Frischer Kunstwind im Südosten

| Santanyí, Mallorca |
Außer Kleinstadt-Idylle und Marktrummel hat Santanyí eine lebendige Kulturszene zu bieten. Die Gemeinde will das Angebot nun zus

Außer Kleinstadt-Idylle und Marktrummel hat Santanyí eine lebendige Kulturszene zu bieten. Die Gemeinde will das Angebot nun zusammenfügen und vernetzen.

Foto: Foto: Patricia Lozano
Außer Kleinstadt-Idylle und Marktrummel hat Santanyí eine lebendige Kulturszene zu bieten. Die Gemeinde will das Angebot nun zusGut vier Meter hoch ist diese Schaffner-Skulptur.Sonntags ist bei Charlotte F.-Menck Harley-Tag - mit Pudel Rocky in der Kiste als Beifahrer.Birgitta Maria Elbers bezeichnet ihre Malerei als spirituelle Räume.Kelims lagen Ingrid und Franz Sailer schon immer am Herzen.Montse Torrejón hat ihre Galerie in Santanyí erst kürzlich eröffnet.
Wellen und Fische haben Jochen Maiwald schon von klein auf fasziniert.Tiere gehören zu den bevorzugten Bildmotiven von Greta Mila.

Ricarda Vicens ist die neue Kulturdezernentin und erste stellvertretende Bürgermeisterin von Santanyí. Und hat einiges vor: "Wir wollen die Kultur stärken", sagt sie. Nicht, dass sie das Rad neu erfinden will. Doch in der Gemeinde gebe es einige, aber vereinzelte Angebote. Vicens vergleicht dies mit Puzzle-Teilen, die es zusammenzusetzen gilt, um bedeutende Events zu veranstalten. Denn davon ist sie überzeugt: "Santanyí hat die Kapazität."

Auch der Künstler Jochen Maiwald ist von Santanyí angetan. Seit 2004 lebt und arbeitet er in dem Ort. Zwar spricht er von einem Kommen und Gehen. Doch was die Besucher seines Ateliers sagen, klingt anders: "Viele Leute sagen ganz spontan, Santanyí sei ein Künstlerort geworden."

Seit dem vergangenen Jahr lebt auch die Künstlerin Greta Mila in Santanyí. Gekommen ist sie aus Berlin. "Ich bin nicht aus Deutschland geflüchtet", stellt sie klar und fügt hinzu: "Aber mit der Kunst bin ich hier schon an der richtigen Adresse." Dass dem so ist, begründet sie nicht nur mit den Inspirationen, die sie auf Mallorca erhält, sondern auch mit dem entspannteren Leben auf der Insel: "Ich hab den Eindruck, dass die Leute hier relaxter und deshalb offener für Kunst sind."

Neu ist Santanyí als Anziehungsort für Künstler nicht. Bereits 1962 ließ sich dort - mit Unterbrechungen - der Bildhauer Rolf Schaffner nieder, der dem Ort wie kein anderer den künstlerischen Stempel aufdrückte. An zahlreichen Stellen stehen seine meterhohen Skulpturen, zum Teil sogar auf einem verwilderten Gelände. Ab November bietet die Kunstexpertin Ingrid Flohr zu seinem Werk Besichtigungen an. Informationen dazu erteilt sie unter Telefon +34-690-218709.

Spezialisiert auf Gegenständliches

"Galería de arte" ist geblieben, der Name Gemma Leys ist verschwunden. Nach 15 Jahren kehrte die holländische Künstlerin in ihre Heimat zurück. Den Kunstbetrieb übernahm Charlotte F.-Menck. Seit 20 Jahren führt sie eine Galerie in Hamburg, wo den Sommer über eine Mitarbeiterin die Stellung hält. Dann herrscht in Santanyí Hochbetrieb, während es in Hamburg eher geruhsam zugeht. Von Ende November bis Anfang März schließt dagegen die Galerie auf Mallorca.

Mencks besonderes Augenmerk gilt der Bildhauerei, außerdem der figurativen Kunst. In Santanyí vertritt sie rund ein Dutzend Künstler, vor allem aus Deutschland, die alle international aufgestellt sind. Als Liebhaberin der Kalligrafie führt sie Interessenten zudem in den Gebrauch alter Schriften und Schreibgeräte ein.

