Bei einem schnellen, flüchtigen Blick auf die Bilder, die Marlon Maier bei Instagram auf seinem Profil veröffentlicht, könnten die vermeintlichen Luftaufnahmen von Palmas Flughafen auch einwandfrei aus einem Hubschrauber gemacht worden sein. Erst beim zweiten Hinschauen fällt auf, dass der Asphalt grau angemalter Pressspan, die Bodenmarkierungen aufgezeichnet und die Gangway, die in diesem Fall zu einer Maschine von Iberia führt, aus Papier gemacht ist.

Marlon Maier hat mit klassischem Modellbau nichts am Hut. Weder interessieren ihn Eisenbahnen noch sonst irgendwelche Fahrzeuge, die man zusammenbauen muss. Sein Herz hängt allerdings an der Fliegerei und an den rund hundert kleinen, detailgetreuen Flugzeugmodellen, die in einer Vitrine in seinem Zimmer im elterlichen Haus in Darmstadt stehen. Als er schließlich 2018 das erste Mal am Flughafen in Palma landet, weiß er, was seiner Sammlung noch fehlt. „Ich liebe die Insel, und auch der Flughafen ist wirklich toll. Ich hatte schon länger darüber nachgedacht, einen Flughafen nachzubauen, aber irgendwie wusste ich bis dahin nicht, welchen.”

Für den Bau des Aeroport de Son Sant Joan hat er fast zwei Jahre gebraucht und rund 700 Euro in Materialien investiert. „Ich habe mir den Flughafen bei Google Earth angeschaut, dann eine Skizze angefertigt und ihn möglichst detailgetreu nachgebaut.” Ein paar Abweichungen würde es aber schon geben, räumt der Flugzeug-Enthusiast ein. „Also, bei den Busparkplätzen fehlt eine Reihe Parkbuchten, ich hatte ja nur zwei mal zwei Meter Platz und musste deshalb ein paar Abstriche machen.”

Das Modell ist im Maßstab 1:500 gebaut. Es besteht zu 60 Prozent aus Pappe und zu 40 Prozent aus Papier. Nur, wenn es unbedingt nötig war, habe er auf Plastik zurückgegriffen. „Die Terminalumrundung von Flugsteig B ist in der Realität transparent, deshalb musste ich dafür auch etwas Durchsichtiges nehmen. Papier ging da einfach nicht.” Etwa 300 Arbeitsstunden stecken in Marlon Maiers Modell. Die Miniatur Gepäck-transport-Fahrzeuge, die mobilen Flugsteige oder die „Pushbacks”, die die Flugzeuge aus ihrer Parkbucht schieben, sind aus dem Internet dazu gekauft, um möglichst viele Details abzubilden. „Ich spiele nicht mit den Flugzeugen und dem Flughafen. Ich versuche nur, möglichst realistische Szenen mit meiner Kamera festzuhalten, und stelle diese dann online.”

Der junge Mann, der sich derzeit in einer Ausbildung zum Pflegefachmann befindet, fährt ungefähr einmal im Monat an den nächstgelegenen Flughafen und beobachtet und fotografiert die Starts und Landungen der Flugzeuge sowie das bunte Treiben der Reisenden und des Flughafenpersonals. Seine nächste echte Landung am Flughafen Son Sant Joan ist für August 2022 geplant. Sicher nicht nur um Urlaub auf Mallorca zu machen, sondern auch um sich ein, zwei neue Details für sein Modell mit nach Deutschland zu nehmen.