Der Kulturfreund Egger starb im Alter von 97 Jahren. | Patricia Lozano

Kommerzialrat, Philantrop, Mäzen: Mallorca nimmt Abschied von Josef Egger. Der Wiener starb am 10. November im Alter von 97 Jahren. Er war für die Insel der wohl bedeutendste Österreicher seit dem Erzherzog Ludwig Salvator. Als Liebhaber Mallorcas, seiner Menschen, seiner Kultur und des Sinfonieorchesters der Balearen, zu dessen Rettung er maßgeblich beitrug, hat er tiefe Spuren hinterlassen.

Der dritte Sohn des einst berühmten Schauspielers Josef Egger, der unter anderem an der Seite von Clint Eastwood in "Für eine Handvoll Dollar" zu sehen war, begeisterte sich schon früh für die Musik, tauchte aber zunächst in die Welt der Wirtschaft ein. Sein Berufsweg führte ihn vom Schweizer Schokoladenhersteller Suchard über den italienischen Produzenten von Kaffeemaschinen Faema bis zu Westinghouse Electric. In dem neben General Electric seinerzeit größten Elek-trokonzern stieg er bis zum Generalvertreter für die Ostblock-Staaten auf. Gerne sagte der Geschäftsmann von sich, er habe von der Glühbirne bis zum Atomkraftwerk alles verkauft. Sein wachsender Erfolg veranlasste ihn, in Hotels und Wohnungen in Spanien und insbesondere auf Teneriffa zu investieren – er war einer der "Entdecker" der Touristenhochburg Playa de las Américas.

Im Alter von 60 Jahren begann Egger eine neue Etappe seines Lebens, nachdem er die Geschäftswelt hinter sich gelassen hatte. Während eines Segeltörns verliebte er sich auf den ersten Blick in Mallorca. 1985 kaufte er hier sein erstes Haus in Cala Vinyes. Später erwarb er ein großes Anwesen zwischen Esporles und Puigpunyent, auf dem er mit seiner Frau Elfy lebte.

Auf Mallorca begann Egger, das Leben und Werk seines großen österreichischen Landsmanns Erzherzog Ludwig Salvator zu studieren, der Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts viele Spuren auf Mallorca hinterließ. Er beschloss, ihn und Mallorca in Österreich bekannter zu machen: Zu diesem Zweck rief er 1993 die Asociación Austríaca de Amigos de Mallorca (Österreichische Vereinigung der Freunde von Mallorca) ins Leben.

Zugleich bereicherte er das kulturelle Leben auf der Insel mit seinen legendären Opernbällen und Konzerten, bei denen internationale Stars wie Kurt Rydl, Johan Botha und Daniela Fally auftraten. Umgekehrt brachte er das Sinfonieorchester der Balearen erstmals in die Musikmetropole Wien. "Josef war für diesen Austausch unentbehrlich", sagt Östereichs Honorarkonsul auf Mallorca, Carlos Anglada. "Trotz seines hohen Alters ist sein Verlust eine sehr traurige Nachricht."

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Eggers war dem Sinfonieorchester der Balearen besonders eng verbunden. Als das verschuldete Orchester 2011 verkleinert oder gar aufgelöst werden sollte, machte er sich wie kein anderer stark für die Sinfoniker. In Gesprächen mit den Politikern der Insel bot er seine Unterstützung an und war einer derjenigen, die mit einem Sanierungsplan den Grundstein für eine solidere Struktur legten – und für eine neue Ära, in der das Orchester sich zu einem kulturellen Aushängeschild der Balearen entwickelt hat.

"Er war eine einzigartige Persönlichkeit, ein Mäzen, einer derjenigen, die die Kultur wirklich liebten. Seine Rolle war entscheidend für unsere Ankunft auf der Insel", sagt der Chefdirigent der Sinfoniker, Pablo Mielgo mit Blick auf sich und Joji Hattori, die anfangs gemeinsam die künstlerische Leitung des Orchesters übernahmen. Josef Egger werde ihm "in guter Erinnerung bleiben, und ich möchte die Zuneigung hervorheben, die er bei den älteren Musikern des Orchesters hinterlassen hat."

Zum Beispiel bei Smerald Spahiu, der seit 1996 Konzertmeister der Sinfoniker ist. "Jenseits von allem, was er für uns getan hat, werde ich ihn immer als einen fröhlichen Menschen in Erinnerung behalten, mit einem großen Herzen und vor allem mit großen Visionen. Wenn er sprach, zweifelte man manchmal, ob er Recht oder Unrecht hatte, und am Ende hatte er immer Recht“, erinnert sich Spahiu. "Ich habe viel von seinem musikalischen Wissen gelernt, vor allem von der Opernwelt."

Zahlreiche Auszeichnungen wie der Silberne Siurell der Verlagsgruppe Serra, der ihm 2005 verliehen wurde, unterstreichen, was der Ex-Politiker, Anwalt und Mitstreiter von Egger, Joan Huguet, so ausdrückt: "Die Balearen und ihre musikalische Kultur stehen in seiner Schuld." Huguet würdigt zudem die "grenzenlose Menschlichkeit" Eggers. "Er war ein Freund seiner Freunde, und ich würde sagen, dass er ein großer Verfechter dessen war, was Mallorca bedeutet."

Neben der Kultur der Insel bewunderte Josef Egger auch deren Gastronomie. "Er war das einzige ausländische Mitglied der Academia de la Cuina i del Vi de Mallorca", erzählt der heutige Präsident dieser Organisation, der Winzer José Luis Roses Ferrer, und fügt hinzu. "Josef war ein Allrounder, er hat anderen selbstlos geholfen, war sehr umgänglich, kam mit allen gut aus und alle, die ihn kannten, haben ihn gleichermaßen geliebt".

Ob als Mensch oder Mäzen, die Insel, die er so sehr liebte, wird ihn nicht vergessen.