Mit Hilfe von Sat-Antennen können Megayachten wie die „Andromeda” weltweit aufs Internet zugreifen. | Michels

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Besitzer luxuriöser Motor- oder Segelyachten kennen das Problem: Da schippert man Samstagabend durchs Mittelmeer – und kann mal wieder nicht die Sportschau empfangen. Schon schmeckt der Schampus öde und fad.

Solche Grauzonen der modernen Telekommunikation, in denen selbst das teuerste Mobilfunk-Handy und der größte Smart-Fernseher an Bord so nützlich sind wie eine Taschenlampe ohne Batterie, gibt es auf den Weltmeeren reichlich. Spätestens ab einer Entfernung von 30 Kilometer zur Küste funktioniert die maritime Kommunikation nur noch über Ultrakurzwelle.

VHF-Funkgeräte sind mittlerweile zwar in der Lage, seitenlange Wetterberichte auszudrucken. Komplexere Daten wie Anrufe, Musik, Fernsehprogramme oder Netflix-Filme können sie jedoch nicht empfangen. Doch eben auf solche wollen Eigner von privaten Mega- oder Gigayachten nicht verzichten.

Aus diesem Grund bieten etwa ein Dutzend Unternehmen weltweit die Versorgung von satellitengestützter Telekommunikation für Mega-Yachties rund um den Globus an. Branchenprimus ist nach eigenen Angaben die Firma OmniAccess, seit 2007 in Palmas Hightech-Gewerbegebiet Parc Bit ansässig. Etwa 100 Mitarbeiter steuern von dem mallorquinischen Europa-Headquarter 24 Stunden täglich ein welt-
umspannendes Satcom-Netz, das bis in die letzten Ecken der Ozeane reicht.

Zu den 400 Kunden des Unternehmens zählen neben Besitzern einiger der teuersten Privatyachten der Welt auch maritime Umweltschutzverbände oder Organisatoren von Forschungsreisen sowie Kreuzfahrtreedereien. „Die Nachfrage nach Satcom-Technik auf See steigt gerade im Privatyachtsegment seit Jahren”, sagt OmniAccess-CEO Bertrand Hartmann.

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Die Gründe dafür seien vielfältig. „Besitzer von großen Privatyachten sind abenteuerlustiger als früher und steuern immer öfter auch abgelegenere Seegebiete wie die Galapagos-Inseln, Französisch Polynesien oder die Antarktis an. Für sie ist Satcom-Technik kein Luxus oder Spielerei, sondern vielmehr Teil der notwendigen Kommunikationsausstattung an Bord”, so Hartmann.

Über einen hauseigenen „Teleport” verbindet sichdie Firma OmniAccess von der Insel aus mit Weltraum-Satelliten wie Intel- oder Eutelsat.

Aber auch in küstennahen Gewässern und in den traditionellen Hotspots des Yacht-Sports, im Mittelmeer und in der Karibik gewinnt die Satellitenverbindung zunehmend an Bedeutung. Hoch frequentierte Häfen wie Monaco, Saint-Tropez und Palma verfügen zwar über schnelle Wifi-Anbindungen oder leistungsstarke LTE-Netze, die aber aufgrund der hohen Zahl von Yachten oftmals an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Und: Bei terrestrischen Diensten wie 4G und 5G gibt es für den Kunden keine Garantie, dass er stets eine gute Verbindung bekommt, weil man diese mit anderen Nutzern teilt – während man bei VSAT eine vertraglich festgelegte Bestätigung für die bestellte Bandbreite bekommt.

OmniAcces greift bei seinem Dienstleistungsangebot auf ein Netz von rund einem Dutzend Weltraum-Satelliten wie Intelsat oder Eutelsalat zurück. Die werden von den hauseigenen sogenannten „Teleports” gegen entsprechende Zahlung zum Senden und Empfangen der verschlüsselten Kundendaten angezapft. Das Unternehmen verfügt über insgesamt sechs solcher, rund um den Globus positionierter Teleports. Einer von ihnen steht vor dem europäischen Firmen-Headquarter im Parc Bit. Es handelt sich dabei um einen eingezäunten Außenbereich mit 14 Satellitenschüssel verschiedener Größe, und in unterschiedliche Himmelsrichtungen ausgerichtet. Mit ihnen werden rund um die Uhr die Satcom-Verbindungen der Kunden aufrechterhalten.

Billig ist der Service nicht. Aber das sei in der Branche kein Problem, glaubt Hartmann. „Mega- oder Gigayachten gehören in der Regel sehr wohlhabenden Menschen, wie Staatsoberhäuptern oder Besitzern großer Unternehmen”, so der CEO. „Sie haben ein Vermögen für ihre Schiffe ausgegeben, aber sie können sie nur dann über längeren Zeitraum nutzen, wenn sie auf See mit ihren Büros verbunden bleiben. Konnektivität ist für unsere Kunden absolut entscheidend. Und sie sind durchaus bereit, die hohen Preise zu zahlen, die ein solch hohes Service-
niveau erfordert.”

Bereits in der nahen Zukunft will das Unternehmen Satcom-Verbindungen auch Besitzern kleinerer Yachten anbieten. Möglich machen soll das die Nutzung von sogenannten „Low Earth Orbit” (LEO) Satellitenkonstellationen. Im Gegensatz zu den aktuellen geostationären Funksatelliten im Weltraum bieten diese erdnahen Übertragungssatelliten eine größere Netzabdeckung sowie eine schnellere Bandbreitverbindung. Und günstiger ist es auch noch. Auf der Überfahrt von Palma nach Barcelona die Sportschau gucken, sollte damit kein Problem mehr sein.