wetter kühl und regnerisch sein sollte.

Überhaupt ist es eine gute Idee, sich gerade im Herbst öfter mal etwas Gutes zu tun. Das kann neben Freiluftaktivitäten auch ein Vollbad mit duftenden Badezusätzen sein oder eine wohltuende Massage vom Partner oder Fachmann (was sich nicht zwangsläufig widerspricht). Auch ein selbstgekochter Schokoladenpudding kann nicht nur den Magen sondern auch die Seele erfreuen, wenn diese vom fernen Sommerglück am Meer und von warmen Sonnenstrahlen träumt. Und wenn dann um den 21. Dezember herum die längste Nacht des Jahres vorüber ist und das Licht (nach der Vorstellung unserer Vorfahren) tief in der Erde wiedergeboren wird, werden die Tage wieder länger. Dann bereits beginnt die Natur den kommenden Frühling vorzubereiten, und erneut startet der Kreislauf der Jahreszeiten.

(aus MM 45/2021)

(aktualisiert um 15.15 Uhr)