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Gerade schien so etwas wie Dynamik in die Debatte zu kommen, wann die ersten Urlauber wieder auf Mallorca landen können, da funkt die Zentralregierung in Madrid mit einer Knallhart-Maßnahme dazwischen: Personen, die nach Spanien einreisen, sollen sich zwei Wochen lang in Quarantäne begeben, egal, ob in einem Privathaushalt oder in einem Hotel. Die Regelung soll ab Ende der Woche gelten.

Kein Wunder, dass dieser Plan auf Mallorca für Verwunderung und Verärgerung, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik gesorgt hat. Hatte man doch gerade erst so etwas wie Morgenluft an der Tourismusfront gewittert. Erstmals scheint sich Ministerpräsidentin Francina Armengol ihrem sozialistischen Parteifreund, dem spanischen Regierungschef Pedro Sánchez, offen widersetzen zu wollen. Zumindest äußern Mitglieder ihres Kabinetts Zweifel am Sinn einer solchen Maßnahme.

„Man kann nur hoffen, dass sie von kurzer Dauer ist und mit dem Fortgang des Corona-Exits schnell wieder verschwindet”, zitiert die MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora” Regionaltourismusminister Iago Negueruela (PSOE).

Und tatsächlich: Eine besonders lange Lebensdauer dürfte dieser „Streich” aus Madrid nicht haben und spätestens mit Ende des Alarmzustandes wieder außer Kraft gesetzt werden. Dieser dauert offiziell noch bis zum 24. Mai, allerdings gilt als sicher, dass sich Sánchez um eine weitere Verlängerung – es wäre bereits die fünfte – bemühen wird. Offenbar zielt er darauf ab, den „Estado de Alarma” bis zum Eintritt in die „Neue Normalität” am 22. Juni fortzuführen.

Indes tut sich am Horizont ein neuer Stichtag auf: der 15. Juni. Bis zu diesem Tag sollen die Grenzen in Zentraleuropa – zwischen Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz – wieder ganz geöffnet sein. Der Weg dorthin soll schrittweise erfolgen. Flugreisende aus Spanien werde man aber zumindest bis zum 15. Juni weiterhin streng kontrollieren und eine Einreise nur im Notfall zulassen. Das gab Bundesinnenminister Horst Seehofer am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bekannt.

Unterdessen sickerte auch durch, dass zwischen Italien, Spanien, Deutschland und Frankreich quarantänefreie Flüge für den Sommer vorbereitet werden. Die Regierungen der Staaten stünden in engem Kontakt, um ein Protokoll für eine koordinierte Aktion auszuarbeiten. Dazu zitierte das Nachrichtenportal „20 minutos” die italienische Verkehrsministerin Paola de Micheli. Das sei deshalb geplant, weil der Tourismus gerade in Spanien und Italien einer der am stärksten von der Coronavirus-Krise betroffenen Wirtschaftssektoren ist. Mit einem „schnellen” und „sicheren” System wolle man die Flughäfen bald wieder für Urlauber öffnen.

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Zuletzt äußerte sich an diesem Mittwoch auch die EU-Kommission mit einer Empfehlung. Auch Brüssel macht sich für eine schrittweise Öffnung der Grenzen im Schengen-Raum bis zum Sommer stark. Wirtschafts- und Währungskommissar Paolo Gentolini glaubt, dass die wichtige Sommersaison auf dem Kontinent trotz des Virus stattfinden wird: „Wir werden definitiv im Sommer eine Touristensaison haben”, sagt der frühere italienische Ministerpräsident, „allerdings mit Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen”.

Geplant ist offenbar ein Drei-Phasen-Plan, der Reisen zwischen einzelnen Staaten immer dann zulassen soll, wenn sie sich in einer ähnlichen epidemiologischen Situation befinden. Auch könne es Reisefreiheit zwischen den Regionen einzelner Mitgliedsländer geben. Ausnahmen könnte es zudem für Berufspendler oder beispielsweise auch dann geben, wenn Mitglieder einer Familie in verschiedenen europäischen Ländern leben. Maria Frontera, Chefin des Hotelverbandes Fehm, sprach von „einem großen Engagement für den Tourismus vonseiten der EU”.

Auf Mallorca wird aber deutlich, dass sich das Rad der Wirtschaft ohne Urlauber nicht weiterdrehen wird. Fast geschlossen lehnte die Hotel-Branche die Erlaubnis zur Wiedereröffnung am vergangenen Montag ab. Warum aufsperren, wenn kein einziger Urlauber auf die Insel kommt? Lediglich drei Herbergen entschlossen sich für eine Öffnung unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und mit etlichen Hygienemaßnahmen.
„Fast alle unserer 850 Hotels bleiben erst mal dicht”, versicherte eine Sprecherin das mallorquinischen Hotelverbandes Fehm MM am Mittwoch.

„Unser Stichtag für die Öffnung eines Großteils der Herbergen ist der 1. Juli. Allerdings stehen wir in engem Kontakt zur Regierung und hoffen auf eine baldige Öffnung erster Flugkorridore mit Deutschland, um bereits Mitte Juni in eine Art Pilotphase zu starten.” Ziel sei es, von der Saison zu retten, was zu retten ist. „Und dazu brauchen wir Urlauber aus dem Ausland, mit Spaniern alleine ist es nicht getan”, so die Fehm-Sprecherin weiter.

Ihre Aussage untermauert sie mit Zahlen. 11,9 Millionen Urlauber seien alleine im vergangenen Jahr nach Mallorca gekommen. „Davon waren nur 13 Prozent Spanier, 87 Prozent kamen aus dem Ausland. Von den ausländischen Urlaubern wiederum waren 30 Prozent Deutsche und 20 Prozent Briten. Wenn diese Klientel nicht kommen kann, dann müssen wir die Hotels auch nicht öffnen.”

Den vollständigen Bericht lesen Sie in der aktuelle MM-Ausgabe (Mallorca Magazin 20/2020), erhältlich in Deutschland im Zeitungshandel an Bahnhöfen und Flughäfen oder auf E-Paper.