6. Mai - Es war ein hässliches Bild, was den Menschen auf Mallorca vor einigen Wochen zugemutet wurde: Ein zu Kultstatus gelangter Swimming-Pool direkt am Strand von Can Picafort wurde einfach zugeschüttet. Dies geschah, weil das die spanische Küstenbehörde so wollte.

Es handelt sich um genau jenes Amt, das Gemeinden grünes Licht geben muss, damit diese Firmen beauftragen können, Miet-Liegen und -Schirme aufzustellen. Vorgänge, die im Grunde in ein paar Stunden erledigt werden können. Es ist jenes Amt, in welchem Arbeitsprozesse nicht glatt genug laufen, wie es aussieht. Weil dem offenbar so ist, werden bürokratische Vorgänge unnötig in die Länge gezogen, so dass Urlauber an einigen Orten damit rechnen müssen, nicht den geringsten Komfort an den Stränden zur Verfügung zu haben.

Dass staatliche Institutionen eher träge agieren, ist auch jenseits von Spanien – etwa in Deutschland – wohlbekannt. Dies kann das Wirtschaftsgeschehen negativ beeinträchtigen. Auf Mallorca heruntergebrochen bedeutet das folgendes: Der wichtigsten Branche, dem Tourismus, werden – womöglich sogar ungewollt – Knüppel zwischen die Beine geworfen, und das auch noch nach zwei höllisch mageren Pandemiejahren. Wobei dabei auch andere staatliche Strukturen mitspielen: regionale Ministerien etwa oder Lokalpolitiker, die schlicht und einfach überfordert sind.

Es gibt aber auch andere Beispiele: In Capdepera oder Alcúdia geht man die Dinge schnell an. Den Massen von Touristen, die erstmals nach der akuten Phase von Corona auf Mallorca erwartet werden, wird der rote Teppich ausgelegt.

Die Vorbereitungen auf die Hochsaison müssten auf Mallorca einheitlich und konsequent über die Bühne gebracht werden. Stattdessen ist eine Verschiebung der Prioritäten hin zum Umweltschutz zu beobachten, was die Strände angeht: Buden müssen zumachen oder abgerissen werden, vielerorts wird das stinkende Seegras nicht weggeräumt. Ein bisschen mehr Entgegenkommen stünde der Insel gut an, erst recht angesichts der harten Konkurrenz im Mittelmeerraum. mehr...

21. April - Dass das Rauchen gesundheitsschädlich ist, ist selbst schlecht informierten Zeitgenossen inzwischen bekannt. Dass sich in Spanien in einigen Regionen wie Madrid, Navarra oder dem Baskenland Besucher weiterhin auf Terrassen dem Nikotingenuss hingeben dürfen, ist vor diesem Hintergrund kaum nachvollziehbar. Dies vor allem, da die Raucher mit 22 Prozent in Spanien eine klare Minderheit darstellen, sich aber ungeniert erlauben, die Mehrheit dem Risiko, an Krebs zu erkranken, auszusetzen.

Umso erfrischender klingt die jüngst verbreitete frohe Kunde, dass die Balearen-Regierung das pandemiebedingt erlassene Verbot, auf Bar- und Restaurantterrassen zu rauchen, verlängert hat. Es soll nun bis zu dem Zeitpunkt fortbestehen, da für ganz Spanien das lange angekündigte überarbeitete Antirauchergesetz in Kraft treten soll, also im kommenden Jahr. Fest damit gerechnet wird, dass das Rauchverbot auf den Barterrassen dann fürs gesamte Land in Stein gemeißelt wird.

Manch einer, der nicht raucht, dürfte sich fragen, ob man hierzulande nicht zu hart mit den Glimmstängelfreunden umgeht. Ob man sie nicht nachgerade unterdrückt und ihnen lieber ein paar Freiheiten lassen sollte. Das Problem hierbei ist aber, dass die Raucher die Nichtraucher akut gefährden. Wer einen Orangensaft auf einer Terrasse zu sich nimmt, will nicht durch übelriechende Schwaden vom Nebentisch genervt oder gar gesundheitlich ernsthaft beeinträchtigt werden. Das Ziel der gegen Raucher gerichteten Verbote ist auch, diese von ihrer Sucht abzubringen. Es ist nun einmal seit mehr als einem Jahrzehnt schon bekannt, dass die Zeiten, als vor allem in amerikanischen Filmen das Rauchen und auch der Genuss von Alkohol als schick angepriesen wurden, vorbei sind.

Es passt nicht ins Bild des zunehmend propagierten ernährungsbewussten und gesundheitsorientierten Lebensstils, zu tolerieren, dass man sich und andere öffentlich vergiftet. In diesem Sinne ist der Konsequenz der Balearen-Regierung in dieser Angelegenheit zu applaudieren. Wer rauchen will, kann dies ja privat weiterhin tun, niemand wird ihn daran hindern. mehr...

