Die größte Mallorca-Schau ...

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In der Ausstellung ist unter anderem Bade- und Strandmode aus einem Jahrhundert zu sehen.

In der Ausstellung ist unter anderem Bade- und Strandmode aus einem Jahrhundert zu sehen.

Foto: Foto: Museum
In der Ausstellung ist unter anderem Bade- und Strandmode aus einem Jahrhundert zu sehen.Mallorca nimmt ein Drittel der Ausstellung ein.Die Ausstellungsmacher Arnulf Sieben-eicker (r.) und Mathias Wagener hielten sich mehrfach auf Mallorca zur Recherche auf.

Tagelang haben sich die Ausstellungsmacher im vergangenen Jahr in den Redaktionsräumen des Mallorca Magazins aufgehalten und in einem Winkel still die alten MM-Ausgaben seit 1971 durchgesehen. Das Ergebnis der Recherche, die auch an andere Orte und Institutionen der Insel führte, kann sich sehen lassen: Die Ausstellung "Reif für die Insel. Tourismus auf Sylt, Hiddensee und Mallorca" ist ein eindrucksvoll gelungener Rückblick auf mehr als ein Jahrhundert deutsche Tourismusgeschichte. Allein der Katalog zur Schau im Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg bei Dortmund umfasst 455 Seiten. Nie zuvor ist die Entwicklung des Reise- und Urlaubsverhaltens der Deutschen zu ihren drei "Lieblingsinseln" so intensiv unter die Lupe genommen, wissenschaftlich dokumentiert und lebendig erzählt worden wie in diesem Fall.

Am Beispiel Sylt lässt sich das Aufkommen der neuen Mode "Strandurlaub" Ende des 19. Jahrhunderts samt Herrenbad, Damenbad, Kasino und Kurpromenade nacherleben. Hiddensee wiederum veranschaulicht in besonderer Weise Künstler-Bohème und Weimarer Republik, aber auch die gewerkschaftlich organisierten Urlaube in der DDR. An Mallorca wiederum lässt sich die Entwicklung des deutschen Fremdenverkehrs in Zeiten des Massentourismus darstellen.

Wie aber konnten die "Inselträume" Millionen von Touristen faszinieren? Für Arnulf Siebeneicker, dem Initiator der Ausstellung, ist der Sachverhalt klar: "Das ideale Urlaubsziel ist eine Insel", sagt er. Auf einem überschaubaren Stück Land, von Wasser umgeben, fühlten die Touristen sich wohl. Die erwünschte Distanz zur Arbeitswelt lasse sich kaum deutlicher markieren als durch den Streifen Meer, der auf dem Weg in die Ferien zu überwinden ist. "Das Meer ist aber nicht bloß eine Barriere: Durch seine ungeheure, alle Sinne ergreifende Präsenz verspricht es, Körper und Geist von den Schlacken des Alltags zu reinigen und mit neuer Energie aufzuladen."

Mit über 500 Exponaten wie Fotos, Plakaten, zeitgenössischen Reisekatalogen und Postkarten sowie Souvenirs und Bademoden zeigt die Schau den Wandel auf, den der deutsche Tourismus auf den drei Inseln erlebte.

Bezogen auf die Playa de Palma berichtete die "Neue Revue" bereits 1972 über eine "Rüdesheim-Atmosphäre", die den meisten Gästen zu gefallen schien: "Das hautnahe Nebeneinander im Sand macht Spaß. Es fördert die Kontakte."

Der promovierte Sozial- und Wirtschaftshistoriker Siebeneicker schreibt dazu im Ausstellungskatalog: "Fernab von Zuhause bot die Playa de Palma einen Freiraum für Alkohol und Sex - dass die sonst üblichen Anstandsregeln hier außer Acht gelassen werden durften, war der eigentliche Anreiz für die Reise." (as)

INFOS ZUR AUSSTELLUNG

Reif für die Insel - Tourismus auf Sylt, Hiddensee und Mallorca
Dauer: bis 19. März 2017
Katalog: 455 Seiten, 19,95 Euro.
Ort: Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur, Schiffshebewerk Henrichenburg, 45731 Waltrop
Web: lwlindustriemuseum.de

(aus MM 22/2016)

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