Es ist kein Megastar auf Mallorca in Sicht

| Palma, Mallorca |
Simply Red rockte die Massen in die Stierkamparena.

Simply Red rockte die Massen in die Stierkamparena.

Foto: Miquel Angel Cañellas

Die Rolling Stones treten in Madrid auf, Lady Gaga gibt in Barcelona ein Konzert. Immerhin Ricky Martin wählt die Palma Arena als Bühne. Doch Mallorca ist weit davon entfernt, ein Magnet für Megastars der Rock- und Popszene zu sein, um hier vor Publikum aufzutreten.

"Mallorca hat ein gutes und vielfältiges musikalisches Programm zu bieten", entgegnet Miki Jaume, CEO der Grup Trui und Betreiber der Open-Air-Bühne Son Fusteret in Palma. "Erst kürzlich waren Maceo Parker, Concha Buika, Al di Meola, The Beach Boys, Tom Jones, Michael Bolton, Manolo Garcia hier", zählt der Eventorganisator zum Beleg auf. Anderer Ansicht ist Alvaro Martínez, Organisator des Mallorca Live Festivals: "Es gibt relativ wenige Konzerte auf der Insel, und natürlich hängt die Definition 'Superstar' auch immer vom Genre ab."

So entscheiden sich Musiker, die aus Spanien stammen oder in der spanischsprachigen Welt bekannt sind, durchaus für die Insel als Auftrittsort, doch an internationalen Superacts mangelt es. 1982 kam Ray Charles auf die Insel, 2002 sang Oasis in Magaluf, 2005 spielte Jamiroquai hier, 2010 gaben Elton John und Andrea Bocelli ein Doppelkonzert im Stadion Son Moix. Alles schon ein bisschen her. "Stars wie Madonna, Bruce Springsteen und die Rolling Stones wählen für ihre Konzerte Orte mit einem größeren Einzugsbereich", sagt Miki Jaume. "Damit kann Mallorca natürlich nicht mithalten."

Das einheimische Publikum besteht nicht aus vielen eingefleischten Konzertgängern, findet Alvaro Martínez. Die Menschen auf der Insel würden in ihrer Freizeit anderen Beschäftigungen nachgehen wie Strandbesuche und Wandern. "Um mehr Superstars auf die Insel zu bekommen, wäre es nötig, dass die Leute von hier öfter zu Konzerten gehen", sagt er. Das Publikum beim Mallorca Live Festival setzt sich zu 65 Prozent aus Einheimischen zusammen, 30 Prozent sind Festlandsspanier und zu fünf Prozent britische Urlauber. Deshalb sei auch das Angebot des Festivals auf diese Gruppen ausgerichtet: spanische Bands und ein bekannter Name aus UK. Im vergangenen Jahr waren das Placebo und in diesem Jahr The Prodigy, und der Festivalort wurde nach Calvià verlegt. Auch der bekannte DJ David Guetta wählte als Ort für seinen Auftritt die mittlerweile geschlossene Disco BCM in Magaluf.

Deutsche Touristen hingegen gelten nicht als feste Größe im Konzertbusiness, die Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern gestaltet sich schwierig. "Zwischen Juni und September ist viel ausländisches Publikum auf der Insel, aber es ist schwer, diese Menschen zu mobilisieren", sagt Miki Jaume. Extra auf die Insel reisen würde wegen einem Konzert allerdings auch niemand.

Als größte Veranstaltungsorte in Palma gelten die Stierkampfarena, Son Fusteret und die Palma Arena. Lediglich die Palma Arena kann auch bei schlechtem Wetter bespielt werden, doch Flair hat das Velodrom nur wenig. Dass die Insel größere Hallen bräuchte, finden die Veranstalter allerdings nicht. "Es gibt gute Veranstaltungsorte, deren Größe den Besucherzahlen angemessen ist", betont Miki Jaume.

Nachteilig kommt für Veranstalter die Insellage zum Tragen. Technik, Mitarbeiter und natürlich die Stars müssen immer per Fähre oder Flugzeug auf das Eiland gebracht werden.

"Der Kostenfaktor ist auf Mallorca wesentlich höher als auf dem spanischen Festland", sind sich die Eventveranstalter einig. "Weil die Musiker immer mit dem Flieger anreisen, mussten wir schon so manches Mal zittern, ob sie pünktlich ankommen", sagt der Chef des Trui Teatre.

"Das Problem an Mallorca ist, dass kein Künstler der Welt den Erfolg der Veranstaltung garantieren kann", weiß Alvaro Martínez. So hatte auch das Großkonzert mit Weltstar Elton John 2010 trotz der 25.000 Besucher im Stadion keine Neuauflage .

Doch Konzertgänger werden sich auch in diesem Jahr wieder auf zahlreiche Musiker freuen können. "Mallorca hat viele internationale Künstler im Programm, und mit London, Barcelona oder Paris müssen wir uns nicht vergleichen", meint Miki Jaume.

(aus MM 02/2018)

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