Späte Ehre für den Denker

| Mallorca |
Angetan mit der offiziellen Tracht eines spanischen Botschafters: Gabriel Alomar war von 1932 bis 1934 Gesandter der Republik im

Angetan mit der offiziellen Tracht eines spanischen Botschafters: Gabriel Alomar war von 1932 bis 1934 Gesandter der Republik im Italien Mussolinis.

Foto: Foto: Archiv Ultima Hora
Angetan mit der offiziellen Tracht eines spanischen Botschafters: Gabriel Alomar war von 1932 bis 1934 Gesandter der Republik imDer Diplomat mit Teilen seiner Familie und seinem V8-Ford bei einem der gemeinsamen Ausflüge auf Mallorca.Alomar-Enkel Gabriel Alomar Bouzas ist Nautikexperte und Schiffshistoriker der spanischen MM-Schwesterzeitung „Ultima Hora“.

Selbst gute Mallorca-Kenner kommen bei dem Namen Gabriel Alomar ins Schwimmen. Der Architekt, der die Altstadt öffnete und die Säulengänge in Palmas Einkaufsstraße Jaime III. entwarf - also Gabriel Alomar Esteve? Oder der Diplomat, der 1941 im Exil in Ägypten starb - also Gabriel Alomar i Villalonga? Gabriel Alomar Bouzas, der Enkel des Letzteren, wird mit dieser Frage häufig konfrontiert und sagt dann schlicht: "Sie waren Cousins."

Der Diplomat ist nun vom Inselrat Mallorcas zum großen Sohn der Insel erhoben worden. Damit erfährt einer der ausgeprägtesten Intellektuellen der Insel posthum jene Anerkennung, die ihm in den Jahrzehnten des Franquismus verweigert worden war. "Mein Großvater, der in Katalonien ohnehin viel bekannter war als auf der Insel, versank in Vergessenheit. Erst mit der Demokratie wurde sein politisches und vor allem sein literarisches Werk wiederentdeckt", sagt der Journalist und Alomar-Enkel, der bei der spanischen MM-Schwesterzeitung "Ultima Hora" als Nautikredakteur den Ruf eines passionierten Schiffshistorikers genießt.

Dass seinem Großvater jetzt Ehren zuteil werden, freut den Nachkommen. "Bei uns in der Familie, in der viel über die Vergangenheit gesprochen wurde, blieb die Erinnerung an meinen Großvater lebendig. Außerhalb wurde er totgeschwiegen. So wandelte er sich zum großen Unbekannten auf Mallorca."

Was den Enkel irritiert, ist, wenn das politische Legat des Großvaters heute überinterpretiert wird. Etwa, wenn katalanistische Seperatisten den Denker für sich vereinnahmen wollen. "Mein Großvater war Republikaner, und er trat für ein föderales System in Spanien ein, wie es heute etwa in der Bundesrepublik Deutschland existiert. Aber er war kein Verfechter der Unabhängigkeit von Katalonien. Wir können einfach nicht wissen, für wen er heute gestimmt hätte."

Gabriel Alomar i Villalonga (1873-1941) war der Sohn eines Militärs und einer Mallorquinerin aus hoher Gesellschaftsschicht. Er erblickte das Licht der Welt in einem der Altstadtpaläste direkt hinter der Kathedrale von Palma, wie der "Ultima-Hora"-Redakteur Joan Riera jüngst in einem Bericht festhielt. Der Weg schien für den begüterten Spross vorgezeichnet, doch der junge Mann entschied sich für ein Philosophie-Studium in Barcelona. Dort kam Alomar mit dem "Noucentisme" in Kontakt, der romantischen Kulturströmung der Wiederentdeckung der katalanischen Sprache im späten 19. Jahrhundert. Bald schon distanzierte sich der junge Mann von den elitär-konservativen Vertretern dieser Kreise. Ohne die Einbindung der Arbeiterschichten und ihrer Forderungen, so Alomar, sei die Souveränität Kataloniens nicht zu erringen.

Als Anhänger der Republik und Sozialist wurde Alomar wiederholt in Barcelona als Abgeordneter ins Parlament nach Madrid gewählt. Als die Spanische Republik 1931 tatsächlich die Monarchie beseitigte, erhielt Alomar den Posten des spanischen Botschafters im Rom Mussolinis (1932-1934). Dorthin nahm er auch zwei seiner neun Söhne mit. Als 1936 der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, entsandte ihn die Republik als Vertreter (damals gab es in Kairo keine Botschaft) nach Ägypten. Dort blieb Alomar auch nach dem Ende des Bürgerkriegs bis zu seinem Tod im Exil. Seine sterblichen Überreste wurden erst nach dem Übergang Spaniens zur Demokratie nach Palma überführt und am hiesigen Friedhof beigesetzt.

Enkel Alomar wohnt noch heute in El Terreno, dem Viertel in Palma, in dem sich sein Großvater auf Mallorca am wohlsten fühlte. Das damalige Haus existiert nicht mehr. Es wich 1965 dem Hotel Sayonara, das später selbst abgerissen wurde. An jener Stelle befindet sich heute ein Parkplatz.

Repressionen in der Franco-Zeit hat Gabriel Alomar Junior wegen seines Großvaters nicht erlebt. "Es wusste ja kaum jemand, wer er war."

(aus MM 40/2015)

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