Sterneköchin Macarena de Castro legte sich im Internet mit einer unzufriedenen Restaurantbesucherin an. | MAC

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Das hätte sich Mallorcas Sterneköchin Macarena de Castro wohl nicht träumen lassen, als sie sich nach einem unverschämten TripAdvisor-Kommentar im Sommer 2015 medial mit einem Gästepaar anlegte. Eine Richterin in Palma verurteilte die 35-Jährige nun wegen Ehrverletzung zu einer Geldstrafe von 6000 Euro. Die Inhaberin des Restaurants Jardín in Port d'Alcúdia habe ihre Kritikerin - eine inselweit bekannte Bankmanagerin - und deren Begleiter herabgewürdigt sowie unnötigerweise derart detailliert beschrieben, dass sie für die Öffentlichkeit identifizierbar war, heißt es zur Begründung.

Auf die unsachliche Kritik, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis an "Betrug" grenze, hatte de Castro mit der Bemerkung reagiert, dass die Besucherin wohl derart betrunken war, dass sie sich nach dem Dinner die Schuhe auszog und auf einem Sofa im Gastraum schlafen legte. Zudem habe nach dem Essen eine wertvolle Menestralia-Perle aus der Tischdekoration gefehlt und sei erst auf dringende Nachfrage des Sommeliers zurückgegeben worden. Zuvor hätten die dreisten Gäste noch einen Gin Tonic als Bonus eingefordert und auch erhalten. All dies habe jedoch nichts mit dem Restaurantservice zu tun, zumal es sich nicht um eine Person des öffentlichen Lebens handle, urteilte die Richterin.

Schützenhilfe kam hingegen einmal mehr von den Kollegen aus der Gastronomie. Wie schon 2015 nahmen sie im Gespräch mit der MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" kein Blatt vor den Mund: "Das ist ein starkes Stück. Letzten Endes läuft es auf eine völlige Wehrlosigkeit gegenüber unbegründeten Kritiken hinaus", meint Sternekoch Tomeu Caldentey vom Restaurant Bou in Sa Coma. "Mir erscheint das ungerecht. Ich bin nicht damit einverstanden, dass ein Koch dem Gast nichts entgegnen darf", sagt auch Service-Chefin Itziar Rodríguez vom Zwei-Sterne-Lokal Zaranda.

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Dass TripAdvisor oftmals nicht einmal die Identität von unzufriedenen Gästen prüfe, wird einhellig von Köchen wie Miquel Calent oder Marc Fosh bemängelt. "Wer etwas zu sagen hat, soll das bitte persönlich tun, statt sich hinter TripAdvisor zu verstecken", bringt es Santi Taura auf den Punkt. Noch weiter geht Alfonso Robledo vom Gastronomieverband: "Maca hat sich doch nur verteidigt. Wir haben in letzter Zeit viele Probleme mit Gästen, die sich Beschwerden ausdenken und dann mit einem Kommentar bei TripAdvisor drohen, wenn sie nicht eingeladen werden", sagt Robledo.

Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen: Wie es heißt, behält sich Macarena de Castro vor, gegen das strenge Urteil in Berufung zu gehen. (mic)

(aus MM 03/2017)