War Kolumbus Mallorquiner?

Museum bei Felanitx beschäftigt sich mit der immer wieder kolportierten Legende

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Gabriel Verd Martorell hat keinerlei Zweifel an der „Mallorquinität” des großen Entdeckungsreisenden.

Gabriel Verd Martorell hat keinerlei Zweifel an der „Mallorquinität” des großen Entdeckungsreisenden.

Foto: Foto: Patricia Lozano
Gabriel Verd Martorell hat keinerlei Zweifel an der „Mallorquinität” des großen Entdeckungsreisenden.Kolumbus-Exponate in der Schau in Felanitx.

"Christoph Kolumbus und Mallorca" ist der Titel einer Dauerausstellung im Restaurante Son Colóm bei Felanitx. "Diese Ausstellung ist nur der erste Schritt zu einem geplanten Kolumbusmuseum hier in Felanitx. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber fest auf unserer Agenda", sagt Gabriel Verd Martorell, Präsident der „Asociación Cultural Cristóbal Colón“.

Dieser Verband mit Sitz in Palma wurde 1963 in Madrid von Don Cristóbal Colón de Carvajal, Herzog von Veragua und direkter Nachfahre des Entdeckers, gegründet. Auch sein Sohn, Nachkomme in 20. Generation und damit auch Erbe des Adelstitels, das dem Enkel von Kolumbus verliehen wurde, setzt sich ebenfalls mit der Geschichte des Seefahrers auseinander.

Seit vierzig Jahren forscht Gabriel zum Thema Kolumbus, seitdem versucht er zu beweisen, dass der Entdecker der Neuen Welt keine Genuese ist, wie es nach wie vor die offizielle Lesart vorschreibt, sondern Mallorquiner, geboren im Jahr 1460 in Felanitx. Als leiblicher Sohn von Don Carlos, Prinz von Viana, dem Bruder von König Ferdinand dem Katholischen und der Mallorquinerin Margalida Colóm.

Zu seiner unermüdlichen Arbeit als Heimatforscher hat ihn in jungen Jahren eine Reise nach Barcelona bewogen. „Als ich dort mit achtzehn Jahren im Marinemuseum eine nautische Karte des katalanischen, aber auf Mallorca tätigen Kartographen Gabriel de Valseca aus dem Jahr 1439 sah, hat mich das zu meiner Arbeit animiert. Diese Karte wurde später von Amerigo Vespucci, dem italienischen Seefahrer und Namenspaten Amerikas, bei seinen Reisen nach Südamerika benutzt.“

Mallorca und Genua sind nicht die einzigen Regionen, die sich darum streiten, der Geburtsort von Tofol Colóm – so der mallorquinische Name des Entdeckers – zu sein. Es sind insgesamt vierzehn Orte. Und es gibt zwei Stellen, an denen er beerdigt sein soll. Sevilla und möglicherweise die karibische Insel Santo Domingo.

Im Jahr 2003 wurde der Sarkophag von Kolumbus in der Kathedrale von Sevilla geöffnet, für eine DNA-Analyse. Die bestätigte im Jahr 2006, das die geringen gefundenen Knochenreste dort eindeutig Christoph Kolumbus zuzuschreiben sind. Die Sargöffnung und die DNA-Analyse kamen auch aufgrund der umtriebigen Forschungen von Gabriel Verd zustande. Eine Analyse der Gebeine in Santo Domingo erfolgte bislang noch nicht.

Doch für Verd gibt es überhaupt keinen Zweifel an der „Mallorquinität“ von Kolumbus.

Er verweist auf zahlreiche Beweise: „Da ist zunächst einmal der Name. Da Colóm – so die mallorquinische Version – unehelich war, trug er selbstverständlich den Namen der Mutter. Aber auch die Namen, die er seinen Entdeckungen gab, sprechen dafür. Die heute Isla Margarita genannte Antilleninsel, die zu Venezuela gehört, hieß ursprünglich Isla Margalida, nach Kolumbus’ Mutter. Die erste Insel, die er überhaupt entdeckte, nannte er nach dem Klosterberg bei Felanitx San Salvador. So heißt übrigens auch ein Fluss auf Kuba.“

Gabriel Verd führt an, dass Kolumbus von den Katholischen Königen Ferdinand und Isabella die Titel Großadmiral, Vizekönig der Neuen Welt und Generalgouverneur verliehen wurden. „Das konnte nur aufgrund seiner adligen Abstammung geschehen“, sagt Verd. „Man muss, um diese Titel leben zu können, Gesetze und Bräuche kennen.“

Und außerdem: „Wenn man ihm beim spanischen Hofe nicht gekannt hätte, hätte er niemals das Vertrauen der Könige für seine Reisen gewinnen können.“

Gabriel Verd führt auch an, dass Kolumbus niemals Italienisch sprach. Dafür spricht, dass die meisten seiner Briefe nicht in seiner vermeintlichen Muttersprache, sondern in Kastilisch, also Spanisch geschrieben sind.

„Für diese These gibt es Dokumente in der Ausstellung“, sagt Gabriel Verd. Gezeigt werden Bücher verschiedener Autoren, die die mallorquinische Herkunft von Tofol Colón untermauern, Manuskripte, Faksimiles von Dokumenten und Briefen, Reproduktionen von Land- und Seekarten aus der Zeit. Die Ausstellung ist zustande gekommen auch aufgrund einer engen Zusammenarbeit mit dem „Archivo General de Indias“ in Sevilla, das sich mit allem beschäftigt, was mit der Entdeckung Amerikas und ihrer Folgen zu tun hat, und mit dem Archiv von Simancas, einem kleinen Dorf bei Valladolid. Dort starb Kolumbus im Jahr 1506.

INFO

„Christoph Kolumbus und Mallorca“, Dauerausstellung,
Restaurant Son Colóm, Carretera Felanitx – Campos, km 1 (außerhalb von Felanitx)

Geöffnet dienstags bis sonntags von 8 bis 17 Uhr

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