Ein Bild aus scheinbarlängstvergangenen Tagen:Kauffreudige Kundschaft aneinem Delikatessenstand inPalmasMarkthallePlaza Olivar. | M. A. Cañellas

Ohne Moos nix los, klingt derb und umgangssprachlich, bringt aber die gegenwärtige finanzielle Schräglage von vielen Otto-Normalverbrauchern auch auf Mallorca unmissverständlich auf den Punkt. Deren Geld sitzt seit dem Einschlag russischer Raketen in der Ukraine nämlich alles andere als locker im Portemonnaie. In vielen Fällen ist die momentane Situation für Privathaushalte, Unternehmen oder Freiberufler auf der Insel sogar existenzbedrohend geworden.

Gerade einmal fünf Wochen ist es her, dass der Ausbruch des Krieges in Osteuropa zu einer schwindelerregenden Verteuerung von Strom-, Treibstoff- und Lebenshaltungskosten auf den Balearen wie im restlichen Spanien zur Folge hatte. Ein daraus resultierender Streik von Transportfahrern auf dem Festland führte bis Anfang der Woche obendrein zu einer Verknappung von Lebensmitteln und Güterwaren auf den Inseln.

Seit ein paar Tagen scheinen sich die Wogen aber zu glätten, haben die Brummi-Fahrer ihren Streik beigelegt, dürfen Unternehmer und Verbraucher etwas zuversichtlicher dreinschauen. Was war passiert?

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Am Freitag (25.3.) hatte die spanische Zentralregierung ein Maßnahmenpaket verabschiedet, um die gegenwärtige wirtschaftliche Talfahrt auszubremsen. Das mit insgesamt sechs Milliarden Euro dotierte Finanzhilfepaket sieht neben einem landesweiten Benzin-Rabatt für Unternehmer und Privatleute (siehe Infokasten ) auch die Deckelung der Strom- und Heizungspreise sowie eine Höchstgrenze für Mieten vor, die im Rahmen der galoppierenden Inflation in den vergangenen Wochen ebenfalls in die Höhe geschossen waren.

Auf den Balearen kündigte die Landesregierung am Dienstag zudem weitere Wirtschaftshilfen in Eigenregie an. Zu ihnen zählt die Erhöhung der regionalen Sozialhilfe für einkommensschwache Familien (Renta Social Garantizada) um 15 Prozent. Die von der Treibstoffverteuerung besonders hart getroffenen Branchen wie Transportunternehmen, Landwirte und Berufsfischer sollen mit Direkthilfen bezuschusst werden und können außerdem zinslose Kredite mit langen Laufzeiten beantragen. Angekündigt wurden vom Govern Balear auch Rabatte und Preisvergünstigungen für die Nutzung öffentlicher Transportmittel sowie Bonuszahlungen für Stromrechnungen in einkommensschwachen Haushalten. Die dafür bereitgestellten Gelder wurden von der Landesregierung auf eine Höhe von insgesamt 106 Millionen Euro beziffert.

Ob so viel Geld reichen wird, die Konjunktur auf den Inseln wieder anzukurbeln, ist dennoch ungewiss. Vertreter des kleinen und mittleren Unternehmerverbandes (Pimem) beurteilten die vom Govern Balear in Aussicht gestellten Finanzhilfen als unzureichend. Vor allem deshalb, weil viele Firmen und Freiberufler noch mit den wirtschaftlichen Altlasten aus Corona-Zeiten zu kämpfen hätten. So fordert der Verband unter anderem, die im Mai fälligen Rückzahlungen der staatlichen Covid-Kredite (ICO) bis Ende des Jahres auszusetzen. Kritik vonseiten der Unternehmer wird zudem über die „vollkommene Unklarheit” hinsichtlich der praktischen Umsetzung aller von der Zentral- und Landesregierung angekündigten Hilfsmaßnahmen geübt. Ein Ende der Krise scheint damit wohl vorerst nicht in Sicht.