MI bis FR, 10 bis 14 Uhr und 17 bis 21 Uhr, SA 10 bis 14 Uhr und wenn das Licht brennt; 971-653391; Carrer Mayoral 3; www.galerie-chaco.de


Wo auch Textilien Kunst sind

Am Montag, 26. Oktober, feiern Franz und Ingrid Sailer ein Jubiläum: Vor elf Jahren eröffneten sie in Santanyí ihre Galerie für Teppiche, Kelims und Textilien. Schon in Salzburg waren sie weltweit eine der ersten Adressen für Textilkunst, auch der Aga Khan gehörte zu ihren Kunden. Wegen des milden Klimas ließen sie sich dann auf Mallorca nieder.

"Wir haben die schönsten Kelims in ganz Europa", sagt Franz Sailer. Ob aus dem 20. oder aus dem 18. Jahrhundert, alle wirken sie sehr modern. Denn in den Textilien persischer oder anatolischer Nomaden sind viele zeitgenössische Kunsttendenzen vorweggenommen, von der Monochromie eines Mark Rothko bis zur Streifenbilder eines Jasper Johns. Und auf die Frage, ob ihre Kelims Kunst sind, haben die Sailers eine ganz einfache Antwort: "Ja."

Das derzeit spektakulärste Stück der Galerie ist der weltweit einzig bekannte doppelseitige Kelim. Die feingewobene Preziose wurde um 1900 in Persien vermutlich für die Hochzeit eines Kadscharenfürsten gefertigt.

Darüber hinaus findet man in der Galería Sailer auch Skulpturen und Bilder, etwa von William Crovello, Rudi Neuland und Jan Voss.

Galería Sailer, DI bis FR 10 bis 13 Uhr und 17 bis 20 Uhr oder nach Vereinbarung; Carrer Bisbe Verger 6, www.galeriasailer.com


Das Meer ist Jochen Maiwalds Metier

Dass sich Jochen Maiwald zum Wasser hingezogen fühlt, ist unübersehbar. Die Einheimischen in Santanyí nennen ihn auch den "Fischer": nicht nur weil Fische sein bevorzugtes Motiv sind, sondern auch, weil viele Leute seinen Ateliershop besuchen, er also ein "Menschenfischer" ist. Mit seinen Bildern will Maiwald zum Denken anregen. So bieten die Fische, die im Schwarm und gegen den Strom schwimmen, einen humorvollen, farbenfrohen Einblick in die Welt des Meeres wie auch der menschlichen Psyche. Und dies für jeden Geldbeutel, von der handgedruckten Postkarte bis zum großformatigen Gemälde.

MI und SA 10 bis 13.30 Uhr und nach Vereinbarung (609-590396); Carrer del Sol 5; www.artsinko.com


Künstlerin mit Privatgalerie

"Kunst soll dem Haus den Geist geben", sagt Birgitta Maria Elbers. In ihrer Privatgalerie stellt sie großformatige abstrakte Malerei aus, vielschichtige Meditationen in Farbe. Außerdem Zeichnungen, Fotografien und Torsos aus Draht, deren Schattenwurf zum Kunstwerk gehört. Ab November wird sie jeden zweiten Sonntag im Monat einen Kunstbrunch veranstalten.

MI und SA, 10.30 bis 14.30 Uhr, und nach Vereinbarung; Carrer Can Ferrereta 11; www.birgittamariaelbers.com


Malerin im klassischen Sinn

Wer beim Gedanken an gemalte Stiere die Augen verdreht, hat nicht die Bilder von Greta Mila gesehen. Tiere gehören zu den bevorzugtenMotiven der deutsch-ungarischen Künstlerin, die in jungen Jahren schon bei der East Side Gallery in Berlin mitgewirkt hat. Die Tiere, die sie malt, strahlen in ihren Bewegungen und ihrer Plastizität eine außergewöhnliche Energie und Naturgewalt aus. „Pequeños Milagros“ nennt sie eine limitierte Edition von viereckigen Originalen, die sich die Kunden als Serie zusammenstellen können.

MI und SA 10 bis 18 Uhr; 971-654180; Carrer de la Mar 25, www.gretamila.com

(aus MM 43/2015)








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