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Am Eingang zur Felsenburg Santueri sitzt eine Dame unter einem Zeltdach. Wer das Gelände besichtigen will, muss vier Euro bei ihr entrichten. Ein Lächeln gibt’s nicht dazu, sie scheint gelangweilt. Kein Wunder, denn noch hat sich nicht herumgesprochen, dass die Ruine nahe Felanitx wieder besucht werden kann – und dementsprechend wenig ist hier los.

Aber: Es lohnt sich! Vom Eingang führt eine schmale Natursteintreppe hinauf zur Burg, die man durch ein massives Holztor betritt. Gleich zur linken Seite befindet sich der „Turm der Huldigung”, ein 15 Meter hohes Bauwerk mit offener Kuppel, die an das Pantheon in Rom erinnert und so mystisch aussieht, dass man glauben könnte, gleich den Charakteren der Fantasy-Saga „Game of Thrones” zu begegnen.

Von hier aus führen weitere Stufen den Hügel hinauf und gehen in einen Weg über, der die Ruine umrundet. Per QR-Code-Scan erhalten Touristen spannende Informationen über die Relikte, wie zum Beispiel den Nordwall, den alten Backofen oder die Zisterne.

Das Castell de Santueri befindet sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts im Besitz der Familie Vidal. Nach vielen Jahren der Schließung und der Drohung vonseiten der Behörden und der Politik, ein Enteignungsverfahren einzuleiten, machten die Eigentümer die Burg 2014 der Öffentlichkeit zugänglich und führten eine Renovierung durch, nach eigenen Angaben für mehr als eine Halbe Million Euro. Fünf Jahre lang konnten Besucher die Ruine besuchen, ehe die Pandemie dem Ganzen ein Ende setzte. Jetzt können Interessierte das Anwesen bis einschließlich Oktober endlich wieder besichtigen, und zwar täglich (außer samstags) von 10.30 bis 18 Uhr.

Das Beeindruckendste daran ist vielleicht sogar weniger die Burg an sich, als die unfassbar schönen Ausblicke, die man von dort oben hat. Denn wer den Trampelpfad entlang der alten Gemäuer bis zum Ende geht, gelangt auf eine riesige Freifläche – ausgetrocknet und teils verbrannt – die einst fruchtbarer Boden war. Davon zeugen die Tausenden leeren Schneckenhäuser, die den Weg säumen.

Von hier oben blickt man über die gesamte Süd- und Ostküste, im Norden zum Klosterberg Sant Salvador und bis zum Tramuntana-Gebirge, im Westen bis zum Puig de Randa. Besonders schön: Es ist immer ein paar Grad kühler als in der Ebene und es weht eine sehr angenehme Brise.

Übrigens: Neuigkeiten gibt es auch in Bezug auf die Burg von Alaró: Einer Pressemitteilung vom Dienstag zufolge soll noch in diesem Jahr das Eigentum am dortigen Kastell auf den Inselrat übergehen. Der Kaufprozess zieht sich wegen der komplizierten Eigentumsverhältnisse und juristischer Streitigkeiten schon Jahre hin – könnte nun aber endlich sein Ende finden. Im Gegensatz zur Santueri-Burg ist das Castell de Alaró seit Jahren für Besucher öffentlich zugänglich.