24. März - Der weiter mit brutaler Aggressivität geführte Krieg des russischen Regimes von Präsident Wladimir Putin gegen die benachbarte Ukraine hat zur Folge, dass man sich auch auf Mallorca immer mehr Sorgen machen muss. Denn der Waffengang hat bewirkt, dass die Treibstoffpreise auf breiter Front und schnell und deutlich wie selten nach oben schossen. Die Folge ist, dass beispielsweise die Fluggesellschaften ihre Preise spürbar erhöhen müssen, wie eine MM-Umfrage ergab (siehe Seite 6) . Und weil halt so vieles auf Kerosin, Benzin und Diesel basiert, geht eine zunehmend beunruhigende Lebensmittelknappheit ebenfalls auf den Krieg zurück. Denn die streikenden Brummifahrer, die die Güter in die Supermärkte fahren, tanken halt den so drastisch verteuerten Sprit und kommen deswegen in die Bredouille. Trotz von Madrid angekündigter Millionenhilfen bleiben sie unzufrieden.

Alles hängt auf der Welt halt irgendwie mit allem zusammen, und wenn man annimmt, dass der Krieg im Osten Europas ein örtlich abgegrenztes Phänomen ist, das einen nicht unbedingt betrifft, irrt man sich.

Es ist also nötig, gegenzusteuern. Das haben die Staaten in der Hand, die etwa durch die Freigabe von Ölreserven den Markt zeitweise beruhigen können. Aber auch jeder einzelne kann etwas tun: Statt zu oft das Auto zu benutzen, empfiehlt es sich, zunehmend auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Und im Supermarkt wird es unabdingbar sein, zu teure Produkte liegen zu lassen. Und wenn einem im Restaurant eine viel höhere Rechnung als üblicherweise präsentiert wird, geht man dort eben deutlich seltener hin.

Der Krieg bringt nun einmal auch in friedlichen Gebieten viel durcheinander, dürfte also auch die anstehende Saison beeinträchtigen. Da ob der kriminellen Energie, die von Russland ausgeht, nicht zu erwarten ist, dass das Blutvergießen bald ein Ende hat, bleibt einem nichts anderes übrig, als dennoch zu hoffen, dass bald alles wieder besser wird. mehr...

17. März - Es hatte eines kapitalen Schlags bedurft, um das völlig aus den Fugen geratene sommerliche Urlauberleben an der Playa de Palma zu beenden: Die Corona-Pandemie ließ für zwei Jahre Ruhe in der trubeligen Gegend einkehren, weil gewisse Örtlichkeiten, die Exzesstouristen wie das Licht die Motten angezogen hatten, nicht öffnen durften. Kaum Betrunkene waren denn auch zu sehen, kaum deutschsprachige Urlauber, die sich unangemessen anzogen oder daneben benahmen.

Vorbei! Dass es dieses Jahr wieder so ungezügelt wie vor Corona zugehen könnte, ist nicht unwahrscheinlich. Oder kommt es doch anders? Partytempel wie Megapark und Bierkönig haben sich immerhin verpflichtet, allzu abgefahrene Exzesse nicht mehr zu tolerieren. Ob Penis- oder Borat-Kostüme oder nackte Oberkörper – das soll dort nicht mehr möglich sein. Man handele im Sinne der Unternehmervereinigung Palma Beach, so Megapark-Manager Carlos Lucio. Die hatte sich schon vor Corona die Zivilisierung der Urlauberzone zwischen Can Pastilla und Arenal auf die Fahnen geschrieben. Doch der Wunsch ist eine Sache und die Realität könnte eine andere sein. Dass viele, die sich früher im öffentlichen Raum so ziemlich alles erlaubten, jetzt schon ungeduldig mit den Füßen scharren, um nach Mallorca zu kommen, darf vermutet werden. Zu lang waren diese Leute halt coronabedingt auf Entzug. Und so ist es fraglich, ob es am Ballermann in diesem Sommer deutlich zivilisierter zugeht, zumal man, frei nach Carlos Lucio, nicht von den Gästen erwartet, im Anzug aufzutauchen.

Dennoch: Die Initiative des Nachtlokalverbands Abone (S. 10) ist löblich. Auch hier merkt man langsam, dass die Zeit völlig entfesselter Exzesse wohl vorbeigeht. Man setzt auf Party ohne vulgäre Einlagen. Und so ist es möglich, dass man an der Playa de Palma dieses Jahr zumindest nuancenhaft eine Zivilisierung registrieren kann. Denn war es nicht so, dass schon vor Corona Porno-Discos oder ähnliches verschwanden, um einem ansatzweise solideren Party-Geist Platz zu machen? mehr...

