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Dem gerade hereingeschneiten Besucher bricht im 65 Quadratmeter großen Yogazelt der Schweiß aus. Fünf Frauen sitzen mit entspannt verknoteten Beinen auf ihren Matten und trinken Tee. Kurz zuvor haben sie auch mal „Ooohm" gemacht. „Damit befreit man die Nasennebenhöhlen", sagt Martina Menningen. In Indien, sagt die ehemalige TV-Moderatorin, sei Yoga eine Art Krankengymnastik. So sind auch hierzulande für viele Menschen Haltungsschäden ein Grund, ins Yoga einzusteigen. „Meine Nackenverspannung ist komplett verschwunden und ich gehe wieder aufrecht", sagt eine Teilnehmerin aus der Runde auf der Yoga-Finca.

Radiomoderatorin Christina Mayer stand Yoga anfangs skeptisch gegenüber, als eine Bekannte sie zu einer Probestunde bei Martina Menningen mitnehmen wollte. „Yoga, Finca, Deutsche - mehr Klischee geht nicht", waren ihre ersten Gedanken. Doch die Stunde gefiel ihr und Christina Mayer begann Yoga zunächst als eine Art Fitness-Training zu sehen. „Mit der Zeit merkt man jedoch, dass etwas mit einem passiert", sagt sie. Heute unterrichtet Christina Mayer selbst.

„Yoga greift in deine Psyche ein, ohne dass du es willst", sagt Martina Menningen, die seit zehn Jahren Yoga auf Mallorca anbietet. Dass sich auf der Insel vor allem Frauen im Alter zwischen 30 und 50 dem Yoga zuwenden, ist für Menningen nicht weiter verwunderlich. „Hier fangen viele einen neuen Lebensabschnitt an und müssen sich auf sich selbst besinnen. Da ist Yoga hilfreich", sagt sie. Menningen selber ist über das Atemtraining für ihre Moderation zum Yoga gekommen. „Ich habe früher viel zu schnell geredet", sagt sie.

In ihrem Yoga-Zelt absolvieren auch regelmäßig Männer ihre Sitzungen. Manche Herren nutzen Yoga auch ganz pragmatisch, um auf dem Golfplatz eine bessere Haltung zu haben.

Menningen praktiziert das achtstufige Ashtanga-Yoga, das aus dem Hinduismus stammt. Es beruht auf Atmen, Konzentration und der Technik, durch ruhige Körperstellungen und Atmung Körper und Geist zusammenzuführen. Ziel ist die „Erleuchtung", zumindest der reinen Lehre nach. Ashtanga-Yoga ist einer der vier klassischen Yogawege und für die meisten westlichen Schulen die Grundlage. Darauf aufbauend wird häufig das Hatha Yoga mit fließenden Bewegungen praktiziert. Es sieht den Körper als ein Mittel, mithilfe von Techniken die spirituellen Ziele zu erreichen. Daraus haben sich wiederum viele Unterarten und Spezialisierungen entwickelt.

So bietet die Deutsch-Mallorquinerin Claudia Hubberten neben Hatha-Yoga unter anderem Hormonyoga an. „Für Frauen in den Wechseljahren, aber auch für Frauen, die schwanger werden wollen", sagt Hubberten.

Altersbeschränkungen gibt es grundsätzlich nicht. Lorena Mongelos bietet Yoga für Kinder an. „Das ist manchmal recht chaotisch", sagt sie. „Aber man kann es ihnen näherbringen. Hilfreich ist, dass die meisten Haltungen Tiernamen haben." Ihr fünfjähriger Sohn Gael könne ohne Yoga gar nicht mehr einschlafen, erzählt sie. Für die 36-Jährige wäre Yoga in der Schule eine perfekte Ergänzung. „In manchen Ländern wird das praktiziert. Ich hoffe, dass es auch hier bald so weit ist", sagt sie.

Ihren erwachsenen Schülern bietet Lorena Mongelos bei Gruppengrößen bis zehn Personen individuelle Betreuung. Wichtig sei, so Mongelos, „den Geist leer zu bekommen", eine Stunde an nichts zu denken. „Wenn Du es nicht schaffst, Körper, Kopf und Geist zu verbinden, schaffst du es nicht zum Ziel zu kommen, und das ist das Gleichgewicht."

Mongelos bietet für Babys sogenannte Shantala-Massagen an. „Es geht um sanfte Massagen, die eine beruhigende Wirkung auf Kleinkinder haben", sagt sie. Ebenso praktiziert sie Yoga mit Massagen für Senioren.

Das Spirituelle spielt gerade in moderneren, westlichen Spielarten des Yoga nicht immer die Hauptrolle. Das sogenannte Poweryoga bindet zum Beispiel Spielarten des Pilates mit ein, da wird weniger meditiert, sondern mehr gepowert. Der deutsche Frank-André Berkel widmet sich im Earth Yoga-Zentrum in Santa Catalina mit Body Art anspruchsvollen Übungen und Techniken. Er verspricht, Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen, „auch ohne esoterischen Überbau".

Bewegung ohne Meditation? „Das hat mit Yoga nichts zu tun", sagt Henry Sandkuhle. Der Pferdetherapeut hat Yoga über seine Leidenschaft entdeckt, die Pferde. „Pferde reagieren energetisch. Sie kommunizieren so gut wie gar nicht durch Laute. Durch die Beobachtung von Pferden bin ich darauf gekommen, meine eigene Energie zu entdecken", sagt er. Sandkuhle machte in Südindien seinen Yoga-Lehrer, lernte bei einem 93-Jährigen Inder.

Darauf aufbauend entwickelte er eine Technik, mit der man Tiere durch die Kraft seiner Gedanken lenken kann. Auch erfahrene Reiter stauen immer wieder, wenn Sandkuhle ohne Zügel reitet. „Yoga hilft sowohl dem Reiter als auch dem Pferd. Ich kann dem Pferd durch meine Haltung und meine Energie Signale geben." Mit diesem Wissen hat Sandkuhle als Tennistrainer auch Sportler gecoacht, nutzte Yoga als Ergänzung der Trainingsmethoden.

In welcher Spielart auch immer, grundsätzlich gilt, dass jeder sein persönliches Yoga finden muss. „Nicht jeder muss auf dem Kopf stehen können", beruhigt Martina Menningen.