Mehr als 2000 Elektro- und Hybrid-Pkw wurden seit Anfang dieses Jahres auf den Inseln zugelassen. | Pixelio

Gerd Mayerdierks ist eigentlich kein begeisterter Autofahrer. Doch in den vergangenen drei Wochen ist der in Felanitx lebende Deutsche so viel gefahren wie noch nie zuvor. Grund ist sein neues Auto, ein Citroën ë-C4. Voll elektrisch. „Knapp 1000 Kilometer habe ich bereits runter”, erzählt der seit über zwölf Jahren auf der Insel lebende Rentner. „Und das Beste: Ich habe für keinen davon auch nur einen Cent bezahlt.”

Mayerdierks ist einer von insgesamt 443 Menschen, die im vergangenen August ein voll- oder teilelektrisches Fahrzeug auf den Balearen zugelassen haben. Das sind rund 36 Prozent aller auf den Inseln registrierten Neufahrzeuge und damit spanienweiter Rekord. Will heißen: In keiner anderen Region des Landes boomt die E-Mobilität so sehr wie derzeit auf Mallorca und den Nachbarinseln. Das klingt umso beeindruckender, als dass im gesamten vergangenen Jahr gerade einmal 800 Elektro- oder Hybrid-Fahrzeuge auf den Balearen zugelassen wurden.

„Die seit Ausbruch des Ukraine-Krieges explodierenden Benzinpreise sind der Hauptgrund dafür, warum sich viele Käufer für ein Elektroauto entscheiden”, glaubt Raúl Morales, Sprecher des regionalen Verbandes von Automobilhändlern Faconauto. Dazu komme nach seiner Meinung, dass E-Autofahrer an vielen Ladestationen umsonst Strom tanken können. Das spart bares Geld.

„Der Kauf eines Elektro-Pkws war für mich vor allem eine finanzielle Entscheidung”, sagt daher auch Gerd Mayerdierks. Für seinen Citroën zahlt er in Felanitx pro Jahr weniger als 80 Euro an Kfz-Steuern, und in Palma und anderen größeren Ortschaften auf der Insel kann er kostenlos in allen öffentlichen gebührenpflichtigen ORA-Zonen umsonst parken. „Auch das Netz an öffentlichen kostenlosen Ladestationen auf der Insel ist groß”, findet der Deutsche. Das Navi im Auto zeige ihm konstant alle verfügbaren Ladestationen in seiner Nähe an. Er hat bei der Stromgesellschaft Iberdrola zudem einen eigenen Schnellladeanschluss für den Tiefgaragenplatz in seiner Wohnanlage beantragt. „Damit kann ich das Auto nachts bequem aufladen”, so Mayerdierks. Die Ladekosten würden nach Angaben der Stromgesellschaft umgerechnet bei 80 Cent pro 100 Kilometer Laufleistung liegen. „Das ist spottbillig!”

Klingt nach der heilen Autowelt. Doch es gibt auch Nachteile. „Die Auslieferungszeiten für Elek-tro-Pkw sind derzeit noch länger als für Autos mit konventionellem Antrieb”, sagt Raúl Morales vom Händlerverband. Grund sei die weltweit anhaltende Verknappung von elektronischen Komponenten zur Motorsteuerung. Mayerdierks musste ein halbes Jahr auf sein Auto warten. „Man kann auch sehr viel länger warten”, weiß Morales.

Anderes Manko sei der hohe Anschaffungspreis. „Selbst mit den staatlichen oder regionalen Beihilfen und Subventionen sind Elektro-Pkw deutlich teurer als Benzin-Autos”, erklärt Morales. Bleibt aber immer noch der Vorteil der günstigeren oder sogar kostenlosen Tankladungen für E-Autos.

Carlos Ferragut vom Verbraucherschutzverband warnte kürzlich in einem Interview mit der Tageszeitung „Ultima Hora”, dass die Tarife für die Benutzung von Ladestationen schon bald in die Höhe schießen könnten. „Bei den derzeitigen Energiepreisen können sich weder Kommunen noch private Unternehmen leisten, kostenlosen Ladestrom anzubieten.”