3. März - Zu glauben, dass Mallorca dem Kriegsgeschehen in der Ukraine völlig entgehen kann, ist eine naive Illusion. Reiche Russen, die auf der Insel Luxus-Yachten oder ebenso wuchtige Anwesen ihr Eigen nennen, merken zurzeit, was es heißt, Bürger eines kriegstreiberischen Landes, eines Paria-Staates mit einem gebrandmarkten Präsidenten zu sein: Im Rahmen der EU-Sanktionen gegen das von Wladimir Putin regierte Land wurden sämtliche Sporthäfen auf den Balearen bereits angewiesen, mehr als 24 Meter lange russische Yachten den spanischen Behörden zu melden. Dann wird es einfacher, sie an die Kette zu legen oder gar zu beschlagnahmen.

Es ist halt Krieg, und Mallorca ist in diesem Zusammenhang keine Insel. Sollte sich das Kampfgeschehen in die Länge ziehen, wird das Urlaubsparadies auch anderweitig tangiert sein: Die Regionalregierung sucht bereits händeringend nach Unterkünften für mögliche Flüchtlinge aus der Ukraine. Hunderttausende fliehen gerade, zahlreiche Staaten, darunter auch Spanien, zeigen sich ausgesprochen entgegenkommend, was ihre Aufnahme angeht.

Auch der Tourismus, bekanntlich die wichtigste Branche auf den Inseln, könnte den Krieg zu spüren bekommen. In einer MM-Umfrage zeigten sich gut 37 Prozent fest davon überzeugt, dass sich die politisch schlimme Situation negativ auf den Urlaub auf Mallorca auswirken dürfte (siehe Seite 5) . Fast der gleiche Prozentsatz glaubt, dass man die Auswirkungen schwer einschätzen kann.

Dieser Krieg ist nicht mit lokalen Konflikten in strategisch abgelegeneren Winkeln der Welt vergleichbar. Hier wurde die Friedensarchitektur Europas zerstört. Außen vor ist man da auch auf Mallorca in unabsehbarer Zeit keineswegs. Leider. Dennoch: Auch in ernsten Zeiten wie diesen wollen die Menschen Urlaub machen. Und ist es nicht nachvollziehbar, den Wunsch nach ein paar Tagen Entspannung zu verspüren? So könnte, sollte das Virus es erlauben, die nächste Saison durchaus zur vollen Zufriedenheit der Branche verlaufen. mehr...

24. Februar - Es war so ein schönes Gefühl: Als die Omikron-Welle schneller als erwartet abebbte, feierten Urlaubs-Blütenträume auf Mallorca fröhliche Urständ, und das mit Recht! Die Buchungszahlen schossen nach oben, Fluggesellschaften erhöhten die Zahl ihrer Verbindungen, schon jetzt sieht man viele Touristen in Palma. Reiseexperten warnten schon, Flüge bloß nicht zu spät zu reservieren, um nicht zu viel bezahlen zu müssen.

Doch dann eskalierte die Krise zwischen Russland und den westlichen Staaten um die Ukraine. Präsident Wladimir Putin ließ Panzer in zwei Regionen des Nachbarlandes einrollen, es hagelte Sanktionen von Seiten der EU und den USA. Überall machte sich eine bleierne Angststimmung breit. Wird es wieder einen Krieg in Europa geben, der sich auch noch ausweiten könnte?

Zu der sich ausbreitenden Angst gehen die Reiseveranstalter im Augenblick indes bewusst auf Abstand. Die Ukraine-Krise sei kein Thema, so eine Sprecherin von Alltours gegenüber MM (siehe Seite 8) . Mit dieser Ansicht könnte sie durchaus Recht haben, denn die Erfahrung zeigt, dass lokal begrenzte politische Konflikte Urlauber in den vergangenen Jahrzehnten nicht unbedingt davon abhielten, in südliche Gefilde zu reisen. Das war weder während des Irakkriegs im Jahr 2003 noch während der Balkankriege in den 90ern noch bei der Intervention der USA und anderer westlicher Staaten im von Mallorca nicht allzu weit entfernt liegenden Libyen 2011 der Fall.

Die Corona-Ansteckungen gehen zurück, und die Menschen wollen einfach nur reisen. Das ist das, was zählt. Es geht darum, bloß raus aus dem kalt-grauen Mitteleuropa zu kommen und die Pandemie-Zeit hinter sich zu lassen. Wenn dann irgendwo in einem geographisch entlegenen Gebiet wie der Ukraine geschossen wird, wird das halt verdrängt und das Schöne, Warme und Türkisblaue in Bewusstsein gerückt. Sollte der Konflikt nicht auf weitere Teile der Welt übergreifen, kann sich Mallorca also auf abertausende sonnenhungrige Urlauber und eine aus wirtschaftlicher Sicht schöne Sommersaison freuen. mehr...