Muss womöglich ins Gefängnis: Einbruchsopfer und Täter Pau R. aus Porreres. | Alejandro Sepúlveda

TW
0

Knapp zehn Tage nach Prozessbeginn haben die Schöffen auf Mallorca entschieden: Der 83 Jahre alte Pau R. ist des Totschlags an Fredy E. schuldig. Das Urteil am Landgericht Palma fiel einer Meldung der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" mit fünf zu vier Stimmen aus. Pau R. war angeklagt, im Februar 2018 infolge eines Einbruchs in seinem Haus in Porreres einen der Täter mit einem Jagdgewehr erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte für Pau R. eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten beantragt. Das genaue Strafmaß soll in den kommenden Tagen verkündet werden. Gleichzeitig sprachen sich die Schöffen mit großer Mehrheit – acht Stimmen gegen eine Stimme – dafür aus, sich bei der Zentralregierung in Madrid für eine Begnadigung des Angeklagten starkzumachen.

Nicht zuletzt aufgrund des fortgeschrittenen Alters, aber auch der Umstände wegen, fand der Prozess auf Mallorca große Beachtung in der Bevölkerung. Im Februar 2018 wurden Pau R. und seine Frau Opfer eines Einbruchs in ihrem Haus in Porreres. Die Täter vermuteten offenbar, dass das Ehepaar eine hohe Summe an Bargeld in einem Safe aufbewahrte. Dies sollte sich zwar als Irrtum herausstellen, die beiden Einbrecher hielt das aber nicht davon ab, im Haus nach Wertsachen zu suchen.

Ähnliche Nachrichten

Pau R. nutzte einen unbeaufsichtigten Moment, um sich sein Jagdgewehr zu greifen und die Täter damit in die Flucht zu schlagen. Diese ließen sich von der Waffe allerdings wenig beeindrucken und fielen über den Senior her. In diesem Moment drückte Pau R. ab und traf Fredy E. in den Bauch. Kurze Zeit später erlag der Einbrecher seiner Schussverletzung.

Im Rahmen polizeilicher Ermittlungen wurden wenige Tage nach der Tat der zweite Einbrecher, der Bruder von Fredy E., sowie die zwei mutmaßliche Drahtzieher des missglückten Coups festgenommen. Den drei Männern soll im Anschluss der Prozess gemacht werden. Die Staatsanwaltschaft beantragte bereits eine Haftstrafe von jeweils fünf Jahren für die beiden mutmaßlichen Rädelsführer und eine Haftstrafe von sechs Jahren für den Bruder des Verstorbenen.