Zum Weltfrauentag hat MM internationale Frauen befragt, was sich für sie ändern muss. Eine von ihnen ist die Deutsche Sandra Puhl, Hebamme aus Llucmajor. | privat

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Es ist 2024: Doch noch immer verdienen Frauen weniger Geld als Männer und leiden mehr unter häuslicher Gewalt. Noch immer leisten Frauen mehr unbezahlte und ungesehene Arbeit im Haushalt und bei der Pflege von Kindern und Alten. Zeit, dass sich etwas ändert. Doch was muss sich in Politik und Gesellschaft tun, damit Frauen unter besseren Bedingungen leben können? Anlässlich des Weltfrauentag am 8. März lässt MM sie selbst zu Wort kommen. Mit dabei sind eine Deutsche, eine Mallorquinerin und eine Frau aus der Ukraine.

Sandra Puhl, 53, deutsche Hebamme aus Llucmajor

Zum Weltfrauentag hat MM internationale Frauen befragt, was sich für sie ändern muss. Eine von ihnen ist die Deutsche Sandra Puhl, Hebamme aus Llucmajor.
Sandra Puhl lebt seit 20 Jahren auf Mallorca, lebt in Llucmajor und ist freiberufliche Hebamme. Fotos: privat

"In unserer Gesellschaft ist immer noch das alte Denken vorhanden. Frauen kümmern sich um die Kinder, den Haushalt und die Küche. Früher hatte die Frau ja auch Zeit dazu. Heutzutage gehen viele Frauen Vollzeit arbeiten und managen nebenher noch die Familie. Das Muttersein ist der aufwändigste Job, den es gibt. Das wird meiner Meinung nach nicht wertgeschätzt. Zusätzlich noch einer Arbeit nachzugehen, die unterbezahlt ist. Ich kenne viele Frauen, die abends noch einen Zweitjob haben, damit die Familie finanziell über die Runde kommt. Ich wünsche mir, dass die Frauen mehr Zeit für die Familie und den Haushalt haben. Das auch die Gehälter angehoben werden und eine Gleichberechtigung von Mann und Frau am Arbeitsplatz erfolgt.

Als Hebamme wünsche ich mir eine längere bezahlte Mutterschutzzeit in Spanien. Hier ist es leichter, Kinder großzuziehen, da Kinder sozialisiert sind und einfach dazugehören. Es gibt überall schöne Spielplätze. Das Klima ist vorteilhaft, die Kinder sind viel mehr draußen am Meer oder in der Natur. Ein Nachteil gegenüber Deutschland ist, dass es kaum staatliche, finanzielle Unterstützung gibt. Auch, dass die Großeltern z. B. weit weg sind und die Eltern alles alleine leisten. Ich wohne seit 20 Jahren auf Mallorca und ich fühle mich wohl auf der Insel. Rückblickend sind die Lebensumstände etwas fordernder geworden. Dies ist der enormen Preiserhöhung geschuldet.

Abschließend wünsche ich allen Frauen mehr Zeit und Ruhe für sich und dass die Männer das Muttersein würdigen und dankend anerkennen, was Frauen alles tun."

Maya Pulss, Deutsch-Mallorquinerin, 38

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Die 38-jährige maya Pulss ist Deutsch-Mallorquinerin und arbeitet als Stadtführerin in Palma. Sie erwartet aktuell ihr zweites Kind.

"Ich habe Glück und fühle mich in keinem Bereich der Gesellschaft als Frau minderwertig. Dennoch habe ich in der Vergangenheit negative Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel hat ein Unternehmen in einer bestimmten Abteilung keine Frauen eingestellt, weil sie Mütter werden könnten und deshalb ausfallen würden.

Beim Vorstellungsgespräch wurde ich direkt gefragt: „Haben Sie vor, in den nächsten Jahren Mutter zu werden?” Ich sagte nein – und sie gaben mir die Stelle. Wäre es andersherum gewesen, hätte ich den Job sicher nicht bekommen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass es zur Normalität wird, dass Mütter und Väter bei der Kindererziehung und der Hausarbeit gleichberechtigt sind. Und dass es in dieser Hinsicht keine Stereotypen gibt. Wir müssen als Frauen stark sein und dürfen uns nicht von den frauenfeindlichen und sexistischen Vorstellungen der Gesellschaft mitreißen lassen. Als Frau fühle ich mich auf Mallorca sehr sicher. Das Selbstwertgefühl und die -wahrnehmung werden in der Kindheit geformt, je nachdem, wie man von den Eltern behandelt wird. Ich bin so erzogen worden, dass ich mich als Frau wohl in meiner Haut fühle.

Abschließend möchte ich sagen: Männer, lasst euch von Frauen inspirieren! Das gilt natürlich auch andersherum!"

Karina Nicolás Pol, 30, Mallorquinerin aus Palma

Sie ist gebürtige Mallorquinerin, hat aber brasilianische Wurzel. Karina Nicolás Pol ist 30 und Erzieherin.

