Der frühere Rocker-Boss Frank Hanebuth (hier ein Archivbild) sitzt in einem Berufungsverfahren in einem Gerichtssaal des Landgerichts. | Moritz Frankenberg/dpa

Der frühere Rocker-Boss Frank Hanebuth hat im Strafprozess in Spanien am Dienstag erstmals Fragen vor Gericht beantwortet. Allerdings erklärte er sich am zweiten Verhandlungstag nur damit einverstanden, Fragen seiner Rechtsanwältin zu beantworten. Das Angebot, sich während der Befragung hinzusetzen, lehnte er ab. "Nein danke, ich stehe, komme ja nicht mehr hoch so schnell", sagte der 58-jährige Ex-Boxer im schwarzen Outfit. Er und weitere 48 Personen sind vor dem Nationalen Strafgerichtshof in San Fernando de Henares bei Madrid unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Drogenhandel, Zuhälterei und Bedrohung auf Mallorca angeklagt. Allein für Hanebuth werden 13 Jahre Freiheitsentzug gefordert. Er und seine Anwältin haben die Vorwürfe zurückgewiesen.

Bei der ersten Befragung durch seine Rechtsanwältin ging es um den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Hanebuth habe zwischen 2009 und 2013 Straftaten als regionaler Chef der Hells Angels auf Mallorca begangen. Hanebuth sagte, auf Mallorca habe eine Ortsgruppe der Hells Angels vom 7. November 2009 bis zum 19. Februar 2011 bestanden. Mit dieser im Rocker-Jargon "Charter" genannten Gruppe habe er aber nichts zu tun gehabt. In den Jahren 2011 bis 2013 sei er immer nur in den Sommerferien und zum Geburtstag eines deutschen Freundes auf Mallorca gewesen, wohne derzeit in Hannover und habe keine geschäftlichen Beziehungen zu den anderen Angeklagten.

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Zu seiner Arbeit in Deutschland sagte Hanebuth: "Ich berate mehrere Gesellschaften, hatte eine Securityfirma und habe eben viel Gastronomie." In Spanien habe er kein Eigentum gehabt, auch nicht an dem Landgut "Son Paraíso" auf Mallorca. Er sei auch nie wegen Geldwäsche in Deutschland belangt worden. Hanebuth war im Sommer 2013 auf Mallorca zusammen mit vielen anderen mutmaßlichen Motorrad-Rockern bei einer spektakulären Razzia in Lloret de Vistalegre festgenommen worden. Nach zwei Jahren hinter Gittern wurde er 2015 gegen eine Kaution von 60 000 Euro aus der U-Haft in Cádiz entlassen. Erst 2017 durfte er Spanien wieder verlassen. Er kehrte damals nach Deutschland zurück.

Der Mammut-Prozess hatte am Montag begonnen. Der erste Verhandlunstag war mit Deals zwischen 34 Beteiligten und der Staatsanwaltschaft zu Ende gegangen. Bereits vor dem eigentlichen Prozessbeginn hatten sich deren Verteidiger mit der Anklage auf die entsprechenden Strafen geeinigt. Dies war möglich geworden, nachdem die Staatsanwaltschaft mit ihrer Strafforderung deutlich nach unten gegangen war. In den meisten Fällen akzeptierten die Beschuldigten die Verurteilung, nachdem anstelle von Gefängnis "nur" noch Geldstrafen im Raum gestanden hatten. Jeder der 34 Angeklagten musste die Strafe – in der Mehrzahl der Fälle wegen der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung – mündlich am Mikrofon (oder per Videoschalte) akzeptieren.