Hinter Palmas Bahnhof fängt das Leben an

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Sie kommen regelmäßig zum skateboarden in den Park.

Sie kommen regelmäßig zum Skateboarden in den Park.

Foto: D. Kammel
Sie kommen regelmäßig zum skateboarden in den Park.Die Gruppe um Ángel übt dreimal die Woche Tai Chi. Den Park finden sie aus strategischer Sicht sehr praktisch.Palmas kleine grüne Lunge aus der Luft: der Park de ses Estacions.Diszipliniert üben die jungen Frauen vor der spiegelnden Wand ihre K-Pop-Moves.Vor wenigen Jahren angelegt, dient der Park für alle Palmesaner und Touristen zum Flanieren.Südamerikanische Tanzgruppen am Eingang des Parks.

Er funktioniert perfekt, der Parc de ses Estacions von Palma de Mallorca. Der zirka 37.000 Quadratmeter große Grünstreifen verläuft auf dem Gelände der ehemaligen Bahnschienen unweit der Plaça d’Espanya. 1999 gab es den ersten „Wurf”, der dann 2004 wieder komplett umgeschmissen wurde, als man die Gleise unterirdisch verlegte. 2007 fand die Eröffnung des Parks im heutigen Gewand statt. Man hatte die Gleise gegen Rasenflächen und Bäume ausgetauscht. Statt Zügen flitzen nun Skater oder Kinder auf Rollschuhen über die Fläche. Das Konzept, einen Raum für die Öffentlichkeit zu schaffen, ist aufgegangen.

Der Park, der sich ab der Plaça d’Espanya mehrere Hundert Meter Richtung Norden zieht, ist ein kreatives Sammelbecken. Hier wird flaniert, Kinder rollern durch die Gegend, stolze Großeltern schieben ihre Enkel in Kinderwagen, Musiker singen und spielen dazu auf der Gitarre. Bei schönem Wetter sind die Parkbänke meistens alle besetzt und auch die Grünflächen werden von Hundebesitzern oder Gruppen von Jugendlichen in Beschlag genommen. Schön ist er nicht unbedingt, der Bahnhofspark, aber er funktioniert.

Auch die Gruppe von jungen Frauen hat sich den Bahnhofsplatz kurz vor den „Toren” zum Park als Treffpunkt ausgesucht. Die Mallorquinerinnen, die rein optisch für eine Benetton-Werbung posieren könnten, treffen sich hier zum Tanzen. K-Pop heißt der koreanische Tanz, den sie hier vor der leicht spiegelnden Wand der Aufzüge einüben. Die meisten der Gruppe kommen aus Palma, zwei von ihnen aus Alcùdia und Inca. Der Bahnhof ist ein praktischer Treffpunkt, da die Busse hier ankommen. „Außerdem motiviert es uns, mitten im öffentlichen Geschehen unsere Tanzschritte zu üben”, erzählt die Organisatorin der Gruppe. Die junge Mallorquinerin asiatischen Ursprungs überlegt sich die Choreografien, die die Mädchentruppe einstudiert. Sogar ein Casting haben sie veranstaltet, um die „Besten der Besten” auszuwählen. „Sie sind alle sehr gut”, sagt die junge Frau lachend. Es geht los, die Musik wird hochgeregelt, die sieben Frauen begeben sich in Position und wirbeln mit den ersten Takten direkt los. Über zwei Stunden werden sie hier ihre Schritte und „Moves” einstudieren, denn bald treten sie auf dem chinesischen Stadtfest in Palmas Stadtteil Pere Garau auf.

Wenige Hundert Meter weiter im Parkinneren cruisen Júlia López, Raúl Limones und Mark Mejías auf ihren Skateboards über den Asphalt. Die drei Jugendlichen kommen ebenfalls regelmäßig in den Park. „Ich bin jeden Samstag hier”, erzählt Júlia. Sie üben hier ihre Sprünge mit dem Board, für ein Foto für die Zeitung legen sie sich ins Zeug und bauen sogar ein Hindernis aus zwei Brettern auf.

Besinnlicher geht es an diesem Morgen ab 10 Uhr unter den Bäumen in der Nähe des Kinderspielplatzes zu. Hier bewegt sich die freie Gruppe um Ángel Marina meditativ asiatisch durch die noch frische Morgenluft. Einige Teilnehmer tragen Mützen und Handschuhe. Ángel stellt sich nach vorne, damit ihn alle Teilnehmer gut sehen können. Er beginnt mit langsamen Tai-Chi-Bewegungen, bei denen es so aussieht, als würde er mit den Unterarmen die Luft zerteilen. Die Gesichter sind konzentriert, einige kennen die Bewegungen inzwischen auswendig, ein Mann mit Vollbart schaut immer wieder zum Leiter hinüber, um sich die Bewegungen einzuprägen. Die seit 2010 bestehende Gruppe kommt dreimal die Woche in den Park. Dienstag- und donnerstagabends ab 18 Uhr üben sie, samstags sind sie ab 10 Uhr hier. Jeder darf mitmachen, Geld kostet es keines. „Im Sommer herrscht hier ein Mikroklima”, sagt eine Teilnehmerin. Unter dem Bäumen sei es angenehm frisch. Bei schlechtem Wetter ziehen sie ein paar Meter weiter unter die Überdachungen des nahegelegenen Parkplatzes.

Tagsüber gehört die Fläche vor allem Familien mit Kindern. Senkt sich abends die Dunkelheit über den Park, dann ist die Zeit von der Bolivianerin Norha und ihrer Truppe gekommen. Die Lautsprecherbox wird aufgestellt, blaue Lichter leuchten und die Gruppe stellt sich in Position. Wildes Stampfen, schnelles Kreisen, energische Armbewegungen. Die Abendkälte vertreiben sich die Tänzer mit flinken Schritten. Die bolivianische Gruppe Salay Pasión hat den Park ebenfalls aufgrund der zentralen Lage zu ihrem „Übungsraum” auserkoren. „Wir mögen es, dass uns Leute beim Tanzen zuschauen können”, erzählt die Tänzerin Jennifer. Die Formation wird bei den Rúas, den Karnevalsumzügen durch Palma, mit dabei sein.

Die „Hauptbühne” im Park ist der Platz vor den Metalltoren. Hier finden regelmäßig politische Veranstaltungen unterschiedlichster lateinamerikanischer Länder statt, aber auch Poesie- oder Musik- und Tanzdarbietungen.

Im Park gilt: Ein wenig sehen und gesehen werden, ein bisschen Bühne und sozialer Treffpunkt. Dort, hinter dem Bahnhof, beginnt das eigentliche Leben.

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