Palmas Teatre Principal, der edelste Kulturtempel auf Mallorca. | Teatre Principal

Sogar die Königin war gekommen: In Anwesenheit von Spaniens Monarchin Isabella II. wurde 1857 in Palma das Teatro de la Princesa feierlich eröffnet. Das Schauspielhaus, das heute Teatre Principal heißt, ersetzte die Casa de les Comèdies, die sich seit 1667 am selben Ort befunden hatte und im Laufe der Jahre heruntergekommen war. Das neue Gebäude stand allerdings unter keinem glücklichen Stern. Knapp ein Jahr nach seiner Einweihung brannte es 1858 bis auf die Grundmauern nieder und musste erneut aufgebaut werden.

Um den Bau und Wiederaufbau zu finanzieren, hatten zahlungskräftige Bürger der Stadt jeweils 200 Aktien erworben. Von den Baukosten in Höhe von 60.000 Duros war auf diese Weise ein Drittel durch Privatinvestoren abgedeckt. Für den Wiederaufbau wurden noch einmal Aktien im Wert von 5000 Duros ausgegeben. Wer in das Gebäude investierte, erhielt im Gegenzug das Recht auf freien Eintritt zu allen Aufführungen. Was kaum jemand weiß: Dieses Recht gilt bis heute.

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Blick von der Bühne aus in den Saal. Foto: Gemma Andreu

Offenbar lauten die meisten Aktien immer noch auf den Namen ihrer ursprünglichen Besitzer. Das brachte die MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora” bei Mitarbeitern der Finanzabteilung in Mallorcas Inselrat in Erfahrung. In der Praxis bedeutet dies, dass die meisten Erben der Aktien entweder nichts von ihrem Glück wissen, es nicht in Anspruch nehmen oder aber, dass die Aktien im Laufe der Zeit verschüttgegangen sind.

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Einen der Erben konnte die Tageszeitung jedoch ausfindig machen. Es handelt sich um den Historiker Jordi Vidal Reynés, der die Aktie Nr. 18 besitzt. Ein Bruder seines Urgroßvaters hatte das Wertpapier 1890 von der Marquise von Ariany gekauft, ebenso eine weitere Aktie, die sich heute im Besitz von Vidals Schwester befindet.

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Full House! Foto: Gemma Andreu

Trotz der Wertpapiere hatte die Familie nie von ihrem Recht Gebrauch gemacht, Theatervorstellungen kostenlos zu besuchen. Vidal dagegen nimmt sein erworbenes Privileg wahr, wenn auch in Maßen. „Wir sind uns bewusst, dass man zwar das Recht auf einen unbefristeten Sitzplatz erwirbt, dieses Recht aber nicht missbrauchen darf”, gab er „Ultima Hora” zu Protokoll und fügte hinzu: „Es gibt nur wenige von uns, und die Frauen an der Kasse kennen uns.”

(aus MM 36/2022)