"Calviàs Frauen waschen weißer"

Neues Buch lässt die Vergangenheit des Ortes aus der Sicht der ersten Reisenden aufleben

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Esel, Johannisbrotbaum, Erntezeit: Der historische Stich (l.) ist die älteste bekannte Abbildung von Calvià. Das Bild von 1784 zeigt das Dorf zwischen den Hügeln.

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Calvià zählt heute knapp 52.000 Einwohner, 257 Hotels, 59.600 Gästebetten, fünf Yachthäfen, drei Golfplätze und Millionen von Touristen, die jedes Jahr in den Seegemeinden Palmanova, Magaluf, Peguera und Santa Ponça Urlaub machen.

Die Anfänge einer der erfolgreichsten Tourismusgemeinden der Welt nehmen sich dagegen geradezu bescheiden aus: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Gestade der mit einer langen Küstenlinie gesegneten Gemeinde nahezu unbesiedelt.

Der Kernort Calvià, das abseitige Dorf, war ein winziger Flecken. 1146 Einwohner, 228 Häuser und "14 Palmen, die gut Schatten spenden", hatte ein illustrer Reiseautor um 1860 dort registriert. Der Bäume-zählende Beobachter war der österreichische Erzherzog Ludwig Salvator. Er war einer der ersten Ausländer, die das Dorf aufsuchten und es beschrieben.

Doch schon vor ihm war die spätere Keimzelle des Massentourismus im Südwesten immer wieder in den Blick von Auswärtigen - Reisenden, Schriftstellern, Wissenschaftlern, Technikern - gerückt. Ihre vergessenen Zeugnisse und Dokumente hat nun Xavier Terrasa Garciá aus den Archiven ans Tageslicht befördert und in seinem neuen Buch "Viatge històric per Calvià" (Historische Reise durch Calvià) zusammengestellt.

Auf die ersten Ortsfremden wirkte Calvià wie auch ganz Mallorca nicht nur still und abgelegen, sondern regelrecht exotisch. Tiefe Einblicke in die dörflichen Strukturen erhielt der Arzt Miquel Parets, der von 1790 bis 1801 in der Gemeinde wirkte. Ihn hatte das Rathaus engagiert, um die Gesundheitsversorgung der Menschen zu verbessern. Parets beschrieb die Einwohner als "fügsam, höflich, sauber, geistig rege, stark und ohne Faulheit".

Der Aspekt der Reinheit fiel auch um 1840 dem Chronisten Antoni Furió auf. "Calviàs Frauen", vermerkte er, "widmen sich dem Reinigen ihrer Weißwäsche intensiver als die Frauen in Palma."

Die meisten Einwohner, schrieb der Mediziner Parets, waren relativ arm und lebten von den Früchten, die sie auf den Feldern anbauten. "Ihr Essen besteht in der Regel aus Linsen, Suppen, Weizen- und Gerstenbrot, als Getränk dient Wasser. An den Festtagen machen sie eine Ausnahme und verzehren Fleisch und Wein." Der Wein aus Calvià soll den Aufzeichnungen zufolge ebenso gut gewesen wie jene Gewächse aus den bekannten Lagen der Insel.

Die erste Illustration des Dorfes fehlt in Terrasas Buch nicht; ein Kupferstich von 1784. Es handelt sich um einen Auszug der Mallorca-Landkarte, die Kardinal Despuig einst in Auftrag gegeben hatte. Auf dem Druck ist zu erkennen, wie ein Johannisbrotbaum abgeerntet wird. Im Hintergrund ist das Dorf zu sehen, die schlichten Häuser im Tal zwischen zwei Hügeln.

Auch Historiker und Militäringenieure fertigten Beschreibungen der kleinen Inselgemeinde an. Letzteren ging es jedoch zumeist um strategisch relevante Punkte und Positionen an der jungfräulichen Küste sowie um den Zustand der alten Wachtürme, die einst zum Schutze der Bevölkerung vor Piratenangriffen errichtet worden waren.

Chronisten und Forscher richteten ihr Augenmerk wiederum auf die historische Landschaft Calviàs. Hier, bei Santa Ponça, war im Jahre 1229 Aragóns König Jaume I. an Land gegangen, um Mallorca von den Mauren zurückzuerobern. Unweit der Landungsstelle fanden die ersten Schlachten statt.

Blutgetränkte Erde. Am 12. September fielen die beiden adeligen Militärführer Montcada, Onkel und Neffe, neben vielen anderen im Kampf gegen rund 2000 Araber. 1929, 700 Jahre später, wurde den Montcadas an besagter Stelle ein Denkmal errichtet. Das schmiedeeiserne Kreuz musste keine 60 Jahre später noch einmal verrückt werden - als die Autobahn gebaut wurde.

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