Bei dem Unfall der Bimmelbahn am vergangenen Mittwoch waren in Cala d'Or elf Personen, darunter Kinder, verletzt worden. | Gori Vicens

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Im Fall des Zugunglücks von Cala d'Or, bei dem am Mittwoch elf Touristen verletzt wurden, sind nun neue Informationen über die mögliche Ursache bekannt geworden. Ein ehemaliger Betriebsmechaniker prangert öffentlich an, dass er bereits Tage vor dem Unfall die Personalabteilung der Betreiberfirma auf zahlreiche Mängel beim Betrieb der Bimmelbahn hingewiesen habe. Der ehemalige Angestellte beschuldigt seine Vorgesetzten, die Fahrer unter Druck gesetzt zu haben, damit sie den festgelegten Zeitplan für die Haltestellen einhalten und sogar, dass die Fahrzeuge in Betrieb genommen wurden, ohne dass die Mindestsicherheitsmaßnahmen eingehalten wurden.

"Es ist sehr einfach, die Fahrer der Touristenzüge für die Unfälle verantwortlich zu machen, aber die Öffentlichkeit sollte wissen, dass es keine Kassierer mehr gibt, dass die Fahrer das alles selbst machen müssen. Das bedeutet natürlich, dass es oft zu Verzögerungen kommt. Unser Chef verlangt aber gleichzeitig, dass wir die Haltestellen pünkltich anfahren und Verspätungen vermeiden. Deshalb müssen wir manchmal ein bisschen schneller werden", fügt der ehemalige Arbeiter hinzu.

"Sie lassen uns zwölf Stunden am Tag arbeiten und die Mechaniker haben weder die Werkzeuge noch das Material, um Dinge am Zug zu erledigen. Sie schickten mich nach Menorca, um die Züge zu reparieren, und nachdem ich 21 Stunden am Stück gearbeitet hatte, machten sie mir weiter Druck. Der Zug solle ohne Bremsen fahren. Ich habe Screenshots, Aufzeichnungen und Videos von all dem", so der Ex-Mechaniker abschließend. Der Arbeitnehmer meldete eigenen Angaben zufolge all diese Tatsachen der Personalabteilung des Unternehmens und wurde kurz darauf entlassen. Die Mehrheit der Beschäftigten habe sich nun darauf geeinigt, eine gemeinsame Beschwerde einzureichen und sogar in Streik zu treten.

Andererseits bestätigten nach Angaben der spanischsprachigen MM-Schwesterzeitung “Ultima Hora” alle Zeugen und Opfer, dass das Fahrzeug mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs war. Der Zugführer versuchte sein Vorgehen damit zu rechtfertigen, dass es sich um einen steilen Abschnitt handelte und dass der Zug, wenn er mit allen Waggons unterwegs ist, schneller fahren muss, um das Gefälle der Straße zu bewältigen. Ein Alkoholtest bei ihm war negativ ausgefallen.