"Es hat immer wieder Situationen gegeben, in denen ich mich als Frau weniger wertgeschätzt gefühlt habe – vor allem bei der Arbeit. Als ich auf Mallorca in der Hotelbranche gearbeitet habe, die ich als sehr sexistisch und männerdominiert empfinde, habe ich unschöne Erfahrungen gemacht. Beispielsweise wurde ich in „passendere” Funktionen eingeordnet, weil Männer meinten, das sei besser so. Oder Gäste, von denen ich mich abgewertet gefühlt habe, wenn sie glaubten, dass die Frau hinter der Theke ein Objekt ist. Sie behandelten mich und meine Kolleginnen ohne ein Minimum an Respekt oder Empathie. Auch jetzt arbeite ich neben meinem Job als Erzieherin noch in einer Bar und erlebe immer wieder Diskriminierung. Es kommt immer wieder zu kulturellen Konflikten und es gibt Männer, die sich von einer Frau nichts sagen lassen wollen. 
Leider fühle ich mich als Frau auf Mallorca oft nicht sicher und ich denke, dass sich viele Frauen auf der Welt so fühlen. Als Frau muss ich immer auf der Hut sein, wenn man zum Beispiel nachts alleine unterwegs ist.

Ich würde mir für die Zukunft wünschen, dass Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen normalisiert wird, vor allem im Privaten. Dass die Sorgearbeit des Zuhauses, der Mental Load und die Verantwortung gleichmäßig auf alle Partner verteilt werden – unabhängig vom Geschlecht.

Männern würde ich am liebsten sagen, dass wir veraltete Strukturen hinter uns lassen und uns auf die Zukunft konzentrieren sollten. Dabei wünsche ich mir nicht nur Gleichberechtigung, sondern auch mehr Einfühlungsvermögen in unserer Gesellschaft."

Antonia Savchenko, 33, alleinerziehende Mutter aus der Ukraine

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Antonia Savchenko ist alleinerziehende Mutter aus der Ukraine und betreibt ein Café in Palma.
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"Tatsächlich fühle ich mich als Frau absolut nicht diskriminiert. Auch in der Vergangenheit habe ich solche Fälle nicht erlebt, die mir in Erinnerung geblieben sind – weder im Alltag, noch bei der Arbeit und auch nicht in Beziehungen.

Ich lebe alleine mit meinem zweijährigen Sohn und gewöhne ihn schon jetzt an jegliche Hausarbeit. Bisher macht er sie mit Freude. Es ist mir wirklich sehr wichtig, dass er nicht diese veralteten Stereotypen bezüglich der Verteilung der Hausarbeiten annimmt.

Für meine persönliche Zukunft weiß ich, dass ich nur mit einem Mann zusammen sein kann, der in allen Bereichen mein Partner sein wird! Gleichzeitig geht es darum, den Beitrag eines jeden zu sehen, zu schätzen und zu respektieren! Das gilt für alle Geschlechter.

Auf Mallorca fühle ich mich sicherer als in der Ukraine, meinem Heimatland. Wo kein Krieg ist, ist es sicherer für alle. Aber auf jeden Fall kann ich getrost sagen, dass ich mich hier sicher fühle!

Als Frau fühle ich mich wirklich sehr wohl und freue mich trotzdem über den globalen Trend zur Gleichstellung von Männern und Frauen.

Den Männern (und Frauen) dieser Welt möchte ich sagen: Lasst uns einander respektieren!"

Lourdes O., 38, Insel-Residentin aus Valencia

Die Spanierin stammt vom Festland und lebt seit vier Jahren in Palma de Mallorca. Sie ist Hebamme in Elternzeit und hat zwei Kinder.

"Es kommt immer wieder vor, dass ich mich als Frau in der Gesellschaft nicht gesehen und wahrgenommen fühle. Denn die Gesellschaft ist meiner Meinung nach auf Aktion, Stärke und Entschlossenheit ausgerichtet und das sind Attribute der männlichen Energie. Wir alle tragen in uns sowohl weibliche als auch männliche Energie, aber im Allgemeinen tragen Frauen eben mehr weibliche Eigenschaften in sich. Das sind zum Beispiel Kreativität, Intuition, Verbindung, Emotion und Fürsorge. Und genau das ist der Punkt, an dem wir Frauen nicht wertgeschätzt werden. Dabei wird unsere Rolle als selbstverständlich angesehen. Oft verbringen wir einen großen Teil unseres Lebens damit, andere zu pflegen und zu umsorgen. Die Gesellschaft sollte der Pflege und Betreuung von Familienmitgliedern mehr Wert und Bedeutung beimessen.

Als Frau habe ich mich schon diskriminiert gefühlt, und zwar von meinem Partner. Wir haben vereinbart, dass ich wegen der Kinder Zuhause bleibe. Doch mein Mann sieht es als selbstverständlich an, dass ich mich auch um die Kinder kümmere, wenn er nicht arbeitet und Zeit mit uns verbringt, wie etwa am Wochenende.

Für unsere Zukunft lege ich jetzt schon den Grundstein. Ich erziehe meinen Sohn und meine Tochter so, dass sie traditionelle Muster durchbrechen können. Und natürlich basiert Erziehung auf den richtigen Vorbildern, die ich meinen Kindern geben will.

Für den Weltfrauentag ist meine Botschaft: Informiert euch über andere Realitäten in der Welt und reist, um mehr Perspektiven zu bekommen, lest, um euch zu bilden. Findet in euch selbst die Absicht, den Willen und die Stärke, etwas zu verändern. Und das gilt für alle!"