Andy Peñalver muss sich auf Flügen von etwa zwei Stunden mit dem Bordservicebeeilen. Foto: Privat

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Wenn Andy Peñalver im Juli durch einen deutschen Flughafen zum Gate läuft – sei es in Köln, sei es in Dortmund – denkt er sich häufig: „Oh Gott.” Er, der Flugbegleiter mit Schlips und Namensschild, sieht Männergruppen mit Frühstücksbieren. Aus Musikboxen dröhnt Helene Fischer, „Atemlos”, die Jungs tragen T-Shirts mit dem Emblem des Lokals „Bierkönig”. Ihr Ziel: Palma de Mallorca.

Andy Peñalver hat dasselbe Ziel, mit anderem Auftrag: Diesen atemlosen Fluggästen Pils auf 11.000 Meter Flughöhe servieren. Cool bleiben, es sind Gäste und damit Könige, wenn auch angetrunkene.

Peñalver ist seit vier Jahren Flugbegleiter bei der österreichischen Fluggesellschaft Eurowings Europe, Schwester der deutschen Airline Eurowings mit Heimatflughafen Wien. Andy Peñalver ist auf Mallorca geboren und aufgewachsen, die Luftfahrt hat ihn schon immer fasziniert.

Flugbegleiter, auf Englisch Stewards, sorgen für „das Wohlbefinden und die Sicherheit von Fluggästen”. So schreibt es die Bundesagentur für Arbeit im „Berufenet”, ein unerschöpfliches Job-Lexikon. Weiter: „Flugbegleiter servieren Speisen und Getränke und informieren über die Ausstattung an Bord.” So weit die Theorie.

In Hamburg im Hotel aufwachen, nach Palma fliegen, wieder nach „HAM”, so der Code, fliegen und zum Schluss nach „DUS”, Düsseldorf: So sieht ein typischer Tag für Andy Peñalver aus. Davon erzählt er per Videoanruf, Peñalvers Handgepäckkoffer ist gepackt, unter seiner Weste ein weißes Hemd, der Schlips sitzt, in einer Stunde geht es los auf die Insel.

Höchstens vier, mindestens einen Flug absolviert Andy Peñalver pro Tag, sagt er. In Deutschland ist er schon alle Flughäfen angeflogen, auf denen Eurowings landet. Das sind so ziemlich alle. Die Airline gehört zur Lufthansa und bietet von Deutschland aus die meisten Verbindungen aller Gesellschaften nach Mallorca an.

Andy Peñalver hat aber auch Arbeitstage, an denen er am Boden bleibt, Bereitschaft nennt sich das. Er kann zu Hause das Bad putzen, wenn er angerufen wird, weil jemand ausfällt, muss er innerhalb von einer Stunde am Flughafen sein. Meistens hat er mehr Zeit.

Insgesamt arbeiten bei Eurowings 1700 Flugbegleiter in der Kabine. Davon entfallen 350 auf Eurowings Europe. Von denen ist ein Viertel Spanier. Unter ihnen sind wenige Mallorquiner. An manchen Tagen spricht Peñalver mehrere Sprachen: Englisch, Spanisch, Deutsch, Italienisch. Diese Internationalität schätzt er – und kennt sie aus seinem früheren Job.

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Bevor der 26-Jährige Flugbegleiter wurde, arbeitete er in Palmas Flughafen Son Sant Joan im Handling. Das heißt: Er gab für verschiedene Fluggesellschaften die Koffer der Passagiere auf und checkte die Reisenden ein.

Einmal, 2017 war das, streikten die Fluglotsen. Peñalver war gerade dabei, abzufertigen und wünschte einen guten Flug. Wenige Minuten später fand der nicht mehr statt. 1500 Menschen tummelten sich am Flughafen – ohne abzuheben.

Ein Streik hingegen ist nichts gegen die Corona-Pandemie, sie traf die Flugbranche hart. Mit Ausbruch des Virus im März 2020 stand praktisch der weltweite Flugverkehr still. Andy Peñalver wurde in Kurzarbeit geschickt. Im Sommer ging es langsam wieder los. „Doch am schlimmsten war es Ende 2020, als vieles wieder geschlossen wurde.” Nun herrscht wieder so gut wie Normalbetrieb: Fünf bis sechs Tage arbeitet Peñalver je Woche, dann hat er zwei bis drei Tage frei.

Wer sich zum Flugbegleiter ausbilden lassen möchte, absolviert keine klassische dreijährige Ausbildung, wie das sonst in Deutschland üblich ist, sondern die Ausbildung ist „durch interne Vorschriften der Lehrgangsträger geregelt”, schreibt Berufenet. Sie dauert in Vollzeit sechs Wochen bis dreieinhalb Monate. Flugbegleiter verdienen je nach Fluggesellschaft zwischen 1500 und 2000 Euro netto.

Die Flüge von Deutschland nach Palma und umgekehrt sind für Andy Peñalver kompliziert. „Sie sind mit gut zwei Stunden kurz und man muss sich mit dem Bordservice beeilen.” Noch kürzer ist es nach Zürich, eineinhalb Stunden. Am längsten ist die Verbindung Palma-Stockholm, knapp vier Stunden.

Wer Andy Peñalver nach seiner Lieblingsstadt in Deutschland fragt, erhält folgende Antwort: Berlin. „Das ist zwar ein bisschen das Klischee, aber ok.” Nordrhein-Westfalen kennt Andy Peñalver auch gut, er hat einmal sechs Monate in Dortmund gelebt. Leipzig und Dresden möchte er noch erkunden.

Seitdem Andy Peñalver ein Kind ist, mag er alles, was mit Flugzeugen zu tun hat. Hinzu kommt, dass seine Mutter in einem Reisebüro arbeitet und sein Cousin Pilot ist. Wenn Peñalver eine Woche freihat, fliegt er immer irgendwo hin. Auch mal für drei Tage nach Südkorea.

Zurück zu den Biertrinkenden Gruppen an deutschen Flughäfen im Sommer. Andy Peñalver denkt sich immer noch: „Oh Gott”. Er kann die Leute aber verstehen, da es bestimmt einen Uniabschluss oder Junggesellenabschied zu feiern gebe. Im Flugzeug dann verstumme die Musik und der Alkohol zeige positive Wirkung – zumindest aus Sicht von Peñalver. „Die meisten Feiernden schlafen nach Abflug schnell ein.”