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"Das ist ein eigenes Lebensgefühl und eine eigene Musik”, meint Siegfried Holleis, Event-Manager des Mega-Parks auf Mallorca über die Partyszene rund um den Ballermann. „Die großen Opernsänger der Welt sind hier nicht vertreten. Als Künstler ist es wichtig, sympathisch rüberzukommen und mit den Urlaubern zu feiern. Man muss einer von denen sein, Arroganz geht gar nicht.”

Ähnliche Töne schlägt Peter Wackel an, der 1999 mit „Party, Palmen, Weiber und ’n Bier” bekannt wurde und seitdem nicht von der Playa wegzudenken ist. „Du musst eine Rampensau sein und Musik und Auftritte aus Leidenschaft machen. Ansonsten hat das alles keinen Sinn und das Publikum merkt das sofort, vor allem an der Playa de Palma.”

Playa-Urgestein Mickie Krause erklärt gegenüber MM: „Also wer singen kann, ist schon mal ganz klar im Vorteil. Wichtig ist, dass man authentisch ist und die Leute dir das abkaufen, was du auf der Bühne darstellst. Und man sollte natürlich auch selber Spaß an dem haben, was man macht.” Krause ist nicht nur einer der altgedientesten Playa-Stars, hatte seinen Durchbruch ebenfalls 1999 mit „Zehn nackte Friseusen”.

Er ist immer noch unbestritten einer der „Großen Drei”. Zu ihm und Schlager-Ikone Jürgen Drews, die den Mega-Park-Komplex füllen, gesellt sich seit ein paar Jahren im Konkurrenz-Tanztempel Bierkönig die kesse Mia Julia. „Ohne Zweifel, Mia Julia ist die Erfolgreichste”, bestätigt Gabriel Liras, Operations-Manager im Bierkönig, ohne die Leistungen seiner anderen Künstler schmälern zu wollen.

Mehrere Dutzend Sängerinnen und Sänger treten im Mega-Park oder im Bierkönig und/oder im Oberbayern auf. Entweder ist man mit der einen Seite im Geschäft oder mit der anderen. Wer sich seinen Platz verscherzt, der findet an der Playa nicht mehr statt. Trotz des harten Wettbewerbs soll es zwischen den beiden Gruppen eine Vereinbarung geben, die besagt, dass Künstler der Konkurrenz tabu sind. Hintergrund: Man wollte sich eines Tages bei den Gehaltsverhandlungen nicht mehr von den Künstlern auf der Nase herumtanzen lassen, die zum Teil unverhohlen damit drohten, bei Nichteinigung die Seiten zu wechseln.

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Vorbei sind an der Playa die Zeiten, in denen sich alternde Schlagerstars die Klinke in die Hand gaben. Eine Ausnahme bilden die beiden Schlager-Kult-Figuren Jürgen Drews und Costa Cordalis, wenngleich Letztgenannter vor allem im Frühjahr und im Herbst zum Einsatz kommt, wenn eher sein Publikum da ist.

Wen kann man denn im Laufe einer Mallorca-Saison live erleben? Hier ein Auszug aus der Liste der Party-Stars, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Im Bierkönig und/oder Oberbayern stehen Mia Julia, Peter Wackel, Tim Toupet, Rick Arena, Melanie Müller, Marry, Oli.P, Antonia aus Tirol, Sabbotage, Tobee, Jürgen Milski, Jens Büchner, Schäfer Heinrich, Biggi Bardot und Jasmin Jennewein auf der Bühne. Gabriel Liras: „Ja, das sind alles Künstler des Bierkönigs. Manche treten häufiger auf, andere seltener.”

Im Mega-Park lauten die Namen unter anderem Mickie Krause, Jürgen Drews, Lorenz Büffel, Isi Glück, Almklausi, Ina Colada, Autohändler, Ingo ohne Flamingo, Manny Marc von den Atzen. Im Herbst wird auch Michael Wendler wiederkommen. Markus Becker ist nur noch selten im Mega-Park, Olaf Henning und Willi Herren gehören im Moment gar nicht mehr zum Kreis. Ebenso wenig wie im Bierkönig Ikke Hüftgold.

Natürlich will jeder Playa-de-Palma-Star den Party-Hit des Jahres landen. Den größten Mitgröl-Faktor bietet zurzeit vielleicht „Mama Lauda (Wie heißt die Mutter von Niki Lauda?)” von Almklausi. Auch Lorenz Büffel mit „Beate”, Tim Toupet („Inselverbot”) und Mickie Krause („Für die Ewigkeit”) liegen gut im Rennen. Das Gleiche gilt für Peter Wackel („I Love Mallorca”), Isi Glück (Das Leben ist ne Party”), DJ Düse („Die allergeilste Insel”). Und natürlich kommt „Saufen, morgens, mittags, abends” von Ingo ohne Flamingo beim trinkfesten Playa-Publikum an. Der Song wurde von der GfK Entertainment (früher Media Control) im Februar zum „offiziellen” deutschen Karnevalshit des Jahres gekürt.

Im Digitalzeitalter kann jeder, ob mit oder ohne Talent, schnell und billig Musik produzieren. Und dann wollen alle sofort auf die Mallorca-Bühne. Siegfried Holleis kennt das, er muss sich einiges anhören. „Viele glauben, nach einer durchzechten Nacht, in der sie zwei Freunden etwas vorgesungen haben, sie seien der nächste Ballermannstar.” Doch der Weg dahin ist hart, und ganz oben zu bleiben, das schaffen nur wenige.

Mickie Krause erklärt, warum es ihn immer noch gibt: „Ich habe nicht vergessen, für wen ich diesen Job mache, nämlich für die Menschen, die Woche für Woche vor der Bühne stehen und feiern wollen.” Und Peter Wackel meint: „Ich bin immer auf der Suche nach dem richtigen Song für mich. Man muss am Puls der Zeit bleiben.”