Der Hamburger bei Dreharbeiten während der Regatta „Puig Vela Clàssica Barcelona”. Sein Motiv ist die klassische Segelyacht „Moonbeam IV” mit Heimathafen Palma de Mallorca. | Victor Herranz

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Die Szene zeigt ein auf einer Holzbank sitzendes junges Paar in österreichischer Tracht. Im Hintergrund ist eine Bergkulisse zu erkennen. Neben dem hölzernen Sitzmöbel steht eine kleine Holzhütte. Der Mann in Lederhose überreicht seiner Angebeteten einen Käselaib. Dabei bricht die Bank zusammen und beide kippen hinten über. Das Käserad rollt gegen die vermeintliche Holzhütte und auch diese fällt in sich zusammen. Auf den nächsten Bildern wird klar, hier handelt es sich um ein Filmset.

Ein sehr wütender asiatischer Regisseur schreit seine Assistentin an, er könne so nicht arbeiten und würde erst weiter machen, wenn man das falsche Haus gegen eine echte Holzhütte ausgetauscht habe. Die Assistentin bestellt selbige noch im gleichen Augenblick online und die humorvolle Geschichte nimmt ihren Lauf.

Diesen fünfminütigen „Corporate Film”, wie dieses Genre heißt, hat Gerrit Haaland für ein renommiertes Logistik-Unternehmen realisiert. Es ist nur eines von vielen weltweit agierenden Unternehmen, die der gebürtige Hamburger in seiner Karriere bereits betreut hat. „Meine Kernkompetenz liegt im Erzählen von Geschichten. Das war schon immer so.”

Der junge Gerrit Haaland sei in den 1990er-Jahren vor allem angetreten, um die deutsche Filmszene aufzumischen, erklärt der heute 57-Jährige mit einem Augenzwinkern. „Ich musste jedoch schnell feststellen, dass meine Ideen von guten Filmen nicht in die jeweiligen Schubladen der damaligen Filmförderer passten.”

Aufgrund seines Magisters in Amerikanistik war Haaland bereits damals sehr an der amerikanischen Art und Weise, Filme zu machen, interessiert. „In Deutschland gibt es nur zwei Sparten. Entweder du machst einen Kunstfilm, den dann wahrscheinlich kaum jemand sehen wird, oder du machst leider zu oft stumpfe Unterhaltung. Ich wollte immer beides miteinander verbinden.”

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Im Jahr 2003 erhielt die Dokumentation „Das Leben geht weiter”, bei der Haaland nicht nur erster Regie-Assistent, sondern auch noch der Casting-Direktor war, in der Kategorie „Beste Doku”, zusammen mit dem restlichen Team, die amerikanische Emmy-Award-Auszeichnung. Dieser ist der bedeutendste Preis der amerikanischen Fernsehbranche. Nach ein paar weiteren Filmpreisen und der Mitarbeit an bekannten deutschen Filmprojekten blieb der große Regie-Durchbruch jedoch aus, und so entschied sich Haaland mehr und mehr, als Freelancer Projekte für Kunden anzunehmen.

„Ich bin quasi auf dem Segelboot groß geworden und so lag es für mich nahe, diesen Sport für meine Arbeit in den Fokus zu nehmen.” Als Skipper auf einem Segeltörn im Mittelmeer lernt er Mallorca kennen und beschließt, die Insel 2012 zu seiner neuen Wirkungsstätte zu machen. „Mallorca ist ein Zentrum für den Wassersport im Allgemeinen und den Segelsport im Speziellen. Ich hatte auch über die USA und die Côte d’Azur nachgedacht, aber am Ende ist es dann Mallorca geworden.”

In den Folgejahren realisiert Haaland mit seiner Firma „Yacht Film” unzählige Projekte im Segelsport und auch in der Sparte der Super-Yachten. „Es ist erstaunlich, wie viel Geld Menschen für eine Yacht ausgeben und wie knauserig sie dann bei den Produktionskosten für einen hochwertigen Film über diese Yacht sein können.” Als Vollprofi in der Filmindustrie habe er überhaupt kein Problem mit Low- oder sogar No-Budget-Produktionen, wenn im Gegenzug dafür das Projekt eine handwerkliche Herausforderung darstelle. Für eine normale Produktion müsse jedoch das Budget wenigstens so hoch sein, um professionell arbeiten zu können. Jeder könne heute eine Kamera halten oder eine Drohne fliegen. „Das kostet nicht viel. Ich spreche allerdings von richtigen Dreharbeiten. Davon, einen Art Director zu haben, jemanden, der Kostüme bereitstellt. Ich spreche von Musik, die nicht aus der Konserve kommt, sondern eigens für das Projekt komponiert wird und so weiter.”

Wie für viele andere Branchen waren auch für Haaland die vergangenen beiden Jahre eine echte Herausforderung. „Ich habe die Zeit genutzt, um mich neu aufzustellen. Ich bleibe dem Wasser und den Booten treu, nur auf eine neue Art und Weise.” Mit einem Re-branding seiner Firma unter dem neuen Namen Nautic. Film werde er sich künftig mehr auf die industrielle Schifffahrt konzentrieren. „Dieser Industriezweig ist absolut zukunftsträchtig, und während Umweltfreundlichkeit im Super-Yacht-Bereich oft nur Augenwischerei ist, bin ich mir sicher, dass es in der industriellen Schifffahrt in den kommenden Jahren einige tolle Innovationen geben wird.” Dann werde der gelernte Flugzeugmechaniker zur Stelle sein, um der Branche dabei zu helfen, diesen Wandel filmisch darzustellen.

Auch wenn sich sein Arbeitsmittelpunkt künftig wieder nach Deutschland verlagern wird, hat er nicht vor, die Insel zu verlassen. „So lange die Flugzeuge fliegen, bleibe ich hier wohnen.” Für Mallorca und seine filmschaffenden Kollegen wünsche er sich zum einen weniger Preisdumping und zum anderen eine bessere Vernetzung untereinander. „Es wäre toll, wenn es meinetwegen einmal im Monat einen Treffpunkt für die Szene gebe, an dem wir uns gegenseitig unterstützen und in einen Austausch gehen könnten.”