Gäste, die sich für einen Aufenthalt im Vanity Hotel in Port d'Alcúdia entscheiden, suchen vorallem Ruhe und Entspannung. | Foto: P. Lozano

Eine Radfahrerin betritt die Hotellobby, sie kommt gerade von einem Ausflug zurück. An der Bar gießt sie sich ein Glas Sekt ein, der den Gästen kostenfrei zur Verfügung steht. Auf einer Sitzgruppe lässt sie sich nieder, streicht sich durch das graue Haar und blickt hinaus. Im Hintergrund der Lobby läuft dezente Musik. Das Ehepaar aus Österreich hat es sich am Pool des Hotels bequem gemacht, der Himmel ist wolkenverhangen, deshalb behalten sie ihre leichte Kleidung an. Sie beginnt in ihrer Zeitung zu lesen, er rutscht auf der Sonnenliege nach unten und nickt ein. Nur das Meeresrauschen begleitet seinen Schlaf.

"Wir haben selbst keine Enkelkinder", erzählen die Österreicher. "Das macht mich traurig, andere Großeltern mit ihren Enkeln zu sehen", fügt die Seniorin an, außerdem habe sie in ihrem Alter keine Geduld mehr mit kleinen Kindern. Sie und ihr Mann haben sich für das Hotel Vanity Golf in Port d'Alcúdia entschieden, um ihren Urlaub in Ruhe genießen zu können. Denn das Hotel ist nur für Erwachsene zugänglich. Als "adults only" ("nur Erwachsene") wird das Konzept von Reiseveranstaltern und Hotels angepriesen. Auf der Suche nach einem entspannenden Urlaub an Mallorcas Nordküste ist auch ein Ehepaar aus dem Rheinland. "Mich hat die Ausstattung des Hotels überzeugt", sagt die Mittfünfzigerin. Dass das Hotel dann noch "adults only" bietet, habe sie endgültig überzeugt, dort einen Aufenthalt zu buchen.

Mehr als 100 Hotels, die nur von volljährigen Gästen genutzt werden können, gibt es mittlerweile auf Mallorca. Laut einer Studie des Internetportals Check 24 bietet die Insel im Vergleich zu anderen Destinationen die günstigsten Angebote für "Adults-only"-Hotels.

Zwei Erwachsenen-Hotels der Insel gehören zur Gruppe Vanity Hotels. Die Marke steht für Erwachsenen-Angebote, erklärt Heike Genschow, die Marketingexpertin des Unternehmens. "Das Konzept ist eigentlich in der Karibik entstanden und hat dort großen Anklang gefunden", sagt sie. Auf der Insel seien die Hotels ohne Kinder mittlerweile so häufig vertreten, "weil die mallorquinischen Hoteliers schon immer Vorreiter waren".

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"Im Zuge der Modernisierungen ihrer Anlagen haben viele Hoteliers auf eine Spezialisierung gesetzt", heißt es von Seiten des mallorquinischen Hotelverbands dazu, die Erwachsenen-Hotels fallen darunter. Ziel ist es, ganz bestimmte Touristengruppen anzusprechen, um sich auf dem Markt zu behaupten. "Das Konzept für jedermann funktioniert nicht mehr", betont Heike Genschow.

Sie ist sich bewusst, dass es auch Kritik an dem Hotelkonzept ausschließlich für Erwachsene gibt. "Doch die Kunden wünschen es." In Gästebefragungen schneide "adults only" gut ab. "Es ist doch völlig legitim, dass Berufstätige ihren Urlaub in Ruhe verbringen wollen." Das biete das Konzept: Entspannung.

Die Gäste des Vanity Hotels stammen größtenteils aus dem deutschsprachigen und skandinavischen Raum: "Sie haben ähnliche Ansprüche", weiß die Marketingexpertin. 65 Prozent sind zwischen 35 und 55 Jahren alt. Die Marke Vanity setzt auf eine gehobene Ausstattung ihrer Hotels in Toplage. Animation gibt es nicht, dafür Ausflugs-angebote. Es wird viel Wert auf das gastronomische Angebot und gutem Service gelegt. "Die Kundschaft sucht das besondere Erlebnis", dem komme man mit Dachterrasse und Jacuzzi auf den Zimmern entgegen.

"Der Urlauber von heute will nach Lebensabschnitt und aktuellen Befindlichkeiten seine Unterkunft buchen", betont Genschow. So komme es auch vor, dass junge Eltern einen Urlaub im "Adults-only"-Hotel wählen, weil sie ohne ihre Kinder ausspannen wollen. Auch sei die Zielgruppe nicht an den Urlaub in den Sommerferien gebunden, das Erwachsenen-Hotel werde auch in der Vor- und Nachsaison gebucht. Dennoch schließt das Vier-Sterne-Haus im November und Dezember: "Aber nicht weil wir wollen", kritisiert die Marketingexpertin, sondern weil es nicht genügend Flugkapazitäten gebe. "Auch so ein Hotel füllt sich im Winter nicht von allein."

(aus MM 44/2015)