Es wird ein Gedrängel geben, das sich gewaschen hat. | Ultima Hora

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Die sommerliche Hitze ist definitiv vorbei, statt Sangria und Melone will der Magen wieder mit Deftigem und Nahrhaftem gefüllt werden. Die beste Gelegenheit dazu bietet sich auf den zahlreichen Firas, die zur Erntezeit an jedem Wochenende in Mallorcas Städten und Dörfern stattfinden. Die bombastischste dieser Dorffeierlichkeiten findet am 14. November in Inca statt.

Am „Dijous Bo”, dem „Guten Donnerstag”, wird das Städtchen im Inselinneren – wie in jedem Jahr – wieder aus allen Nähten platzen. Zum größten Herbstmarkt Mallorcas werden erneut Hunderttausende Besucher erwartet, der Mega-Event ist bei Einheimischen und Urlaubern gleichermaßen beliebt. Man sollte also resistent gegen dicht gedrängte Menschenmassen sein – und angesichts des zu erwartenden Parkplatzmangels eine Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erwägen.

Der Verkauf landwirtschaftlicher Produkte und der Viehhandel standen am Anfang dieser Volksfest-Tradition. Das Datum für den „Dijous Bo”, der im 17. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt wurde, hat dagegen historische Gründe. Die rustikale Fira in der Lederstadt findet traditionellerweise am vierten Donnerstag nach den Sant-Lluc-Feierlichkeiten am 18. Oktober statt. An diesem Tag soll nämlich der Erobererkönig Jaume I. erstmals in die Stadt gekommen sein.

Heute ist der „Gute Donnerstag” eine Mischung aus Tradition und Moderne, ein bunter Mix aus Landwirtschaftsmesse, bäuerlicher Verkaufsshow, Wochenmarkt, Kirmes und Tummelplatz für alles, was Rang und Namen hat auf der Insel. Eines der Highlights ist sicher die Kürung des schönsten schwarzen Schweins der Insel. Auch sonst stehen einheimische Erzeugnisse wie die Paprikawurst Sobrassada, die Blutwurst Botifarrò, Weine aus Binissalem oder Consell, Olivenöl, Honig, Kräuter sowie Tongeschirr und mundgeblasenes Glas im Mittelpunkt. Sie werden an Hunderten von Ständen, die sich über mehrere Kilometer erstrecken, feilgeboten – allerdings findet sich dort auch einiges an Massenwaren in den Auslagen.

Neu in diesem Jahr sind die verlängerten Öffnungszeiten des Markts. Besucher können bereits am „Dimecres Bo”, dem „Guten Mittwoch”, ab 11 Uhr an den Ständen entlangbummeln. Traditionell wird danach in den Bars und Kneipen der Stadt noch bis spät in die Nacht gefeiert. Ebenfalls eine Premiere: Am Donnerstag bleibt der „Mercat Pagès” bis 23 Uhr geöffnet. Denn in diesem Jahr können die Anwohner maximal vom Großevent profitieren, weil der 15. November in Inca ein lokaler Feiertag ist.

Eingeleitet wurden die Feierlichkeiten aber noch deutlich früher. Am Freitag, 8. November, hielt Paula Domenech, Präsidentin des lokalen Keksfabrikanten Quely, die offizielle Eröffnungsansprache. Ausgewählt wurde Domenech, weil sie zum einen in Inca geboren wurde und wegen ihres unternehmerischen Einflusses auf den Ort, wie das Rathaus anlässlich der Präsentation des Programms zur rustikalen Partywoche am Dienstag mitteilte. Am darauffolgenden Wochenende (9. und 10. November) ging es gleich weiter mit einem Fest zu Ehren der Ortspatronin Santa Maria la Major. Auf dem Programm standen zahlreiche Aktivitäten für Groß und Klein, Lagerfeuer, eine Kunsthandwerksmesse, Feuerläufe und ein Wermut-Festival.

Eine weniger gute Nachricht trübt allerdings die Vorfreude auf die Festivitäten. Die Mitarbeiter des städtischen Reinigungsdienstes in Inca wollten ab dem 12. November für unbefristete Zeit streiken. Betroffen sind sowohl Müllabfuhr als auch Stadtreinigung. Sicherheitsschuhe und Helme der Arbeiter würden nicht den Sicherheitsstandards entsprechen, hieß es zur Begründung. Erste Verhandlungen zwischen den Streitparteien sind am Dienstag gescheitert. Der Bürgermeister von Inca, Virgilio Moreno, hat um weitere Gespräche in der kommenden Woche gebeten.