Die Nacht, in der das Feuer ausbrach

| Cales de Mallorca, Mallorca |
Frank Walloschke in den Trümmern, die mal sein Zuhause waren: Der Brand hat der Wohnung in Cales de Mallorca schwer zugesetzt.

Frank Walloschke in den Trümmern, die mal sein Zuhause waren: Der Brand hat der Wohnung in Cales de Mallorca schwer zugesetzt.

Foto: Foto: Sophie Mono
Frank Walloschke in den Trümmern, die mal sein Zuhause waren: Der Brand hat der Wohnung in Cales de Mallorca schwer zugesetzt.

Nähert man sich der Finca Peters, erscheint alles ganz normal. Das deutsche Restaurant am Rand von Cales de Mallorca sieht einladend aus. Nur eines verrät, dass sich hier vor Kurzem fast eine Tragödie abgespielt hätte: Brandgeruch liegt in der Luft. "Das Restaurant hat nichts abbekommen, aber dort drüben war es umso schlimmer", erzählt Frank Walloschke und deutet auf den hinteren Teil des ebenerdigen Gebäudes im mallorquinischen Sandsteinstil. "Dort drüben", damit meint Walloschke seine Wohnung - oder das, was noch davon übrig geblieben ist. Gemeinsam mit seiner Frau Hildegard (52) und deren 96-jähriger Tante hat er hier gelebt, seit er vor zwei Jahren die Finca Peters samt Restaurant gepachtet hat.

Vorsichtig geht er durch die Restaurantküche, die zum Wohnbereich hinüberführt. Spätestens im Lagerraum dazwischen sind die Brandspuren nicht mehr zu übersehen, alles ist voller Ruß. "Das ist noch nichts, das Schlimmste kommt erst", sagt Walloschke.

Er hat recht. Die nächsten Zimmer sind nicht mehr als solche zu erkennen. Das Dach ist komplett verschwunden, ebenso Fensterscheiben und Möbel. Nur die Grundmauern stehen noch. Der Boden sieht aus, als hätte hier jemand die Reste eines riesengroßen Lagerfeuers abgeladen. In den angrenzenden Räumen sind verkohlte Reste von Elektrogeräten zu erkennen. "Vermutlich war der Wäschetrockner defekt", erklärt Walloschke. Ganz genau lasse sich die Brandursache jedoch nicht definieren. "Ich hatte hier auch Bootsmotoren und einen Motorradtank gelagert, das muss ganz schön gerumst haben", fährt Walloschke fort. "Zum Glück sind die zehn Gasflaschen, die hier standen, nicht in die Luft gegangen."

Walloschke war nicht anwesend in jener Nacht, als das Feuer ausbrach. Wohl aber seine Frau und ihre Tante. "Gegen halb eins rief mich meine Frau an, schreiend", berichtet er. "Ich habe erst kaum verstanden, was los ist, sie war vollkommen in Panik und im Hintergrund hat es gekracht."

Walloschke konnte nur hilflos mit anhören, wie sich die Lage auf der Finca zuspitzte - er selbst war für ein paar Tage in Deutschland. Verzweifelt habe er übers Telefon versucht, seine Frau davon zu überzeugen, sich in Sicherheit zu bringen. "Aber sie wollte ihre Tante retten", so Walloschke. Das Problem: Die 96-Jährige ist bettlägerig. Zehn Minuten lang hörte Walloschke, wie seine Frau versuchte, die alte Frau ins Freie zu ziehen. Dann brach die Telefonverbindung ab. "Eine Stunde lang wusste ich nicht, was gerade auf Mallorca passiert. Es war ein Albtraum", so Walloschke.

"Ich werde den Anblick nie vergessen", sagt Rosi Peter. Die Verpächterin und frühere Inhaberin des Restaurants ist von ihrem kleinen Nachbarhaus herübergekommen, genau wie in jener Nacht. "Ich war aufgewacht, weil ich es laut knacken gehört habe, das waren die Flammen nebenan", erinnert sie sich. "Es war ein Schock, ich habe nur ganz laut um Hilfe gerufen, an die Feuerwehr habe ich gar nicht gedacht." Als sie sich näher an die Wohnung der Walloschkes heranpirschte, folgte der nächste Schock. "Hildegard lag auf der Terrasse neben den Flammen, über ihre Tante gebeugt, um sie zu schützen", so Rosi Peter. Fast kommen ihr die Tränen, als sie die Geschehnisse Revue passieren lässt. "Alleine hat sie es nicht geschafft, die alte Frau in den Garten zu ziehen." Also packte die 79-jährige Peter mit an - erfolgreich.

Wenig später sei dann die Feuerwehr eingetroffen. Benjamin Hernández hatte sie gerufen. "Er wohnt im Dorf und hatte meine Hilferufe gehört", so Rosi Peter. Zum Glück - das Gelände der Finca Peters liegt außerhalb des Ortes. Eine quälende Stunde später wurde dann auch Frank Walloschke in Deutschland informiert: Allen gehe es gut, wurde ihm mitgeteilt, nur der Arm der 96-Jährigen sei ausgekugelt, ansonsten seien alle mit dem Schrecken davongekommen. "Ich habe sofort den nächsten Flieger genommen, am nächsten Mittag war ich hier."

Trotz des Totalschadens der Wohnung: Man merkt Walloschke an, dass bei ihm immer noch die Erleichterung überwiegt, dass niemandem etwas passiert ist. Er, seine Frau und deren Tante kommen derzeit bei Freunden unter. "Und die Versicherung hat auch schon zugesagt, dass sie den Schaden übernimmt. Vielleicht können wir das Restaurant zu Weihnachten sogar schon wieder aufmachen", hofft er. Auch Rosi Peter hat sich von dem Schrecken erholt. Als Heldin will sie nicht bezeichnet werden. "Die Hauptsache ist, dass es allen gut geht."

(aus MM 50/2015)

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