Heftige Debatte über Kindesmissbrauch auf Mallorca

| | Palma, Mallorca |
Unter anderen kam es wie hier im Jugendheim "Es Pinaret" in der Gemeinde Marratxí zu sexuellen Übergriffen an Minderjährigen.

Unter anderen kam es wie hier im Jugendheim "Es Pinaret" in der Gemeinde Marratxí zu sexuellen Übergriffen an Minderjährigen.

Foto: A. Sepúlveda

Im Balearen-Parlament hat sich am Dienstag eine heftige Debatte über die Ahndung von Kindesmissbrauch auf Mallorca zugetragen. Der zweite Vizepräsident der spanischen Regierung, Pablo Iglesias (Podemos), kündigte an, dass Fälle von Tätern, in denen es um den Missbrauch von Minderjährigen geht, per neuem Gesetz erst nach 30 Jahren verjähren. Aktuell sind es 18 Jahre.

Zuvor beschuldigte die Partido Popular (PP) den Podemos-Politiker Iglesias, Kinderschänder "zu vertuschen", weil er sich weigerte, die auf den Balearen registrierten Fälle von Missbrauch zu untersuchen. Iglesias bezeichnete den Vorwurf im Senat als "ekelhaft".

Die Abgeordnete der Volkspartei für die Balearen, Margalida Prohens, sieht eine Mitschuld bei den linken Parteien. Prohens forderte eine Untersuchungskommission, die von den Ciudadanos und der rechtspopulistischen Vox unterstützt wurde. Sie wurde abgelehnt.

Der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska verteidigte seinerseits die Maßnahmen der Sicherheitskräfte zum Schutz von Minderjährigen auf den Balearen, wo innerhalb eines Jahres 270 Personen aus Schutzzentren "geborgen" und 64 Erwachsene wegen Sexualverbrechen an Kindern verhaftet wurden.

Kritik besteht seit Längerem an der Situation in Jugendheimen auf Mallorca. Dort kam es immer wieder zu sexuellen Übergriffen an Minderjährigen. Die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol verwies darauf, dass die Zentren teils vom Inselrat Consell de Mallorca und teils von der Balearen-Regierung betrieben werden und die Beschuldigungen "vermischt" werden würden.

Auffallend bei der Zahl der Sexualdelikte auf den Balearen ist, dass besonders viele Vergewaltigungen und sonstige Missbrauchs- sowie Exhibitionismusdelikte gegen Minderjährige unter 15 Jahren verübt wurden. Laut dem Innenministerium betraf dies spanienweit 4542 von 9537 Strafanzeigen. Ohnehin steigt die Zahl der Sexualdelikte spanienweit seit einigen Jahren steil an. (dise)

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Majorcus / Vor 3 Monaten

Der Schutz von Leib und Leben ist nicht nur eine Frage von Leben oder Mord, da auch psychische Misshandlungen/ Vergewaltigungen zu lebenslangem Martyrium führen können. Ebenso sollte dieses Thema nicht den Diskussionen zwischen politischen Lagern (von Nicht-Fachleuten) überlassen werden, sondern von Experten geregelt werden: Aufhebung jeglicher Verjährung, systematisch bessere Auswahl und Ausbildung der mit dieser Thematik Beschäftigten (Sozialarbeiter, Psychologen, Ärzte, Polizisten, Staatsanwälte und Richter) sowie großzügige Finanzierung von Schutz-Kampagnen. Der Schutz von Kindern muss höchste Priorität genießen! Ebenso ist die lückenlose Aufklärung und Verfolgung der Verbrechen der Vergangenheit geboten. Es geht auch hier um die Existenzgrundlage der Gesellschaft!