An der Plaça Gomila entsteht auf einer ehemaligen Leerfläche ein Gebäude mit Geschäften und Wohnungen. | Ingo Thor

1

Die Bank ist die alte, die Umgebung ist aber fast ganz neu. Wer sich auf der einst verkommenen Plaça Gomila in Palma hinsetzt, traut seinen Augen kaum: Zunächst einmal ist da das 1979 vom Architekten Pere Nicolau gebaute sogenannten Gomila-Center. Blütenweiß angestrichen, erstrahlt der Komplex in frischem Glanz. In den vergangenen Jahrzehnten war er zusehends verfallen: Der Putz schälte sich von den Wänden, die Bezeichnung Schandfleck war fast untertrieben.

Jetzt fügt sich der Komplex in den neu gestalteten, fast fertigen Platz ein. Außerdem befinden sich dort mehrere Neubauten: Da ist zum einen ein grünliches Gebäude im Bauhausstil, in welchem unten ein Café öffnen soll. Ein bläuliches, das auf einem ehemals unbebauten Gelände steht, bekommt wohl als Ladenmieter ein Blumengeschäft und ein feuerrotes eine Bäckerei, die von der bekannten Schuhfirma Camper finanziert wird. Im Gomila-Center kommen ein Architekturbüro und ein italienisches Restaurant unter. Vervollkommnet wird der Platz, wo noch vor wenigen Jahren vor Latinodiscos mit Drogen gedealt wurde und wo es viele Obdachlose gab, mit einer Viersterne-Herberge namens „Joe’s Boutique-Hotel”. In den oberen Bereichen der renovierten und neuen Gebäude wurden Mietwohnungen für Residenten eingerichtet, darunter einige, die speziell für Behinderte gedacht sind. Schon im Oktober soll alles schlüsselfertig sein.

Damit nicht genug der Baumaßnahmen: An der nahegelegenen Aigua-Dolça-Straße herunter zum Paseo Marítimo wird die Baugrube für ein neues Hallenbad ausgehoben. Mit der grundlegenden Umgestaltung knüpft die Gegend an größere Zeiten an: Bis Anfang der 1990er konnte man hier auf Terrassen guter Restaurants im Anzug fein essen, dann begann der Niedergang.

Die Plaça Gomila ist nur eines von mehreren Großbauprojekten in Palma, die bereits laufen oder in Kürze begonnen werden. Ein weiteres Vorhaben ist der Neubau des Club de la Mar und – eine ganz große Sache – der mit Spannung erwartete Rückbau nebst Zusatz-Begrünung des Paseo Marítimo. Hinzu kommt die Umgestaltung der Plaça d’Espanya ab September: Hier sollen unter anderem die rutschigen Bodenplatten, die dem Platz seinen Charme nehmen, wegkommen.

Und dann ist da noch der Parc de la Mar, der wie das Gomila-Center vom Architekten Pere Nicolau ersonnen wurde. Hier will die Stadt großflächig sämtliche aus den 1980ern stammenden, inzwischen ausgetretenen und ausgeblichenen Marès-Bodenplatten auswechseln. Man will dort widerstandsfähigere graue Fliesen verlegen. Die Phase 1 südlich der Wasserfontäne hat im Juli begonnen und soll fünf Monate dauern: Bagger haben inzwischen großflächig den Boden aufgerissen, die neuen Platten sollen bald verlegt werden. Später ist geplant, die restlichen, noch nicht angetasteten Bereiche des Parc de la Mar der gleichen Radikalkur zu unterziehen.

Während an vielen Stellen der Stadt geschäftig gearbeitet wird, herrscht an einem anderen bedeutenden Ort, an der Plaça Major, Stillstand: Unter ihrer Oberfläche steht bereits seit etwa drei Jahren ein ungemütliches dunkles Einkaufszentrum leer. Ein Ideenwettbewerb zur künftigen Nutzung der Räume, der einem Umbau vorangestellt ist, wurde noch nicht einmal gestartet.