Eine halbe Stunde Karnevalistin, dann wieder Arbeitstier: Maria Pons ist eine von neun Bürgermeisterinnen auf Mallorca. | Patricia Lozano

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An Weiberfasching – süddeutsch „Schmotzige Dunschtig” – setzt sich Maria Pons eine Perücke mit schneeweißen Locken auf. Ihr karnevaleskes Haupt passt so gar nicht zu ihrem nachtschwarzen-staatsfraulichen Jackett und der ebenso dunklen Hose. An Maria Pons, Bürgermeisterin von Santanyí, zockeln um 11.18 Uhr Frösche, Judoka, Spidermänner, Prinzessinnen, Löwen vorbei. Die Rathauschefin ist ein paar Schritte vor ihren Amtssitz getreten und bückt sich zu den verkleideten Kindern, um sie auf Augenhöhe zu begrüßen.

Maria Pons mimt mit ihren 61 Jahren für einen Moment die Karnevalistin par excellence, Popmusik läuft, der Faschingsumzug endet auf dem zentralen Platz von Santanyí, das im Süd- osten von Mallorca liegt und 13.000 Einwohner hat. Für Pons und ihre Mitarbeiter können die Amtsgeschäfte warten, Karneval ist nur einmal im Jahr und endlich wieder, sagen zumindest diejenigen, die ihn mögen.

Durchsichtiges Wasser: Cala d’Or ist mit 4000 Einwohnern größter Ortsteil von Santanyí.
Durchsichtiges Wasser: Cala d’Or ist mit 4000 Einwohnern größter Ortsteil von Santanyí.

Eine halbe Stunde Partyqueen, dann wieder Arbeitstier. Maria de Consolació Pons Monserrat, so ihr voller Name, ist eine von neun Bürgermeisterinnen auf Mallorca. Ihnen stehen 44 Männer der übrigen Städte und Gemeinden gegenüber. Das ist ein deutliches Übergewicht, das anlässlich des internationalen Frauentages am Dienstag, 8. März, ins Auge fällt.

Maria Pons ist keine Frau der Daten, sagt sie. „Jeder Tag müsste ein Feiertag für die Frau sein.” Das meint Pons nicht feministisch. Schon gar nicht sie, die sich in einer Männerdomäne, der Kommunalpolitik, durchgesetzt hat. Dass Frauen ein Tag gewidmet ist, zeige: „Frauen müssen stärker wertgeschätzt werden”. Weiter: „Warum reden wir nicht davon, dass der Mann sich an die Frau angleicht?” Und überhaupt: „Es wäre besser, diesen Tag nicht zu feiern.”

Maria Pons ist die erste Bürgermeisterin in der Geschichte Santanyís. Die Gemeinde wurde 1242 und damit 13 Jahre nach der Eroberung Mallorcas durch Jaume I. das erste Mal erwähnt. Die erste Kirche des Ortes entstand zwischen 1248 und 1265. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wies Santanyí den ersten Bürgermeister und 570 Einwohner auf.

Heute sind es 12.000, Bürger, die hier und in diesen weiteren Ortsteilen wohnen: Cala d’Or, Cala Santanyí, S’Alquería Blanca, Calonge, Cala Figuera, Porto Petro, Es Llombards, Cala Llombards, Son Moja, Es Cap d’es Moro und La Costa. Die Gemeinde verfügt über 33 Kilometer Küste und ist für 15 Strände zuständig. Durchsichtiges Wasser, zerfranste Klippen und immer eine Brise: mediterranes Lebensgefühl überall.

Das zieht besonders Deutsche an, 2100 leben dauerhaft oder einen Teil des Jahres in Santanyí, das 45 Autominuten vom Flughafen in Palma entfernt ist. Sie leben weit genug entfernt vom Trubel der Inselhauptstadt, aber sind immer noch nah genug dran. Maria Pons sagt: „Viele Deutsche haben seit Generationen eine Wohnung oder Haus in Santanyí.” Einige trifft sie mittwochs und samstags auf dem Markt. „Los Alemanes” besuchten auch Konzerte, gingen ins Theater oder strömten in der Silvesternacht kurz vor 24 Uhr vor das Rathaus, auf die „Plaça Major”.

Dass sich alle Deutschen, die in Santanyí leben, integrieren, will Pons nicht behaupten. „Es gibt einige, die für ein paar Monate mit uns mitleben und genießen.” Dauer-Residenten hingegen seien Teil der Gemeindegesellschaft. Ein Ehepaar gebe sogar selbst Konzerte, und Kinder der Deutschen spielten in Vereinen Fußball und Basketball.

Wenn in Santanyí einmal etwas nicht funktioniert, das Licht einer Straßenlaterne oder die Müllabfuhr, melden sich die Deutschen auch zu Wort, erzählt Maria Pons. Muss ja alles seine Ordnung haben und sauber sein, auch in Spanien. Die meisten schreiben dann auf Spanisch, Anfragen auf Deutsch gibt es nur selten. Aber auch solche kann das Rathaus beantworten. Die Gleichstellungsbeauftragte, Ricarda Vicens Schluhe, ist Tochter einer Deutschen.

K, E, STA: Wer an einem Vormittag unter der Woche durch Santanyí läuft, wird auf diese deutschen Autokennzeichen aufmerksam. Vielleicht auch auf einen teutonischen Prominenten: Fußballprofi und FC-Bayern-Torhüter: Manuel Neuer trank mal Kaffee im Ortskern. „Es ist einfacher, einen Prominenten in Santanyí zu treffen als in Deutschland”, sagt Pons und lacht. „Wir Mallorquiner kennen die Leute oft nicht und erfahren erst hinterher, dass ein Promi da war.”

Nach Deutschland gereist ist Maria Pons mehrmals, kalt sei es immer gewesen. Nach Berlin ging sie mit der Musikschule, nach München, um sich die Stätten der Winterspiele von 1972 anzuschauen. Pons ist Sport-, besonders Fußballfan. Früher schrieb sie für die mallorquinische Tageszeitung „Ultima Hora” Ergebnisberichte.

Seit 2013 ist Pons, die der konservativen Partido Popular angehört, Mitglied des Gemeinderats in Santanyí. Hier wurde sie geboren, hier wuchs sie auf. 2019 wurde Pons Bürgermeisterin und ist seitdem Chefin von 90 Mitarbeitern. Sie ist nicht verheiratet und hat keine Kinder, dafür eine Hündin namens „Poli“, die im Ort bekannt ist. Pons war viele Jahre Chefin der Lokalpolizei, daher der Name.

Wenn Maria Pons von der Arbeit abschalten will, geht sie spazieren, zehn bis 15 Kilometer lange Strecken, wofür sie zwischen sechs und acht Stunden unterwegs ist. Die gesamte Küste der Nachbarinsel Menorca ist sie mal entlang gelaufen, in der Hauptstadt Ciutadella hat Pons eine Wohnung.

Was fasziniert die Bürgermeisterin an ihrem Job? Zunächst: Die Arbeit ist für sie keine Arbeit, nur Zeitvertreib. Dann: Das Schöne sei, jeden Tag Bürgern zu helfen, indem sie kleine Probleme löst. „Denn diese bedeuten den Menschen häufig eine Menge.”