Wer in der eher rustikalen Bar Ca’n Salat eine halbe Stunde ein Bierchen trinkt, merkt schnell, wie hier in Palmas Altstadtviertel Calatrava zwei Welten aufeinandertreffen. Auf der einen Seite sind da Alteingesessene wie Josep, der beim MM-Besuch an der Bar herumhängt. „Ich ruhe hier manchmal nach der Schicht aus”, sagt der Bauarbeiter von der Insel. Dass am Eingang auf Englisch ein Schild Touristen ausdrücklich willkommen heißt, findet er gut. „Wir brauchen hier doch Gäste.”

In der Bar Ca’n Salat treffen immer öfter einheimische auf ausländische Nachbarn.
In der Bar Ca’n Salat treffen immer öfter einheimische auf ausländische Nachbarn.

Schräg gegenüber der Bar Ca’n Salat hängt unter einer riesigen, Jahrzehnte alten verwaschenen Pepsicola-Werbung auf einer Terrasse provozierend eine katalanische Unabhängigkeitsflagge. Dass man dort über die vielen Luxussanierungen nicht erbaut ist, ist zu vermuten. Einige von denjenigen, die hier in schönen teuren Wohnungen leben, sind von der Bar aus einfach zu erkennen, wenn sie etwa im neuesten Range Rover bei den Müllcontainern vorfahren und säuberlich getrennte Rückstände deponieren. Oder wenn sich – wie bei der MM-Ortsbegehung – zwei bayerische Damen beim Spazieren durch die Gassen in ihrer Landessprache unterhalten. „Do geht’s lang, dooo geht’s laaang.”

In der Calatrava, diesem verwinkelt-urigen Viertel im Südosten des Stadtkerns, ist halt viel im Umbruch. Hier, von wo man aus in einer mittelalterlich anmutenden Umgebung das Meer betrachten kann, wird alles zunehmend schicker und auch sauberer: Im Schatten der Fünfsterne-Boutiquehotels Es Princep, Calatrava und El Llorenç wurde und wird weiter eifrig restauriert, und dies nicht nur an privaten Altbauten, sondern auch im öffentlichen Raum am Rest der Stadtmauer Baluard del Princep, am unterhalb befindlichen Parc de la Mar und an der quadratischen Plaça Porta des Camp. Hinzu kommt die ehemalige Templerfestung mit ihren beeindruckenden Zinnen und bald auch drei Straßen in der Nähe, die fußgängerfreundlicher gestaltet werden sollen.

Doch der Reihe nach: Wo früher das putzige Café Santa Fe war, wird ein Eckbau schon seit Monaten von Skandinaviern luxussaniert. Wenige Schritte entfernt funktionieren Schweizer Investoren ein altes Gebäude zu einem 800 Quadratmeter großen Luxuskomplex mit vier Suiten, Außenküche und Hallenbad um.

Der große Wurf jedoch ist die Freilegung einer uralten Brücke über den ehemaligen Festungsgraben. Dies wurde bereits bewerkstelligt, doch das gesamte Areal soll unter der Ägide des Architekten Elias Torres mit Bänken, Pflanzen und einem Touristenbüro veredelt werden, eine Treppe führt zur Plaça Porta des Camp hoch. Die ist momentan noch eingezäunt, das Gras rund um ein typisches steinernes Wegkreuz ist an einigen Stellen kniehoch. Zum Einsatz kommen bei der Umgestaltung vorwiegend Marès-Steine aus Santanyí, Porreres und anderen Regionen Mallorcas. Wie anders es doch früher hier aussah! Bis zum Jahr 2000 standen hier wenig schicke Wohnblocks für Militärs, die aber abgerissen wurden.

Was die Straßen Llull, Planas i Franch und Temple vor dem Bau des mythenumwobenen, an der Eroberung von Mallorca beteiligten Ordens angeht, so stehen dafür über 340.000 Euro an öffentlichen Gelder zur Verfügung. Dort befindet sich auch die Bar Ca’n Salat. Josep ist nach dem MM-Rundgang dort nicht mehr anzutreffen.