Zurzeit entwirft Miquel Adrover Kollektionen für das Nobel-Öko-Label Hess. Für Unternehmen, die seine Philosophie nicht teilen, würde er nicht arbeiten wollen, sagt der Mallorquiner. Er lebt teilweise auf der Insel, in London und in Deutschland. | Foto: Jaume Morey

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Der mallorquinische Modedesigner Miguel Adrover pflegt sein Image als Rebell: Der Bauernsohn aus Calonge beendete mit zwölf Jahren die Schule , arbeitete in den Mandelhainen seiner Familie, als Taxifahrer in Ägypten und als Putzmann in New York. Dort blieb er 19 Jahre lang, legte als Modemacher und Fashiondesigner eine kometenhafte Karriere hin: Erst als Chefdesigner für Alexander McQueen, dann mit einem eigenen Label.

Als seine Investoren pleite gingen, war das zu Ende. Ein Angebot von Tommy Hilfinger schlug er aus. Heute lebt er zwischen Mallorca, Deutschland und London, macht Mode für das Modelabel Hess Natur. 

Seit 1. Oktober hat er in Ses Voltes, zusammen mit anderen Künstlern wie Xim Izquierdo und Adriana Cerecero, ein Studio als „artist in residence“.

MM sprach mit Miguel Adrover:

Mallorca Magazin: Was bedeutet es für Sie, hier in Ses Voltes als "artist in residence" zu arbeiten?

Miquel Adrover: Es ist eine neue Erfahrung. Ich bin sehr neugierig, wie es sein wird. Ich freue mich auf den Kontakt mit den anderen.

MM: Wie ist heute Ihr Verhältnis zu Modeszene?

Adrover: Ich arbeite seit acht Jahren für Hess Natur. Ansonsten bin ich frei. Ein wunderbares Gefühl. Ich werde hier Sommerkurse für Studenten internationaler Universitäten und Modeschulen geben und ihnen die Farben Mallorcas zeigen.

MM: Was ist Mode für Sie?

Adrover: Das kann ich nicht beschreiben. Es ist eine Industrie, die nur auf Geld aus ist. Das versucht sie, mit Celebrities zu machen. In den 1980er und 1990er Jahren hatte Mode noch einen sozialen Bezug. Da versuchte man noch, etwas zu verändern.

MM: Wie sollte man sich anziehen?

Adrover: Kleidung ist wie ein Pass, weist die Menschen aus. Das ist sehr langweilig geworden. Und der ständige Konsum ist nicht nachhaltig. Die Materialien der Mode kommen schließlich aus der Erde. Durch zu viele Kollektionen werden die Ressourcen missbraucht. Man sollte also auf Materialien achten, die Dauer haben.

MM: Was ist für Sie Luxus?

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Adrover: Nichts zu imitieren. Sich auf sich selbst konzentrieren zu können. Persönlichkeit zu haben.

MM: Wie kann man Kreativität auf nachhaltige Weise mit Geschäft und Gewinn verbinden?

Adrover: Gewinn ist nicht immer das große Geld. Ich fahre oft nach Kuba. Dort gibt es sehr wenig zu kaufen. Die Leute sind glücklich, weil sie erfindungsreich sind. Sein müssen. Mode macht nämlich nur bedingt glücklich. Sie ist ja ursprünglich als Schutz, als Bedeckung gedacht, nicht als Prestige-Objekt.

MM: Wenn eine globale Modefirma sie morgen riefe, wie würden Sie reagieren?

Adrover: Wenn sie meine Philosophie berücksichtigt, wäre es gut. Aber nur dann.

MM: Sie sind millionenfach kopiert worden. Was sagen Sie dazu?

Adrover: Das ist doch fantastisch. Das heißt, dass ich etwas gut gemacht habe. Multinationale Firmen wie Zara oder Mango haben die Essenz der Mode kaputt gemacht. Menschen sind heute so unsicher, dass sie immer wieder etwas Neues haben müssen.

MM: Mögen Sie Vermögen und Geld?

Adrover: Nein, es ekelt mich. Ich war ja schon mal wohlhabend, habe dann aber das Spiel nicht mehr mitgespielt. Ich hätte es auch wie gehabt fortfahren können. Mir ist das Risiko viel lieber.

MM: Hat Ihre Arbeit einen politischen Aspekt?

Adrover: Hundertprozentig. Wir brauchen internationale Gesetze, damit so etwas wie in Bangladesh nie wieder passiert, damit die Arktis nicht weiter schrumpft. Der Hunger muss bekämpft werden. Wir brauchen Bescheidenheit.

MM: Wenn Sie die Möglichkeit hätten, wie würden Sie die Welt verändern?

Adrover: Ich würde für gerechtere Verteilung sorgen, die Schere zwischen Arm und Reich ist einfach viel zu groß. Wir sollten das Vorhandene nutzen, denn man kann auch aus wenig viel machen. Vielleicht erreichen wir es dann, dass der Mensch nicht mehr nur als Image erscheint.

Die Fragen stellte Gabriele Kunze.