Warum Handys in Jets im Flugmodus funktionieren müssen

| Mallorca |
Handynutzerin an Bord eines Flugzeugs.

Handynutzerin an Bord eines Flugzeugs.

Foto: RossHelen

Das Flugzeug rollt in Richtung Startbahn, die Crewmitglieder sitzen bereits angeschnallt auf ihren Klappsitzen, gleich geht’s los. Und der junge Mann ein paar Sitze weiter, der tippt einfach immer weiter Textnachrichten in sein Handy! Dabei kam schon längst die Durchsage, man möge doch bitte jetzt alle elektronischen Geräte in den Flugmodus schalten. Sollte man ihn nicht darauf hinweisen? Und warum in aller Welt hat das nicht der Steward getan, als er eben seinen letzten Kontrollgang unternahm? Wird das Flugzeug abstürzen, wenn nicht bald jemand etwas unternimmt? Jetzt heulen schon die Turbinen. Und der junge Mann tippt immer noch. Jetzt nimmt der Flieger Fahrt auf. Müssen wir alle sterben?

Selbst bei den Fluggesellschaften, die Mallorca mit Deutschland verbinden, gehen die Angaben zu dem Thema Flugmodus weit auseinander. Bei Condor etwa heißt es: „Die Hinweise, dass Gäste ihre Mobiltelefone auf Flugmodus schalten sollen, folgen Verfahrensanweisungen seitens der Hersteller. So wird sichergestellt, dass eine rein theoretisch mögliche Rückkopplung ausgeschlossen wird.” Die Gäste würden „mehrfach über die Handhabung mit ihren mobilen Endgeräten informiert und gegebenenfalls auch persönlich darauf hingewiesen, ihr Handy/Tablet auf Flugmodus zu schalten”.

Eurowings wiederum teilt mit: „Die Fluggesellschaften folgen in dieser Frage den Anweisungen der Flugzeughersteller. Die von Eurowings betriebenen Flugzeugtypen sind für die Nutzung von WLAN an Bord freigegeben. Das WLAN kann, wie auch Bluetooth, zu jeder Zeit benutzt werden. Die übrigen Sendefunktionen müssen abgeschaltet werden, sobald das Flugzeug zu rollen beginnt.” Der Grund dafür sei, dass „die Sendefunktionen die Navigationsfähigkeit des Flugzeugs beeinflussen könnten”. Manchmal telefonierten Fluggäste noch, wenn das Flugzeug zu rollen beginnt. In diesem Fall würden sie aufgefordert, das Telefonat unverzüglich zu beenden und ihr Telefon auf Flugmodus zu schalten.

Eine Laudamotion-Sprecherin äußert sich wie folgt: Die Benutzung von Mobiltelefonen erzeuge elektromagnetische Felder, welche die „sensiblen bordeigenen Systeme in ihrer Funktion beeinflussen beziehungsweise zu Fehlanzeigen führen können”. Bei schlechten Sichtverhältnissen, welche einen „speziellen Anflug vorsehen”, ist die Verwendung von Mobiltelefonen komplett untersagt. „In diesem speziellen Fall werden die Passagiere mittels Ansage seitens des Kabinenpersonals informiert.”

Rückkopplung? Navigationsfähigkeit? Fehlanzeigen? Auch das Luftfahrtbundesamt sorgt hier nicht wirklich für Klarheit. Dort verweist man nur ganz allgemein auf mögliche „Störungen der Bordelektronik”, zu denen ein Mobiltelefon führen könne, das nicht in den Flugmodus versetzt wurde. Bei der Europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA wiederum ist die Rede von „möglichen Interferenzen mit den Kommunikations- und Navigationsgeräten des Flugzeugs”.

Was genau los ist im Cockpit, weiß dagegen Janis Schmitt, Pilot und Pressesprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. „Grundsätzlich kann man sagen, dass ein Flugzeug nicht deswegen abstürzt, weil mal jemand vergisst, sein Handy auszumachen”, sagt er. Dennoch sei es wichtig, den Flugmodus auch tatsächlich einzuschalten. Denn andernfalls können die Sendefunktionen die Kommuniaktionsanlagen des Flugzeugs stören. Vergleichbar ist das mit den Störgeräuschen, die Mobiltelefone verursachen können, die in der Nähe eines Lautsprechers liegen. Diese rhythmischen Sendetöne gelangen dann unter Umständen auf die Headsets der Piloten, erklärt Schmitt. „Das ist nervig und im schlimmsten Fall kann man deswegen einen wichtigen Funkspruch verpassen.”

Hinzu komme, dass Handys, die sich nicht im Flugmodus befinden und deshalb ständig versuchen, sich in ein Mobilfunknetz einzuwählen, möglicherweise die Navigationsapparate des Flugzeugs stören können. Zumindest schließen das deren Hersteller nicht aus, erklärt Schmitt. Vor allem in Schlechtwettersituationen, in denen die Piloten im Landeanflug auf das zuverlässige Funktionieren der Geräte angewiesen sind, könne das zu Problemen führen. Auch hier aber gelte: „Ein Flugzeug ist deswegen noch nicht abgestürzt.”

Dazu passt, dass die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA ihre Richtlinien in Sachen Flugmodus bereits im Jahr 2014 gelockert hat. Seidem können die Fluggesellschaften die Nutzung von Mobiltelefonen während des gesamten Fluges auch ohne Einschalten des Flugmodus erlauben – so ihre Flugzeuge denn entsprechend nachgerüstet wurden und die Sicherheit garantiert ist. Das jedoch ist bislang nicht flächendeckend geschehen. Wohl auch aus einem Grund, der nichts mit möglichen technischen Problemen zu tun hat. „Stellen Sie sich vor, lauter Passagiere würden die ganze Zeit telefonieren”, sagt Schmitt. „Das wäre für die Mitreisenden ganz schön nervig.” Außerdem sei es gerade bei Starts und Landungen wichtig, dass die Ablenkung möglichst gering sei – falls doch einmal etwas passiere.

Kommentar

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bluelion / Vor etwa 1 Jahr

@rocco. Was Wlan betrifft einfach nochmal den Absatz "Eupwings" durchlesen, da ist alles wirklich gut erklärt. Ich für meinen Teil, finde den Artikel hervorragend recherchiert und aufschlußreich. Es gibt wegen der unterschiedlichen technischen Ausstattung einfach keine einfache Antwort. Das ist alles gut aufgeschlüsselt im Artikel nachzulesen. Was mich zusätzlich noch interessiert hätte: wie man mit der Corona App der Bundesregierung in Zusammenhang mit dem Flugmodus umzugehen hat. Aber trotzdem ein klasse Artikel.

rocco / Vor etwa 1 Jahr

Herr Martiny, warum haben Sie eigentlich vergessen bei Norwegian mal zu recherchieren. Die Maschinen haben einen kleinen Dom auf dem "Dach" in dem sich eine Antenne für Satellitenverkehr befindet und in den Flugzeugen funktioniert Internet, dank wlan. Kommt direkt vom Satelliten. Keine Maschine ist deshalb abgestürtzt. Ich glaube, Sie kümmern sich in Ihrem Artikel um 'umgelegte Eier'.